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Corona/Köln: Wie Trennungskinder unter der Pandemie leiden

Umgangsboykott in Pandemie  

Wie Corona Trennungskindern ein Elternteil nimmt

30.12.2020, 14:22 Uhr
Corona/Köln: Wie Trennungskinder unter der Pandemie leiden. Zwei Eltern ziehen an den Armen ihres Kindes (Symbolbild): Die Corona-Pandemie wird von manchen getrennten Eltern als Grund genutzt, den Umgang mit dem jeweils anderen Elternteil zu verweigern. (Quelle: imago images/Panthermedia)

Zwei Eltern ziehen an den Armen ihres Kindes (Symbolbild): Die Corona-Pandemie wird von manchen getrennten Eltern als Grund genutzt, den Umgang mit dem jeweils anderen Elternteil zu verweigern. (Quelle: Panthermedia/imago images)

Trennungskinder haben es oft schwer. Elternteile, die den Umgang schon vor der Pandemie boykottierten, nutzen das Virus als willkommene Ausrede, die Besuche auszusetzen. Ein Kölner will das ändern.

In Deutschland leben 2,6 Millionen Alleinerziehende, in Köln sind es 2019 23.645 gewesen. Nicht in allen Fällen haben die Kinder Umgang mit beiden Elternteilen. Der Filmemacher Andreas Wunderlich aus Köln hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Thematik des Umgangsboykotts beschäftigt. Auch aus eigener Betroffenheit heraus.

Zwar sieht er seine mittlerweile 13-jährige Tochter regelmäßig, doch ist dies nur durch einen unerbittlichen Streit vor verschiedenen Gerichten möglich geworden. Mindestens zehn Aktenordner füllt die Korrespondenz mit den Behörden mittlerweile. Auch jetzt in der Pandemie versuchte die Mutter der gemeinsamen Tochter, Corona als Vorwand zu nehmen und die Besuche der Tochter in Köln auszusetzen, wie Wunderlich erzählt.

Corona als Vorwand

Er ist kein Einzelfall. Bei der Selbsthilfevereinigung Väteraufbruch, die auch eine Gruppe in Köln unterhält, sind solche Fälle bekannt. "In der ersten Corona-Welle sahen viele Trennungskinder ihre Väter nicht. Unter dem Vorwand der Corona-Pandemie verweigerten Mütter ihren Kindern monatelang den Kontakt zum Vater", schreibt die Kölner Gruppe auf ihrer Webseite. Jetzt in der zweiten Welle laufen Trennungskinder erneut Gefahr, ihre Väter über Monate nicht zu sehen, fürchtet der Verein.

Für diese Eltern hat Wunderlich jetzt eine Videoclipreihe mit dem Titel "Kinder brauchen beide Eltern – auch in Zeiten von Corona" produziert, die auf YouTube zu sehen ist. Eltern können darin ihren Kindern Grußbotschaften übermitteln (per Mail an 2020@september-film.de). "Den ursprünglichen Auftrag erhielt ich von dem Verein für elterliche Verantwortung in der Schweiz sowie für die Kinderschutzorganisation Schweiz", erzählt der Filmemacher.

Angeregt durch das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel erneuerte er die Botschaft und veränderte die beauftragte Fassung. "Und es werden noch mehr Clips folgen", so der Vater. Wichtig ist ihm, auf das Thema aufmerksam zu machen. Viel zu wenig sei dazu bekannt, die Politik immer noch nicht genug dafür sensibilisiert, dass Kinder auch nach Trennungen beide Eltern brauchen.

"Es ist mühsam"

"Es ist mühsam, sich immer wieder mit den Behörden auseinandersetzen zu müssen, obwohl es unser Recht ist, unsere Kinder zu sehen", so Wunderlich, der die Erfahrung gemacht hat, dass die Mutter zunächst immer Recht erhält. Erst durch vehemente Interventionen erhalten auch die Väter die Möglichkeit, sich durchzusetzen. "Da ist es gleich, ob man das gemeinsame Sorgerecht wie in meinem Fall hat", erzählt der Vater.

Andreas Wunderlich: Der Filmemacher musste selbst lange mit der Mutter seines Kindes um ein Umgangsrecht kämpfen. (Quelle: privat)Andreas Wunderlich: Der Filmemacher musste selbst lange mit der Mutter seines Kindes um ein Umgangsrecht kämpfen. (Quelle: privat)

Die Pandemie ist für all die Elternteile, die den Umgang boykottieren, ein willkommener Anlass, ihren Willen durchzusetzen, wie auch die Kölner Familienrechtlerin Franziska Hasselbach weiß. Auf ihrer Kanzleiseite schreibt sie: "Auch im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen dürfen Umgangskontakte stattfinden, denn diese sind ausdrücklich von den Beschränkungen ausgenommen. Verwandte in gerader Linie dürfen sich weiterhin gemeinsam in der Öffentlichkeit aufhalten – und zu Hause sowieso." 

Corona verstärkt bereits vorhandene Konflikte

Allerdings sei es einer Mutter oder einem Vater nur bedingt vorzuwerfen, wenn sie aus Gründen der Kontakteinschränkung keinen Umgang stattfinden lassen wollen. Kritisch sei dies nur, wenn die Elternteile "bereits in der Vergangenheit jede Gelegenheit genutzt haben, um Umgangskontakte zu verhindern".

Eine schwierige Gemengelage, die für die betroffenen Mütter und Väter viel Schriftverkehr und Nerven kostet. Auch Filmemacher Wunderlich muss ständig mit den Behörden korrespondieren, wenn sich die Mutter der gemeinsamen Tochter querstellt. Ein Dilemma. 

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Andreas Wunderlich
  • Rundbrief Väteraufbruch für Kinder 
  • Statistisches Jahrbuch 2019 der Stadt Köln
  • Webseite Kanzlei Hasselbach, Franziska Hasselbach
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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