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Impfarzt kritisiert Astrazeneca-Chaos: "Würde weiterimpfen"

  • Lena Kappei
  • Agata Strausa
Von Lena Kappei, Agata Strausa

Aktualisiert am 31.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Menschen warten vor dem Impfzentrum in der Kölner Messe auf Einlass: Mehrere Regionen wollen jüngere Frauen nicht mehr mit Astrazeneca impfen.
Menschen warten vor dem Impfzentrum in der Kölner Messe auf Einlass: Mehrere Regionen wollen jüngere Frauen nicht mehr mit Astrazeneca impfen. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
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Der Astrazeneca-Impfstoff sorgt momentan für reichlich Gesprächsstoff. Die Gesundheitsminister haben nun sogar einen partiellen Impfstopp verhängt. Der Kölner Impfarzt Jürgen Zastrow erklärt, warum er weiterimpfen würde.

In Deutschland wird vorerst kein Impfstoff von Astrazeneca mehr an Menschen unter 60 verabreicht. Den Anfang hatte die Berliner Charité gemacht, nachdem deutschlandweit Hirnvenenthrombosen bei Frauen bekannt geworden sind. Die Geimpften waren zuvor mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft worden.

Am Dienstagabend sind die Gesundheitsministe von Bund und Länder der Empfehlung der Ständigen Impfkommission gefolgt: Personen unter 60 Jahren sollen – bis auf Ausnahmen – nicht mehr mit dem Wirkstoff von Astrazeneca geimpft werden.

Die Impf-Kampagne gerät ins Stocken – und sorgt für Verwirrung bei der Bevölkerung. Der leitende Impfarzt am Impfzentrum in Köln, Jürgen Zastrow, übt scharfe Kritik an dem Verhalten der Politik, aber auch dem der Unikliniken.

t-online: Wie beurteilen Sie den aktuellen Schlingerkurs der Politik in Sachen Impfungen?

Jürgen Zastrow: Das Chaos hat schon beinahe humoristischen Charakter. Es kann sein, dass wir heute noch den Beschluss des Ministeriums bekommen, dass Astrazeneca ab sofort gar nicht mehr verimpft wird. Vor einigen Wochen hieß es noch, man solle auf keinen Fall Menschen über 65 mit Astrazeneca impfen. Jetzt soll es auf keinen Fall bei Frauen unter 55 verimpft werden. Wer weiß, was da noch in den nächsten Wochen kommt. Das Problem ist, dass wir wenig wissen und diese Situation von Ängsten begleitet wird. Diese führen zu unterschiedlichen Ansagen. Die Frage ist aber, was bringt einen da weiter?

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Dr. Jürgen Zastrow: Der Vorsitzende der Kreisstelle Köln der kassenärztlichen Vereinigung spricht sich gegen einen Astrazeneca-Impfstopp aus.
Dr. Jürgen Zastrow: Der Vorsitzende der Kreisstelle Köln der kassenärztlichen Vereinigung spricht sich gegen einen Astrazeneca-Impfstopp aus. (Quelle: Horst Galuschka/imago-images-bilder)

Unterstützen Sie die aktuelle Aussetzung des Impfstoffs Astrazeneca?

Wenn ich den Nachweis geführt bekomme, dass die Probleme ursächlich mit dem Impfstoff Astrazeneca zusammenhängen, dann bin ich dabei. Ansonsten gilt wie in der Rechtsprechung die Unschuldsvermutung so lange, bis die Schuld nachgewiesen wurde.

Man kann das natürlich auch juristisch betrachten, und sagen: Solange ich nicht sicher weiß, ob der Impfstoff es nicht ist, solange impfe ich nicht. Das sind zwei unvereinbare Standpunkte. Der Fall in Euskirchen zeigt, dass es eine Sinusvenenthrombose sein kann, an der die Frau gestorben ist, aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs. Sie trat unmittelbar nach der Impfung auf. Ich verstehe das Sicherheitsbedürfnis. Aber mein Bedürfnis als Impfarzt ist natürlich, möglichst weiterzukommen mit den Impfungen.

Wenn Sie die Entscheidung treffen könnten, wie weiter vorgegangen wird: Würden Sie jetzt weiterimpfen?

Ja, ich würde weiterimpfen. Und ich würde die Institute zur Eile mahnen, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen und damit den Zusammenhang entweder beweisen können oder eben nicht.

Die Charité empfiehlt, ihre weiblichen Mitarbeiterinnen unter 55 vorerst nicht mit Astrazeneca zu impfen, die meisten Uniklinken in NRW wollen nun nachziehen. Werden Sie bei diesen Entscheidungen zu Rate gezogen?

Nein, gehört werden wir gar nicht. Die Unikliniken sind autonom und können verkünden was sie wollen. Ich finde es schwierig, dass sich die Uniklinik Köln in keiner Weise mit irgendjemandem abstimmt. Das sind die Götter des Olymps, die verkünden irgendwas und sprechen dabei immer nur für sich, nie für eine Gruppe. Das ist in Köln anders. Feuerwehr, Kommune und KV, wir sitzen alle an einem Tisch und besprechen die Dinge. Die Uniklinik möchte das aber nicht.

Sie würden sich da also mehr Zusammenarbeit wünschen?

Zumindest mehr Kommunikation wäre wünschenswert. Man kann doch mal miteinander reden. Die Uniklinik erwartet, dass man ihren Ideen folgt, oder eben nicht.

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