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Corona in Köln: Intensivstation im Ausnahmezustand

Corona-Bilanz eines Intensivpflegers  

"Alle befinden sich in einer Ausnahmesituation"

25.01.2021, 08:42 Uhr
Corona in Köln: Intensivstation im Ausnahmezustand. Mühlan mit vollständiger Schutzkleidung: Der Intensivpfleger bei der Betreuung eines Covid-19-Patienten. (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)

Sven Mühlan mit vollständiger Schutzkleidung: Der Intensivpfleger bei der Betreuung eines Covid-19-Patienten. (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)

Sven Mühlan ist Intensivpfleger in einem Kölner Krankenhaus. Nach einem Jahr Corona-Krise blickt er auf harte Monate zurück – und erzählt, was er sich am meisten wünscht. 

"Seit dem Frühjahr, bis heute, befinden sich alle auf der Station in einer Ausnahmesituation. Im Sommer konnten wir mal kurz durchatmen wegen der geringeren Zahlen. Aber in der aktuellen zweiten Welle verzeichnen wir leider deutlich mehr schwere Fälle als im Frühjahr." Sven Mühlan ist Intensivpfleger. Der 40-Jährige leitet den Pflegebereich auf der Intensivstation im St. Hildegardis Krankenhaus in Köln-Lindenthal.

Im Frühjahr waren es die Organisationsaufgaben, um das Team und die Station für die Aufgaben in der Pandemie zu wappnen. Jetzt sei es vor allem die Versorgung der schwerstkranken Covid-Patienten. "Wir haben momentan regelmäßig einen bis vier Patienten, die wir aufgrund von Covid-19 intensiv betreuen müssen", so der Intensivpfleger.

Porträt von Sven Mühlan: Der 40-Jährige leitet den Pflegebereich der Intensivstation im Kölner St. Hildegardis Krankenhaus (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)Porträt von Sven Mühlan: Der 40-Jährige leitet den Pflegebereich der Intensivstation im Kölner St. Hildegardis Krankenhaus (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)

Jeder sei in den vergangenen Monaten mal an seinem Limit gewesen. "Ich würde lügen, wenn ich das leugnen würde", gibt Mühlan zu. Zum Glück gebe es im Team keine "Querdenker" – im Gegenteil: Die Kollegen begleiten Äußerungen in den Sozialen Medien, die Corona leugnen oder verharmlosen, mit Bedauern und Kopfschütteln. "Bei all den vorliegenden Fakten und Berichten aus der ganzen Welt fehlt mir jegliches Verständnis, wenn Leute sagen: Corona gibt es gar nicht oder die Pandemie werde viel zu sehr dramatisiert." In Facebook ist er deshalb kaum unterwegs. Aber wenn er mal Aussagen von Corona-Leugnern mitbekomme – im Fernsehen oder in der Zeitung –, dann mache ihn das einfach nur traurig.

Angst spielt immer eine Rolle

Die Betreuung eines Covid-Patienten beginnt bereits vor dem Betreten des Krankenzimmers und ist viel zeitintensiver als bei anderen Intensivpatienten. Ärzte und Pfleger müssen überlegen: Was will ich tun? Was hat Priorität? Welche Medikamente nehme ich mit? Zur eigenen Sicherheit checken sich die Kollegen gegenseitig, ob Anzug und Gesichtsschutz, sprich Haube, Maske und Kunststoffvisier, richtig sitzen. Und je nachdem, was man erledigen muss, dauert die Versorgung eines Covid-Patienten bis zu zwei Stunden.

Angst spielt in der Intensivstation immer eine Rolle – gerade bei der Betreuung von Covid-19-Patienten. Heute weiß man glücklicherweise vielmehr über das Virus als noch am Anfang der Pandemie. "Im Frühjahr hatten wir mangels Erfahrung selbstverständlich viel mehr Respekt bei der Patientenbetreuung, als das heute der Fall ist", so Mühlan. Es wurden daher auf der Station frühzeitig Schulungen mit einem Hygiene-Fachpfleger des Hauses durchgeführt. Er zeigte dem Team, wie man die Schutzkleidung richtig an- und wieder auszieht, um Virenübertragungen möglichst auszuschließen. "So konnten wir den Kollegen Sicherheit geben."

Mühlan mit Maske im Gang seiner Station: der Intensivpfleger bei der Vorbereitung zur Aufnahme eins neuen Patienten. (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)Mühlan mit FFP-Maske im Gang seiner Station: der Intensivpfleger bereitet die Aufnahme eines neuen Patienten vor. (Quelle: St. Hildegardis Krankenhaus)

"Vermisse die Unbeschwertheit der Vor-Corona-Zeit"

Es seien die spontanen sozialen Kontakte, die er vermisse. Einfach mal rausgehen, Leute treffen und abschalten, äußert er nachdenklich. Die schwer verlaufenen Fälle nimmt jeder mit nach Hause. Dazu ständig die Sorge, Angehörige und Freunde anzustecken. "Man begibt sich in eine Art private Isolation und verabredet sich deutlich seltener als vor Corona." Jeder gehe damit anders um und verkrafte das unterschiedlich gut. Eine Mitarbeiterin erzählte ihm vor ein paar Wochen, dass sich einige Freunde während der Corona-Krise distanziert haben. Das kommt vor. "Man muss versuchen, den Leuten die Angst zu nehmen", so Mühlan.

Das Team rede sehr viel und offen über diese Situationen und die damit verbundenen Ängste und Sorgen. Zudem ist da der tägliche Austausch in den Tagesbesprechungen, ansonsten über Mails, Telefon oder Videokonferenzen.

Alle spüren das anstrengende Jahr. Aber das Team und auch die eigene Motivation helfen, um sagen zu können: Wir halten die Qualität, die wir uns erarbeitet haben – auch wenn die kommenden Monate vermutlich noch einmal sehr hart werden. Die anstehenden Corona-Impfungen werden hoffentlich dabei helfen.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Intensivpfleger Sven Mühlan

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