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CSD in Köln: Pride-Demo verkommt zur Gelddruckmaschine


Cologne Pride
Der CSD verkommt zum Karnevalsumzug

MeinungVon Florian Eßer

Aktualisiert am 12.07.2023Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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imago images 0263145692Vergrößern des Bildes
Der diesjährige CSD in Köln: Luur ens, d'r Zoch kütt (Guck mal, der Zug kommt). (Quelle: IMAGO/Herbert Bucco)

Am Wochenende besuchten über eine Million Menschen den Kölner CSD. Viele werden dabei aber nicht von den politischen Forderungen gelockt, sondern von dem Event-Charakter – meint Florian Eßer.

Für die queere Community stellt der Christopher Street Day eine wichtige Möglichkeit für Sichtbarkeit und Gehör dar. Er wird aber auch von vielen Menschen genutzt, die außerhalb des Pride Month keinerlei Bezugspunkte zu den Themen haben, für die die Teilnehmer beim CSD auf die Straße gehen. Und die nutzen ihn dafür, sich einmal die biederen Büroklamotten vom Leib zu reißen und sie für die Dauer eines Sonntags gegen den Deckmantel des Interesses am Leben und Leiden von Schwulen und Lesben zu tauschen.

Das "Rut und Wiess" der Karnevalstage wird schnell durch eine Regenbogenflagge auf der Wange ersetzt – und schon kann sie losgehen, die wilde Karnevalssause im Sommer: hüllenlos, Sekt-geschwängert und moralisch gerechtfertigt. Schließlich geht man nicht einfach feiern – nein, man setzt ein wichtiges Zeichen. Welches, das ist dabei eigentlich egal.

Pride als Gelddruckmaschine

Wie 2022, als der Rosenmontagszug angesichts des Ukraine-Kriegs spontan in eine "Demonstration" umgewandelt wurde. Dann statt Rot und Weiß oder eines Regenbogens halt Blau und Gelb ins Gesicht, hoch das Kölsch und zu Techno-Rhythmen die Hüfte schwingen. Party für den Weltfrieden, Party für die Rechte der LGBTQ-Community. Der Kölner löst die Probleme dieser Welt mit der dröhnenden Bassbox.

Und auch für die hiesigen Unternehmen ist der CSD eine Werbemöglichkeit, die der Marketing-Abteilung nicht einmal den geringsten Hauch von Gehirnschmalz abverlangt. Auf Social-Media-Kanälen werden die Logos flott durch ein Äquivalent in Regenbogenfarben ersetzt, dann meldet man sich für die Parade an und verkündet in hohlen Phrasen, wie tolerant und aufgeschlossen Köln und man selbst doch ist. Wäre ja auch schön blöd, das Gegenteil zu verkünden. Dann gäbe es rote Zahlen statt bunter Partylaune.

Und am Montag geht es dann zurück zum Tagesgeschäft. Reicht ja dann auch langsam. Da sollte sich doch eine jede und ein jeder veräppelt fühlen, die oder der wirklich unter Diskriminierung aufgrund der eigenen Sexualität zu leiden hat. Und wenn man diesen Menschen helfen will, reicht es nicht, einmal im Jahr eine Regenbogenflagge zu schwenken. Gratismut hat noch niemandem geholfen – es gilt, auch dann den Mund aufzumachen, wenn man nicht mit hunderttausend Gleichgesinnten durch die Stadt zieht. Sondern immer und überall. Wahre Akzeptanz zeigt sich im Alltag.

Ein Bärendienst für die Community

Der Christopher Street Day ist wichtig, keine Frage. Die Gleichberechtigung sämtlicher Menschen ist wichtig. Da muss man gar nicht drüber diskutieren – doch der Kampf von homosexuellen und trans Personen für Akzeptanz sollte nicht zu einem Rosenmontagszug 2.0 verkommen.

Schließlich hat auch der an seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Es ist wie mit Weihnachten: Alle feiern's, aber kaum jemand weiß, warum. Und so drohen auch die politischen Forderungen, die wichtigen Ziele des CSD, zwischen Fetischparty, Übersexualisierung, Event-Tourismus und Pinkwashing unterzugehen.

Was schade ist. So dominieren Fotos von halbnackten Menschen und Hemmungslosigkeit die mediale Berichterstattung vom CSD und seine Darstellung in den sozialen Medien. Das prägt auch die öffentliche Sicht auf die Community und könnte Leute davon abschrecken, sich mit den Forderungen hinter der Party auseinanderzusetzen – und schlussendlich bewirken, dass die gewünschte Akzeptanz einer zunehmenden Entfremdung weicht.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
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