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Delikatesse aus Hannover: Warum der Calenberger Pfannenschlag ein Auslaufmodell ist


Diese Delikatesse ist nur noch ein Auslaufmodell

  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.
Von Patrick Schiller

Aktualisiert am 13.05.2023Lesedauer: 2 Min.
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Calenberger Pfannenschlag: Das Gericht ist mittlerweile offenbar weitestgehend unbekannt – oder unbeliebt?Vergrößern des Bildes
Calenberger Pfannenschlag: Das Gericht ist mittlerweile offenbar weitestgehend unbekannt – oder unbeliebt? (Quelle: hannover.de)

Welche kulinarische Köstlichkeit schmeckt den Deutschen am besten – das hat t-online seine Leser gefragt. Eine hannoversche Spezialität liegt ganz weit hinten. Zu Recht?

Hannover Zero Points: Gerade einmal 0,6 Prozent der t-online-Leser haben für den Calenberger Pfannenschlag gestimmt, der in Bremen als Knipp bekannt ist. In Schottland kennt man etwas Vergleichbares als Haggis. Damit erreichte der Calenberger Pfannenschlag den letzten Platz bei der Frage "Welche ist die leckerste lokale Spezialität?". Die Currywurst sicherte sich dagegen den ersten Platz mit 11,5 Prozent der Stimmen.

Doch schmeckt die norddeutsche Spezialität wirklich so schrecklich? Ganz sicher nicht. Vielmehr ist der Calenberger Pfannenschlag ein Relikt aus vergangenen Zeiten, ein Auslaufmodell, das zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Zugegeben: Eine Augenweide ist das Gericht nicht. Doch als die Menschen noch hart arbeiten mussten, kam das Traditionsgericht aus der Hannoverschen und Bremer Küche gerade recht: Die scharf gewürzte Wurst besteht aus Hafergrütze, gekochtem Kopf- und Bauchfleisch vom Schwein und vom Rind sowie zerkleinerter Rinderleber. Zwiebeln und kräftige Gewürze runden das Gericht geschmacklich ab. Eine vegane oder gar vegetarische Variante zu finden, wird bei diesen Hauptzutaten äußerst schwierig.

Herunterspülen mit einer "Lüttje Lage"

Der Calenberger Pfannenschlag galt als Armeleuteessen und wurde vorwiegend zur Schlachtsaison im Herbst gegessen, also als Gericht aus Schlachtresten. Heutzutage wird es vor allem von Liebhabern gerne zu Brot oder Kartoffeln mit Spiegelei und sauren Gurken serviert. Dazu trinkt man eine hannoversche "Lüttje Lage", ein kleines Glas speziellen obergärigen Schankbieres, und ein Schnapsglas mit Kornbrand. Schwere Kost also.

Doch die meisten Menschen bevorzugen mittlerweile leichtere und vielfältigere Gerichte. Die Globalisierung und die Modernisierung von Lebensmitteln schaffen ein breiteres Angebot und eine größere Vielfalt an Lebensmitteln – fast das ganze Jahr über und unabhängig von Schlachtzeiten. Zudem hat sich im Zuge dieser Veränderungen auch die kulturelle Identität verändert: Die Wertschätzung für traditionelle Speisen und vielfältige Gewürze, die mit der eigenen Geschichte und den eigenen Wurzeln verbunden sind, ist schlichtweg zurückgegangen.

Wozu immer Steak?

Dabei bietet das deftige Mahl eigentlich eine gute Chance, unsere Essgewohnheiten zu hinterfragen. Wenn schon Fleisch auf unseren Tellern: Warum muss es dann immer das gute Steak sein? Warum nicht mal Knipp, mit dem Schlachtreste eine lokale Verwertung finden?

Es ist traurig, dass der Calenberger Pfannenschlag bald nur noch als Relikt vergangener Tage in älteren Kochbüchern zu finden sein wird. Es wäre jedoch klug, diese traditionelle Spezialität öfter anzubieten und bekannt zu machen, denn sie hat einen einzigartigen, erfrischenden Geschmack und trägt damit zum besonderen Wert der regionalen Küche bei.

Anmerkung der Redaktion

Bei dieser Abstimmung handelt es sich um eine nicht repräsentative Umfrage unter t-online-Lesern. Bei der Umfrage konnten die Teilnehmenden zwischen insgesamt zwölf deutschen Urlaubsregionen auswählen. Über 22.000 Personen nahmen an der Umfrage teil.

Verwendete Quellen
  • Umfrage unter t-online-Lesern
  • hannover.de: Calenberger Pfannenschlag
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