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Im Weinbrenner-Bau klimpert es rund um die Uhr

Blick in die Münzmanufaktur  

Im Weinbrenner-Bau klimpert es rund um die Uhr

20.03.2020, 14:30 Uhr
. Die Prägeanstalt Staatliche Münze: In Karlsruhe werden immer noch Münzen geprägt. (Quelle: imago images/Archivbild/suedraumfoto)

Die Prägeanstalt Staatliche Münze: In Karlsruhe werden immer noch Münzen geprägt. (Quelle: Archivbild/suedraumfoto/imago images)

In Karlsruhe steht seit 1827 die Staatliche Münzmanufaktur. Hier wurde die erste Zehnguldenmünze geprägt. Auch heute verlassen Millionen von Geldstücken das Gebäude. t-online.de hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen. 

Nach Plänen von Friedrich Weinbrenner erbaut, gehört das klassizistische Gebäude in der Stephanienstraße zu den architektonischen Schmuckstücken der Stadt. Für die Bundesrepublik Deutschland werden in der Karlsruher Münzmanufaktur neben den Umlaufmünzen auch Sammlermünzen, die Kursmünzenserien sowie Gedenkmünzen geprägt. 1998 schlossen sich die beiden Staatlichen Münzen in Karlsruhe und Stuttgart zusammen (SMBW). Karlsruhe prägt nunmehr 14 Prozent des von der Deutschen Bundesbank ermittelten jährlichen Prägebedarfs an Umlaufmünzen, Stuttgart 24 Prozent.

Eichenzweig stammt von Karlsruher Architekt

Das gemeinsame Münzbild der Euro-Umlaufmünzen wurde in einem Gestaltungswettbewerb der Mitgliedstaaten – außer Dänemark – ermittelt. Eine europäische Jury unabhängiger Experten für Kunst, Design, Numismatik und Verbraucher wählte unter dem Vorsitz der Europäischen Kommission die besten Arbeiten aus. In einer Meinungsumfrage unter Berufsverbänden und einer repräsentativen Auswahl der Allgemeinbevölkerung, sowie Finanzministern, Staats- und Regierungschefs, hat sich die Serie des Belgiers Luc Luycx mit fast 64 Prozent durchgesetzt.

Die nationale Seite der deutschen Umlaufmünzen – zu dem auch der Münzrand gehört – obliegt dem Gestaltungsrecht der Bundesregierung. Hier wählte eine Jury für die Münzwerte 1, 2 und 5 Eurocent den Eichenzweig mit Fruchtstand aus, dessen Entwurf von Prof. Rolf Lederbogen aus Karlsruhe stammt.

Die Nominale zu 10-, 20- und 50 Euro-Cent zeigen das Brandenburger Tor. Bei den 1 und 2 Euro-Münzen wurde der Adler als traditionelles Hoheitssymbol beibehalten. Der Motiventwurf wurde von Heinz Hoyer und Sneschana Russewa-Hoyer aus Berlin gestaltet.

Die Gestaltung der nationalen Seiten bei den Umlaufmünzen unterliegen seit 2012 einem Genehmigungsvorbehalt durch den Rat der Europäischen Union. Gedenkmünzen und Sammlermünzen hingegen haben eine von regulären Münzen abweichende nationale Gestaltung, bzw. ein anderes Genehmigungsverfahren.

Das Prägevolumen der einzelnen Mitgliedstaaten bedarf der Zustimmung durch die Europäische Zentralbank. Bei den Umlaufmünzen wird der Prägebedarf für die Bundesrepublik Deutschland jährlich von der Deutschen Bundesbank festgelegt. Die Höhe der Auflagen der Sammlermünzen bestimmt das Bundesfinanzministerium in Abstimmung mit der Deutschen Bundesbank und dem Münzbereich des Bundesverwaltungsamtes.

"50 Jahre Kniefall zu Warschau"

Im laufenden Jahr prägt die Münzstätte Karlsruhe auch die 2-Euro-Gedenkmünze "50 Jahre Kniefall zu Warschau", die an den Besuch von Bundeskanzler Willy Brandt im Jahr 1970 in Warschau erinnert.
Die Münzstätten in Karlsruhe und Stuttgart haben aber auch verschiedene Medaillen im Leistungsportfolio. Medaillen sind kleine Kunstwerke, die meist an ein bestimmtes Ereignis oder eine Persönlichkeit erinnern. "Das Vorzeigeprodukt der SMBW", so der Leiter der Münzstätten Dr. Peter Huber, "ist die Kunstmedaillenserie 'Erfinder aus Baden-Württemberg' mit einem besonders hohen Relief. Um dies zu erreichen, haben die SMBW eine spezielle Technik entwickelt. Hergestellt werden Medaillen für Privatkunden, für Ministerien und für den Handel."

Die SMBW geben seit 2008 im jährlichen Rhythmus eine Serie von Kunstmedaillen heraus. Mit der aktuellen Medaille wurde Graf Lennart Bernadotte als Gründer der Insel Mainau gewürdigt.
Darüber hinaus erhalten die SMBW auch Ausschreibungen von ausländischen Zentralbanken. "Aktuell werden Sammlermünzsätze für einen baltischen Staat hergestellt."

Innovative Technologien

Nicht nur Banknoten, auch Münzen unterliegen einem hohen Qualitätsstandard auch hinsichtlich der Fälschungssicherheit. So waren die SMBV führend an der Entwicklung der Polymermünzen beteiligt. Die dreiteiligen Polymermünzen, aktuell: 5- und 10-Euro-Sammlermünzen,  bestehen aus einem Außenring und dem Kern aus jeweils einer unterschiedlichen Kupfer-Nickel-Legierung sowie einem Polymerring. Der Polymerring erlaubt neue Wege in der Gestaltung von Münzen, u.a. durch Einbringen von unterschiedlichen Farben, Transparenz und Partikeln.

Die SMBW gelten als ausgesprochen innovativ. Was macht die moderne Prägetechnik aus? "Zu den Stärken der SMBW", erläutert ihr Leiter Dr. Peter Huber, "zählen moderne Produktionsanlagen, eine hohe Prozessautomatisierung und erfahrene qualifizierte Mitarbeiter. Neben modernen Prägepressen und automatisierten Verpackungslösungen haben die SMBW eine Reihe modernster Technologien im Einsatz, wie zum Beispiel neueste Graviertechnik sowie Ronden- und Münzprüfanlagen."

Verwendete Quellen:
  • Referat Grundsatz Münzwesen beim Bundesverwaltungsamt
  • Gespräch mit Dr. Peter Huber, Staatliche Münzen Baden-Württemberg

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