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Messerattacke von Brokstedt: Wie es den Rettungskräften heute geht


Messerattacke in Regionalzug
Die anderen Opfer von Brokstedt

Von t-online, hof

25.01.2024Lesedauer: 2 Min.
Tote und Verletzte bei Messerattacke in ZugVergrößern des BildesEinsatzkräfte vom Rettungsdienst am Bahnhof in Brokstedt (Archivbild): Vor einem Jahr starben zwei junge Menschen bei einem Messerangriff in einer Regionalbahn. (Quelle: Jonas Walzberg/dpa/dpa)
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Am 25. Januar jährt sich die Messerattacke von Brokstedt zum ersten Mal. Was Katastrophen wie diese mit Einsatzkräften macht und wie es ihnen heute geht.

Die Opfer, an die man nach Katastrophen wie der Messerattacke in Brokstedt nicht direkt denkt, sind die Einsatzkräfte. Als der damals 33-jährige Ibrahim A. am 25. Januar 2023 zwei junge Menschen in einem Regionalzug zwischen Kiel und Hamburg erstach und fünf weitere schwer verletzte, waren es Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die als Erstes am Ort des Geschehens waren.

"Einsätze wie diese hinterlassen Narben auf der Seele", sagt Christian Mandel, Pressesprecher der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein, zu t-online. Es waren seine Leute, die die Verletzten am Bahnhof in Brokstedt versorgt haben.

"Erst wenn Ruhe einkehrt, bricht alles über einen herein"

"Während des Einsatzes wird funktioniert. Erst wenn Ruhe einkehrt, bricht alles über einen herein", sagt Mandel aus eigener Erfahrung nach mehr als 30 Jahren beim Rettungsdienst. Er sei am Tag des Unglücks nicht in Brokstedt gewesen. "Zum Glück", so Mandel.

Um Angehörigen, Augenzeugen und auch Einsatzkräften in belastenden Situationen psychologische Soforthilfe zu leisten, werden in der Regel umgehend Berater der psychosozialen Notfallversorgung, kurz PSNV, zum Unglücksort gerufen. So auch im Januar 2023 in Brokstedt.

Gefahr einer posttraumatischen Belastungsstörung

"Wir sind unendlich dankbar, dass es dieses Hilfsangebot gibt", sagt Mandel. "Das hält uns in dem Beruf." Dem Sprecher zufolge ginge es heute – ein Jahr nach dem Unglück – allen Kolleginnen und Kollegen gut. "Niemand ist gegangen."

Einer, der die Betroffenen von Brokstedt von Anfang an begleitet, ist Sascha Niemann von der Trauma-Ambulanz Westholstein in Elmshorn. Im Gespräch mit dem NDR etwa fünf Monate nach der Tat betonte er, wie wichtig es sei, über das Erlebte zu sprechen und sich Unterstützung zu suchen. Auch, wenn die Probleme erst später auftreten.

"Kurz nach so einem Ereignis sind wir eigentlich grundsätzlich alle in einem Schockzustand, einer akuten Belastungsreaktion", sagte er dem Sender. "Mittlerweile, mit dem zeitlichen Abstand zur Tat, besteht dann die Gefahr, eine posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln." Oft sei es so, dass sich Symptome erst dann zeigen, wenn im Alltag wieder Ruhe eingekehrt sei.

Jahrestag kann Gefühle und Bilder reaktivieren

Am 25. Januar ist die Messerattacke von Brokstedt genau ein Jahr her. So ein Jahrestag könne Erinnerungen, Gefühle und Bilder reaktivieren, sagt der Psychologe Michael Thiel bei "shz.de". Mit jemandem darüber zu reden und sich klarzumachen, dass es Vergangenheit ist, helfe, so der Experte.

Ein Trauma – eine seelische Verletzung, die aus dem Nichts heraus entsteht – brauche Zeit, um verarbeitet zu werden. "Damit der Psyche klar wird, das Erlebte ist Vergangenheit und nicht mehr Gegenwart", so Thiel im Gespräch mit der Zeitung.

Verwendete Quellen
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