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Verkehrswende stockt: Kölns Fahrradkonzept hinkt hinterher


Köln versagt bislang als Fahrradstadt

Rebecca Welsch

Aktualisiert am 10.03.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ein Fahrrad hängt an einem Straßenschild in Köln: Das bereits 2016 vorgestellte Innenstadtkonzept für bessere Radwege wurde bisher noch nicht umgesetzt.Vergrößern des Bildes
Ein Fahrrad hängt an einem Straßenschild in Köln: Das bereits 2016 vorgestellte Innenstadtkonzept für bessere Radwege wurde bisher noch nicht umgesetzt. (Quelle: Udo Gottschalk/imago-images-bilder)

Im Corona-Jahr 2020 waren so viele Radfahrer auf den Straßen Kölns unterwegs wie nie zuvor. Doch die Stadt hinkt hinterher. Konzepte zur Verbesserung der Situation werden häufig nicht umgesetzt.

Für Jan Böhmermann hat Köln das Potenzial, Münster als Fahrradhauptstadt abzulösen: Es gebe keine Berge, eine kleine Stadtfläche, einen konzentrischen Stadtplan, viele in moderne Fahrradwege umwandelbare Kfz-Straßen und eine "geile Grundstimmung", schrieb der Moderator auf Twitter.

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Trotz des ironisch attestierten Potenzials der Stadt sieht die Realität in Köln anders aus: Um Radfahrern ein gutes Verkehrsnetz zu bieten und Zweiräder weiter zu fördern, hat die Stadt schon 2016 ein Innenstadtkonzept vorgestellt – umgesetzt ist es aber noch nicht.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) erhebt alle zwei Jahre in einer Onlinebefragung, wie fahrradfreundlich die Stadt ist und wie zufrieden die Kölner mit den Maßnahmen der Stadtverwaltung sind. Beim letzten Test 2018 landete Köln auf dem 38. und damit letzten Platz unter den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern: In Schulnoten wäre das eine 4,38.

Umsetzung der Vorgaben sei "nicht möglich"

Dabei ist das Problem der Fahrradunfreundlichkeit schon lange bekannt. 2016 veröffentlichte die Stadtverwaltung ihr Radverkehrskonzept Innenstadt. Konkret beinhaltet dieses 166 Maßnahmen mit dem Ziel, das Radverkehrsnetz auszubauen und zu verbessern. "Ab 2018 konnten circa 30 Maßnahmen umgesetzt werden", sagt Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter der Stadt. In diesem Jahr sollen weitere 15 Vorhaben umgesetzt werden, unter anderem auf den Kölner Ringen und der Nord-Süd-Fahrt.

Ihren eigenen Zeitplan kann die Stadt Köln aber schon lange nicht mehr einhalten. Es habe sich gezeigt, dass viele der geplanten Maßnahmen im Konzept nicht realisierbar seien, so Möllers: "Eine Umsetzung des Radverkehrskonzepts 1:1 ist daher weder hinsichtlich der Inhalte noch der zeitlichen Vorgaben möglich."

  • An der Magnusstraße etwa sei festgestellt worden, dass die Benutzungspflicht der Radwege nicht aufgehoben werden kann, ohne die Ampelanlagen auszutauschen. Deshalb wurde ein neues Großprojekt aufgesetzt: Sieben Ampelanlagen sollen erneuert werden.
  • Auch die Maßnahme auf den Kölner Ringen wurde zum Großprojekt: Dort soll eine der Fahrspuren für Autos in einen reinen Radfahrstreifen umgewandelt werden.
  • Ursprünglich sollte zwischen Hohenzollernbrücke und Breslauer Platz eine provisorische Rampe als Fahrradstraße errichtet werden – diese Idee wurde aus Kostengründen aber verworfen.

Kritiker bemängeln Umsetzung und Geschwindigkeit

"So kriegen wir die Verkehrswende nicht hin", sagt Fahrradbürgermeister und Ringfrei-Initiator Reinhold Goss. Das Radverkehrskonzept Innenstadt sei zwar grundsätzlich ein guter Schritt, die Umsetzung lasse jedoch an vielen Stellen zu wünschen übrig: "An den Stellen, wo es planerisch schwierig ist, wird immer zulasten der Radfahrerinnen und Radfahrer gedacht", sagt Goss. Dies könne zu gefährlichen Situationen für Radfahrer führen.

Ähnlich sieht das ADFC-Köln-Sprecher Christoph Schmidt: "Viele Maßnahmen werden ohne große Ambitionen umgesetzt." Er bemängelt, dass in vielen Bereichen nur Radwege auf die Fahrbahn gemalt werden. "So wird vielfach einfach nur mit ein bisschen Farbe gearbeitet, obwohl eine bauliche Trennung erforderlich wäre", sagt er.

Grundsätzlich sei das Konzept ein guter Ansatz, aber nicht an schwierigen Stellen. So würden beispielsweise an Kreuzungen noch immer autogerechte Lösungen mit mehreren KFZ-Fahrspuren bevorzugt.

Auch die Geschwindigkeit der Umsetzung ist für die Kölnerinnen und Kölner nicht zufriedenstellend. "Wir müssen insgesamt viel schneller werden und sowohl die dafür notwendigen Menschen einstellen als auch mehr finanzielle Ressourcen bereitstellen", sagt ADFC-Sprecher Schmidt. Der Fahrradbeauftragte Möllers verweist darauf, dass die umfangreiche Umplanung mehr Zeit in Anspruch nehme, als man vielleicht denke. Auch sei im Laufe des Jahres 2017 Personal für die Umsetzung des Radverkehrskonzepts eingestellt worden.

Ringe als Erfolgsmodell

Doch nicht alles läuft schlecht: Mit dem Fahrradstreifen auf den Ringen geht es voran. Zwar ist dieser noch nicht durchgehend, aber zumindest streckenweise haben Radfahrer hier auf einer eigenen Spur freie Fahrt. "Das ist natürlich für viele Autofahrende bereits jetzt der Untergang des Abendlands", sagt Christoph Schmidt. Dabei kommt der neue Fahrradstreifen aber nicht nur den Radfahrern zugute: Auch Fußgänger haben jetzt mehr Platz, da der alte Radfahrstreifen auf dem Gehweg wegfällt.

Ob Köln mit dem Innenstadtkonzept im Vergleich zu den anderen Städten aufholen kann, muss sich erst zeigen: Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 sollen im Frühjahr veröffentlicht werden.

Verwendete Quellen
  • Pressemitteilung Stadt Köln, 09.02.21: "Radverkehr legte in 2020 deutlich zu"
  • Twitter/Jan Böhmermann
  • ADFC Fahrradklima-Test Ergebnisse 2018
  • Mailkontakt mit Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter Stadt Köln
  • Mailkontakt mit Christoph Schmidt, Vorsitzender und Sprecher ADFC Köln
  • Gespräch mit Reinhold Goss, Initiator der Bürgerinitiative Ringfrei und Fahrradbürgermeister
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