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Krebs ohne Krankengeld: Krankenkasse lässt Studentin aus Hamburg hängen


Ein tragisches Schicksal
Monique (27) erkrankt an Krebs – und bekommt kein Krankengeld


Aktualisiert am 29.02.2024Lesedauer: 3 Min.
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Monique HeuermannVergrößern des Bildes
Trotz ihrer schweren Erkrankung ist Monique Heuermann optimistisch: Ihre Petition haben schon mehr als 60.000 Menschen unterzeichnet. (Quelle: Privat)

Monique Heuermann erkrankt plötzlich an Krebs. Von ihrer Krankenkasse fühlt sie sich alleingelassen. Jetzt kämpft sie für andere Betroffene.

Mit nur 26 Jahren erhält die Hamburger Lehramtsstudentin Monique Heuermann die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs. Doch als wäre dieser Schicksalsschlag nicht schon belastend genug, sieht sie sich nun auch noch mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert.

Im Mai vergangenen Jahres ertastet die heute 27-Jährige den kleinen Knoten in ihrer Brust. Nach einer Operation steht fest: Der Tumor ist bösartig. Es folgen monatelange Chemotherapie und Bestrahlung. Monique geht währenddessen weiter arbeiten, um sich Medikamente sowie Fahrten zur und von der Therapie leisten zu können. Insgesamt sind allein für die Zuzahlungen innerhalb eines halben Jahres 700 Euro zusammengekommen.

Als Studentin hat Monique keinen Anspruch auf Krankengeld

Von ihrer Krankenkasse fühlt sich Monique Heuermann alleingelassen. Denn als Studentin steht ihr kein Krankengeld zu. "Erst hat mir die Diagnose den Boden unter den Füßen weggezogen", sagt Monique im Gespräch mit t-online. "Und als ich dann auch noch die Nachricht von der Krankenkasse bekommen habe, war ich total überfordert."

Krankengeldanspruch haben in Deutschland nämlich nur jene, die sozialversicherungspflichtig arbeiten. Doch bei Moniques Job als Vertretungslehrerin handelt es sich um eine Werkstudententätigkeit. Durch das "Werkstudentenprivileg" ist sie weitestgehend von Beitragspflichten befreit – erhält aber eben auch kein Krankengeld.

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Bis zu 1.000 Studierende erkranken jährlich an Krebs

Monique ist kein Einzelfall. Etwa 800 bis 1.000 Studierende erkrankten jährlich an Krebs, schätzt Felix Pawlowski von der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. "Junge Erwachsene geraten durch eine Krebsdiagnose unmittelbar und plötzlich in finanzielle Not", sagt Pawlowski im Gespräch mit t-online. "Da man oft nicht davon ausgeht, dass Menschen in so jungem Alter so schwer erkranken können, denkt man oft nicht an die Gruppe der in Ausbildung oder dem Studium befindlichen Betroffenen", so Pawlowski.

Auch Bürgergeld zu beantragen, war für Monique Heuermann keine Option. Sie lebt mit ihrem Partner zusammen, der zwar ebenfalls studiert, aber gleichzeitig voll berufstätig ist. Er soll für Monique aufkommen. "Mir ist es aber ganz wichtig, unabhängig zu sein", sagt die 27-Jährige. "Ich hätte mich damit total unwohl gefühlt."

Sechs Wochen war Monique krankgeschrieben und bekam ihr volles Gehalt. Anschließend fing sie trotz Chemo wieder an zu arbeiten und wurde nach dem sogenannten "Hamburger Modell" stufenweise wieder eingegliedert. Viele Aufgaben konnte sie im Homeoffice erledigen.

Stiftung fordert "Kranken-BAföG"

Tatsächlich gibt es laut Felix Pawlowski nur wenige und oftmals mit viel bürokratischem Aufwand verbundene Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit schweren Erkrankungen. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs fordert deshalb eine Art "Überbrückungsgeld" für Menschen, die von einer "akut lebensbedrohlichen, aber langfristig heilbaren Erkrankung" betroffen sind und keinen Anspruch auf Krankengeld haben.

Für Studierende könne das eine Art "Kranken-Bafög" sein, das unkompliziert ausgezahlt wird. "Wir müssen es schaffen, die jungen Betroffenen so gut es geht zu entlasten, damit sie nach dem Ende ihrer Therapie wieder Anschluss an den Alltag und ihr Studium erhalten", sagt Pawlowski.

27-Jährige gilt heute als krebsfrei

Das wünscht sich auch Monique. Der 27-Jährigen geht es heute besser. Die Bestrahlung ist beendet, sie gilt als krebsfrei, aber nicht geheilt. In Moniques Körper sind keine Tumorzellen mehr nachweisbar.

Mit einer Petition möchte sie sich jetzt für andere Studierende einsetzen, die in die gleiche Situation kommen. Ihre Forderung, auch Studierenden Krankengeld auszuzahlen, haben bereits 68.759 Menschen unterzeichnet. Das Ziel, 50.000 Unterschriften zu sammeln, ist damit längst erreicht. Jetzt muss sich die Hamburgische Bürgerschaft dem Thema annehmen. Monique hofft, dass sie damit etwas bewegen kann.

Verwendete Quellen
  • Schriftliche Anfrage an Felix Pawlowski von der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs
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