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Köln: Im Iran inhaftierte Architektin zurück in Isolationshaft

Nach Haftlockerung  

Kölner Architektin zurück in iranischer Isolationshaft

Von Florian Eßer

06.04.2021, 14:38 Uhr
Köln: Im Iran inhaftierte Architektin zurück in Isolationshaft. Nach nur wenigen Wochen im Frauentrakt eines iranischen Gefängnisses ist Nahid Taghavi erneut in Isolationshaft. (Quelle: Privatbestand Mariam Claren)

Nach nur wenigen Wochen im Frauentrakt eines iranischen Gefängnisses ist Nahid Taghavi erneut in Isolationshaft. (Quelle: Privatbestand Mariam Claren)

Noch immer ist die Kölner Architektin Nahid Taghavi im Iran im Gefängnis. Nachdem sich zuletzt ihre Haftbedingungen verbessert hatten, nun ein Rückschlag: Seit kurzem ist die 66-Jährige zurück in Isolationshaft.

Im Oktober letzten Jahres wurde die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi in der iranischen Hauptstadt Teheran festgenommen. Mitglieder der Revolutionsgarde brachten die 66-Jährige in das berüchtigte Evin-Gefängnis, in dem ausschließlich politische Gefangene inhaftiert sind. Taghavi verbrachte fünf Monate im Isolationstrakt der Haftanstalt. Vor rund drei Wochen dann ein Lichtblick: Die 66-Jährige wurde in den Frauentrakt verlegt, ihre Haftbedingungen verbesserten sich. Doch nun ist sie wieder zurück in Isolationshaft, wie ihre in Köln lebende Tochter Mariam Claren t-online berichtet.

Bis zu ihrer ersten Verlegung konnte sie nicht mit ihrer Mutter sprechen. Ebenso wenig durfte Taghavi Kontakt zu einem Anwalt aufnehmen, nicht einmal ein konkreter Anklagepunkt wurde erhoben.

Claren wandte sich an die Öffentlichkeit, um auf das Schicksal ihrer Mutter und dem der anderen Gefangenen hinzuweisen. Dann kam die Verlegung in den Frauentrakt: "Ich bin der festen Überzeugung, dass die aufgrund des öffentlichen Drucks geschah", so Claren, "deutsche und iranische Medien haben über den Fall berichtet, das öffentliche Interesse war also sehr hoch."

"Ihr Körper ist total kaputt"

Im Frauentrakt waren die Haftbedingungen besser: Taghavi durfte dreimal in der Woche mit ihrer Tochter telefonieren – zwar nur für 10 Minuten, aber immerhin. Während der Telefonate erzählte Clarens Mutter ihr von den "katastrophalen Zuständen" während der Isolationshaft: So durfte ihre Mutter nur für 20 Minuten pro Tag an die frische Luft, wobei sie stets eine Augenbinde habe tragen müssen.

Die 150 Tage ihrer Einzelhaft, so erzählt es ihre Tochter, musste Taghavi zudem auf dem Steinboden ihrer Zelle schlafen – ohne Kopfkissen. Auch die Ernährung der 66-Jährigen Diabetikerin wurde streng überwacht. Früchte und anderes Obst habe es demnach nicht gegeben, in der Folge trat bei Taghavi ein Vitaminmangel auf: "Meine Mutter sagte, dass wegen des Mangels an Vitamin B und Sonnenlicht ihre Haut ganz wund sei", erzählt Mariam Claren: "Ihr Körper ist total kaputt."

Kölnerin ist zurück in Isolationshaft

Im Frauentrakt, so hoffte es Taghavis Tochter zumindest, sollte ihre Mutter eine Atempause und Zeit bekommen, um sich von den Strapazen der Einzelhaft erholen zu können. Am vergangenen Montag sollte Taghavi dann zu einer Blutuntersuchung abgeholt werden, um welche die unter Bluthochdruck leidende Diabetikern selbst gebeten hatte.

Taghavi sei aus ihrer Zelle geführt und in ein Auto gesetzt worden. Statt ins Krankenhaus sei dieses jedoch zurück zum Isolationstrakt des Evin-Gefängnisses gefahren – Nahid Taghavi ist zurück in Einzelhaft, die anberaumte Blutuntersuchung war nur ein Täuschungsmanöver der Revolutionsgardisten: "Meiner Mutter geht es richtig schlecht, weil sie mit der Rückverlegung überhaupt nicht gerechnet hat", so Mariam Claren, "und als sie mich nicht wie sonst am Montag angerufen hat, wurde mir auch direkt übel."

"Das sind dreckige Spielchen"

Taghavis Familie habe von der Verlegung in den Isolationstrakt nur durch den Sohn einer anderen Gefangenen erfahren, der Claren über das Schicksal ihrer Mutter informierte. Eine Erklärung für die Rückverlegung liege laut Claren nicht vor, sie könne nur mutmaßen. So könnte es sein, dass ihre Mutter zurück in die Isolationshaft gebracht wurde, da der Gerichtsprozess gegen die Kölner Architektin bald bevorstehe.

"Oder sie wollten ihr nur einmal zeigen, wie angenehm es im Frauentrakt ist, bevor sie sie wieder in Einzelhaft gesteckt haben." So könne es sein, dass die Revolutionsgardisten nun ein Schuldeingeständnis erzwingen wollen, in dem sie Taghavi mit einer erneuten Verlegung in den Frauentrakt ködern: "Je perfider es klingt, desto wahrscheinlicher ist es", erklärt Claren.

Druckmittel für Atomverhandlungen?

Ein weiterer möglicher Grund könne sein, dass der Iran Nahid Taghavi als Druckmittel verwenden möchte: Derzeit finden in Wien nämlich die Verhandlungen zum Atomabkommen mit dem Iran statt. Das Land könnte also versuchen, Taghavi als Geisel zu nutzen – um von Deutschland ein Entgegenkommen in den Verhandlungen zu erzwingen: "Das sind nur Mutmaßungen", erklärt Claren, “aber die sind zu allem fähig.”

Aufgeben wolle Mariam Claren trotz aller Widrigkeiten aber natürlich nicht – immerhin geht es um ihre Mutter: "Als sie in den Frauentrakt verlegt wurde, sagte sie mir: 'Mariam, das habe ich nur dir und deinem Einsatz für mich zu verdanken.'"

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Mariam Claren

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