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Köln: Nahid Taghavi aus iranischer Isolationshaft verlegt

Fünf Monate in Iraner Gefängnis  

Kölnerin Nahid Taghavi aus Isolationshaft verlegt

18.03.2021, 10:35 Uhr | t-online

Köln: Nahid Taghavi aus iranischer Isolationshaft verlegt. Nahid Taghavi, als sie noch in Freiheit war: Seit Monaten ist die 66-jährige Kölnerin in Isolationshaft im Iran. (Quelle: Privatbestand Mariam Claren)

Nahid Taghavi, als sie noch in Freiheit war: Seit Monaten ist die 66-jährige Kölnerin in Isolationshaft im Iran. (Quelle: Privatbestand Mariam Claren)

Im Fall der seit Monaten im Iran inhaftierten Kölnerin gibt es erstmals gute Neuigkeiten. t-online sprach mit ihrer Tochter.

Noch vor einer Woche saß Nahid Taghavi in Teheran (66) in Isolationshaft des Evin-Gefängnisses. Dort ist sie seit fünf Monaten inhaftiert – der Grund ist unklar. Die Tochter der Kölnerin, Mariam Claren, hat nun einen "Etappensieg" im Kampf um die Freiheit ihrer Mutter verkündet. Taghavi wurde aus der Isolationshaft in den Frauentrakt verlegt, wo sie nun mit etwa 40 Frauen einsitzt. 

Ihre Tochter sagte t-online am Donnerstag, sie sei glücklich und erleichtert, dass es zumindest einen kleinen Fortschritt gebe. Sie und auch ihre Mutter seien überzeugt, dass die 66-Jährige aufgrund des medialen Drucks verlegt worden sei, auch t-online hatte in der vergangenen Woche über den Fall berichtet. Die Deutsch-Iranerin hatte in einem Telefonat mit ihrem Bruder gesagt, dass die "medialen Aktivitäten" zu ihrer Verlegung geführt hätten.

"Wir sind jetzt in Phase zwei"

Trotz der großen Erleichterung sagte Mariam Claren am Donnerstag auch: "Man muss sich bewusst machen, dass meine Mutter immer noch willkürlich und ohne einen Anwalt sprechen zu dürfen im Gefängnis sitzt".

Die Situation Taghavis sei zuletzt schlecht gewesen, die Isolationshaft habe ihr sehr zu schaffen gemacht. Darum hoffe ihre Tochter nun, dass die Überstellung ihr mental helfe. Die 66-Jährige habe ihrem iranischen Bruder in dem kurzen Telefonat nach ihrer Überstellung gesagt: "Ich bin immer noch im Gefängnis. Aber wir sind jetzt in Phase zwei."

Zu den aktuellen Umständen der Inhaftierung ihrer Mutter weiß Claren nur so viel: Die Frauen schlafen in dem iranischen Gefängnis zu zehnt in Schlafräumen, können sich in einer Gemeinschaftküche, Bibliothek und Garten austauschen – es ist der erste Kontakt ihrer Mutter zu Gefangenen seit Monaten. In dem Gefängnis sind Tausende Häftlinge untergebracht, darunter viele Intellektuelle, Dissidenten und Regierungskritiker.

Erstes Telefongespräch seit Oktober 

Am Samstag wird Mariam Claren erstmals seit fünf Monaten wieder mit ihrer Mutter am Telefon sprechen können, darauf freue sie sich nun besonders. "Ich muss mir genau zurechtlegen, was ich ihr schnell vermittle. Wir haben nur zehn Minuten Zeit", sagt Claren. Sie wolle ihr mitgeben, dass sie und ihre Unterstützer weiterhin "alles tun werden, um sie rauszubekommen". Denn, so Mariam Claren: "Der Kampf um ihre Freiheit geht weiter".

Festnahme im Oktober 2020

Die im Iran geborene Architektin Nahid Taghavi pendelte bis vor fünf Monaten zwischen Köln und dem Iran, lebte die Hälfte des Jahres in Teheran, die restlichen Monate in der Domstadt. Von ihrem letzten Aufenthalt im Iran kehrte Nahid Taghavi nicht zurück – Anhänger der iranischen Revolutionsgarde hatten sie am 16. Oktober in ihrer Wohnung verhaftet und ihre persönlichen Gegenstände wie Laptop und Handy beschlagnahmt.

Bislang wurde der 66-Jährigen nicht mitgeteilt, was ihr vorgeworfen wird. Derzeit geht die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) davon aus, dass man Taghavi vorwerfen könnte, sich für Frauenrechte im Iran engagiert zu haben. In einem früheren Gespräch hatte ihre Tochter t-online gesagt: "Meine Mutter ist nicht politisch aktiv, aber sie hat eine klare politische Haltung." Es gebe nach wie vor keine Anklage oder einen Gerichtstermin: Auch ihr Anwalt bekommt seit Monaten keinen Zugang zu seiner Mandantin. 

Taghavi wurde im Iran geboren und lebt seit 1983 in Köln, seit 2003 besitzt sie die deutsche Staatsangehörigkeit. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Gespräch mit Mariam Claren
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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