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35-Jähriger wegen Totschlags verurteilt

Von Johanna T√ľntsch

Aktualisiert am 11.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Strafverteidiger Abdou A. Gabbar (links) mit seinem Mandanten, der nach Einschätzung der Richter die eigene Geliebte erschossen hat
Strafverteidiger Abdou A. Gabbar (links) mit seinem Mandanten, der nach Einsch√§tzung der Richter die eigene Geliebte erschossen hat (Quelle: Johanna T√ľntsch)
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Auf den Tag genau 15 Monate nach dem Tod einer jungen Frau endete vor dem K√∂lner Landgericht der Prozess gegen einen 35-J√§hrigen ‚Äď mit einem Hafturteil. Die Richter sind nach einem mehrmonatigen Indizienprozess √ľberzeugt davon, dass der Angeklagte die Frau, die seine Geliebte war, get√∂tet hat.

Die letzten Minuten vor der Urteilsverk√ľndung nutzte der Angeklagte, dessen grauschwarzes Haar mit eleganter Welle auf den wei√üen Hemdkragen f√§llt, um mit gro√üer Sorgfalt seine Manschetten zu richten. Als die Kammer den Saal betrat, legte er siegesgewiss den Kopf in den Nacken: Sein Verteidiger hatte auf einen Freispruch pl√§diert. Die Richter folgten diesem Antrag jedoch nicht: "Der Angeklagte wird wegen Totschlags und des vors√§tzlichen F√ľhrens einer Waffe zu elf Jahren Haft verurteilt", verk√ľndet die Vorsitzende, Ulrike Grave-Herkenrath.

Der Familienvater aus K√∂ln, der bislang in Untersuchungshaft sa√ü und nun die Perspektive hat, auf Jahre hinaus nicht in Freiheit zu kommen, wirkt eher genervt als ersch√ľttert. Die zweieinhalbst√ľndige Urteilsbegr√ľndung der Strafrichterin verfolgen er und sein Anwalt mit Kopfsch√ľtteln, Augenrollen, ver√§chtlichem Schnauben und viel Getuschel. Das Verhalten der beiden erwachsenen M√§nner √§hnelt dem von gelangweilten Sch√ľlern, obgleich der Anlass des Verfahrens ersch√ľtternd ist: Die Geliebte des 35-j√§hrigen K√∂lners, der keinerlei Betroffenheit erkennen l√§sst, wurde erschossen, auf einem Feldweg im rheinland-pf√§lzischen Ochtendung abgelegt und verbrannt. Die Richter der 4. Gro√üen Strafkammer am K√∂lner Landgericht sind √ľberzeugt davon, dass er die Frau get√∂tet hat.

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Kammer h√§lt Aussagen des Angeklagten f√ľr Schutzbehauptung

Der Angeklagte hatte zun√§chst geschwiegen, dann aber am 17. Prozesstag, nachdem bereits zahlreiche Beweise gegen ihn sprachen, eine Aussage gemacht. Demnach habe ein Bekannter von ihm das Verbrechen begangen, er sei nur dabei gewesen. "Die Kammer hat sich gefragt, ob Sie uns da den wahren T√§ter genannt haben und f√ľr ihn elf Monate lang unschuldig in Untersuchungshaft sa√üen", so Grave-Herkenrath: "F√ľr uns steht fest, dass das eine unwahre Schutzbehauptung ist, mit der Sie Ihre T√§terschaft verschleiern wollten." Erst nach der Tat soll ein Bekannter des Angeklagten, auf dessen Anruf hin, dazugekommen sein. Beide sollen dann die Leiche der Frau in deren eigenem Auto von K√∂ln nach Rheinland-Pfalz gebracht und dort in Brand gesetzt haben.

Umfangreiche Auswertungen von Handydaten bis in den Zeitraum weit vor der Tat h√§tten keinerlei Verkn√ľpfung zwischen dem Bekannten des Mannes und der get√∂teten Frau ergeben. Die Angaben des Angeklagten, dass seine Geliebte Drogen genommen habe und eventuell in Drogengesch√§fte verwickelt gewesen sei, hatten vor den Augen der Kammer ebenfalls keinen Bestand. Gerichtsmedizinische Untersuchungen h√§tten bewiesen, dass die junge Mutter keine Drogen konsumiert habe. "Daf√ľr war noch genug Material vorhanden", so die Richterin mit Blick auf die vom Brand entstellte Leiche. Ihre Eltern und ihr Mann, vom dem sie sich f√ľr die Beziehung mit dem Angeklagten getrennt hatte, waren Nebenkl√§ger im Verfahren. "Sie hadern nicht nur mit den Umst√§nden des Todes, sondern auch mit dem Ablegen der Leiche", w√ľrdigte Grave-Herkenrath die schwierige Situation der Familie.

Zahlreiche Spuren deuten auf Täterschaft hin

F√ľr die T√§terschaft des 35-j√§hrigen Verheirateten, f√ľr den aus der Aff√§re famili√§re Schwierigkeiten und der Scheidungsantrag seiner Frau resultierten, sprechen zahlreiche Indizien, wie Grave-Herkenrath aufz√§hlte: Die Tatwaffe sei in seinem Keller gefunden worden. Seine DNA sei an allen wichtigen Ber√ľhrungspunkten der Waffe festgestellt worden. An seinem Daumen seien noch bei der Festnahme, sieben Tage nach der Tat, Schmauchspuren gefunden worden. Schmauchspuren habe es auch an seiner Jacke gegeben und an einer Hose, die er nach dem Todestag der Frau, zusammen mit pers√∂nlichen Gegenst√§nden von ihr, in einer Pension zur√ľckgelassen habe.

Eindeutig sei, dass die junge Frau aus Rheinland-Pfalz, die in den Tagen vor ihrem gewaltsamen Tod mit ihrem Geliebten in K√∂ln unterwegs war, in ihrem Auto, einem Fiat Panda, erschossen worden sei. Bei der Festnahme des Angeklagten habe man beide Schl√ľssel dieses Wagens bei ihm gefunden. Zuvor habe er das Auto umfangreich reinigen lassen: "Der Beifahrersitz wurde herausgenommen und richtig gew√§ssert. Das hat aber nicht dazu gef√ľhrt, dass alle Blutspuren verschwunden w√§ren", fasste die Vorsitzende zusammen, die auch darauf hinwies, dass der Angeklagte das Auto seiner get√∂teten Geliebten dem Mann, der die Reinigung √ľbernommen hatte, zum Kauf angeboten habe. "Wir konnten nicht alle Fragen kl√§ren, unter anderem nicht die nach dem Motiv. Aber das ‚ÄöWer‚Äė hat sich kl√§ren lassen. Nach unserer √úberzeugung sind Sie der T√§ter", erkl√§rte die Richterin. Das Urteil ist noch nicht rechtskr√§ftig.

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