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Teurere Tickets für Busse und Bahnen: Experte fordert Reform


Teurere Tickets für Busse und Bahnen: Experte fordert Reform

Von dpa
17.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Rhein-Main-VerkehrsverbundVergrößern des BildesEin Servicemitarbeiter reinigt einen RMV-Fahrkartenautomaten im Hauptbahnhof Frankfurt. (Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Pandemie und Kostensteigerungen - vor diesem Hintergrund hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die zweite Preiserhöhung innerhalb weniger Monate angekündigt. Sie soll ab Juli greifen, im Schnitt werden Fahrkarten damit in diesem Jahr um 5,4 Prozent teurer. Beim Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) steht die entscheidende Sitzung des Aufsichtsrats Ende März an. Die Kosten für Diesel, Strom und Personal steigen auch hier. Um den öffentlichen Nahverkehr mit Blick auf die Verkehrswende fit zu machen, fordert der Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer zusätzliche Einnahmequellen - beispielsweise Unternehmen oder Autofahrer.

Nötig sei eine sogenannte Nutznießer-Finanzierung, sagte der Professor der Universität Kassel der Deutschen Presse-Agentur. In Frankreich und Österreich zahlten beispielsweise Unternehmen eine Abgabe, da sie auch einen Nutzen von einer guten Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel hätten. Denkbar wäre auch ein monatlicher Bürgerbeitrag oder in Ballungsräumen, Autofahrer über eine Citymaut zu beteiligen. Denn auch Pkw-Nutzer hätten einen Vorteil, wenn andere mit Busse und Bahnen fahren und so die Straßen nicht noch mehr verstopfen.

"Aus meiner Sicht ist diese neue Säule wichtig, auch angesichts des nötigen Ausbaus des ÖPNV", sagte Sommer. Es brauche Investitionen in Pünktlichkeit, dichteren Takt, Flexibilität und Qualität. Die hessische Landesregierung könne hier aktiv werden und Kommunen mehr Freiheiten geben, Einnahmen zu generieren - wie etwa jüngst geschehen bei den Gebühren für das Anwohnerparken.

Zudem müsse der Staat mehr Geld zuschießen. Die neuerliche Preiserhöhung beim RMV sei ein falsches Signal, sagte Sommer. Die derzeitigen Preise befänden sich für viele Gelegenheitskunden bereits nahe der Grenze des Akzeptablen. "Wenn man den Klimaschutz und die Verkehrswende ernst nimmt, kann das eigentlich nur heißen, dass es mehr Geld vom Staat geben muss, damit man die Kunden nicht verprellt." Ansonsten werde das Ziel, neue Fahrgäste zu gewinnen, konterkariert.

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn fordert, es müssten neue Ressourcen gefunden werden, um den ÖPNV zu finanzieren, der ansonsten unattraktiv werde. Bei der Erhöhung von Fahrpreisen müsse eine Bremse eingezogen werden, forderte der hessische Landesvorsitzende Thomas Kraft. Mit dem Drehen an der Preisschraube werde der RMV weder die Gelegenheitskunden zurückholen noch neue gewinnen.

Das hessische Verkehrsministerium erklärte, im laufenden Jahr werde bereits so viel Geld an die Verkehrsverbünde überwiesen wie nie zuvor: 982 Millionen Euro. Damit solle das Verkehrsangebot trotz eingebrochener Einnahmen aufrechterhalten und weiter ausgebaut werden. "Gleichzeitig treibt die allgemeine Preisentwicklung die Betriebskosten außergewöhnlich stark in die Höhe. Das alles stellt Land und Bund vor eine beträchtliche Herausforderung", teilte ein Sprecher mit. Dies erfordere höhere Preise.

Der RMV erhöhte zum 1. Januar um durchschnittlich 1,5 Prozent, ab 1. Juli sind es nochmals 3,9 Prozent. Zusammen entstehe eine der höchsten Veränderungen seit rund zehn Jahren, sagte Sprecher Maximilian Meyer. Hintergrund ist auch Corona: Vor der Pandemie hätten die Fahrgeldeinnahmen die Aufwände von 1,7 Milliarden Euro zu rund 55 Prozent gedeckt. "Aufgrund der pandemiebedingt weiterhin niedrigeren Einnahmen liegt das Verhältnis aktuell bei 40:60", erklärte Meyer. In der S-Bahn Rhein-Main liegt die Auslastung derzeit rund 58 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie.

Der NVV erklärte, es gebe erste Signale des Aufsichtsratsvorsitzenden, des Kasseler Landrats Andreas Siebert (SPD), "dass die vom Land Hessen gewünschte Tariferhöhung ohne weitere Diskussionen im NVV-Aufsichtsrat über die grundsätzliche Ausrichtung des ÖPNV in Hessen, den Stellenwert der Verkehrsverbünde in der Mobilitätsstrategie der Landesregierung und der zukünftigen Mobilität im ländlichen Raum keine Unterstützung finden wird". Diskutiert werden müsse, wie es gelingen könne, durch attraktive Angebote und Preise die klimapolitischen Ansätze der Regionen und des Landes konsequent zum Erfolg zu führen.

Für moderate Fahrpreise müssten das Land, die Kommunen und der Bund ihre Finanzierung erhöhen, erklärte der Verbund. Die Mittel der vergangenen fünf Jahre stammten zu 79 Prozent vom Bund, zu 18 Prozent von den Kommunen und zu drei Prozent vom Land.

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