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Corona in Köln: Tests im Brennpunkt Chorweiler häufiger positiv

Möglicher Zusammenhang  

Mehr positive Corona-Tests in sozialen Brennpunkten in Köln

Von Christopher Dröge

09.04.2021, 17:35 Uhr
Corona in Köln: Tests im Brennpunkt Chorweiler häufiger positiv. Das Testzentrum im City-Center: Bei Bedarf können hier in zehn Minuten bis zu 18 Tests durchgeführt werden. (Quelle: Christopher Dröge)

Das Testzentrum im City-Center: Bei Bedarf können hier in zehn Minuten bis zu 18 Tests durchgeführt werden. (Quelle: Christopher Dröge)

Laut einer Studie sind es in Köln vor allem Stadtteile mit hoher Arbeitslosigkeit, in denen das Coronavirus besonders grassiert. Im sozial schwachen Chorweiler gibt es erst seit Kurzem eine Testmöglichkeit. Das Interesse ist groß.

Vor Kurzem hatte eine gemeinsame Studie des Kölner Gesundheitsamts mit dem Fraunhofer Institut erstmals aufgeschlüsselt, welche Verbreitung das Corona-Virus in den einzelnen Stadtteilen der Rheinmetropole gefunden hat. Besonders auffällig: Mit fortschreitendem Verlauf der Pandemie gibt es besonders viele Infektionen in Vierteln, die von hoher Arbeitslosigkeit, geringer Kaufkraft und anderen damit einhergehenden Faktoren geprägt sind.

Im linksrheinischen Köln trifft dies vor allem auf Viertel des Bezirks Chorweiler zu – und tatsächlich waren es die dicht besiedelten Stadtteile Seeberg, Lindweiler und Chorweiler-Mitte, die bereits Mitte März 7-Tage-Inzidenzwerte von 150 bis deutlich über 200 aufwiesen.

Auch wenn die Autoren betonen, dass sich daraus allein noch keine Kausalität ableiten lasse – die Studie ist wohl auch ein Grund dafür, dass die Verwaltung dem Ausbau der Testinfrastruktur in Chorweiler erstmals eine Priorität einräumte. Lange Zeit gab es hier nämlich keine Möglichkeit, sich wohnortnah auf eine Corona-Infektion testen zu lassen.

Zwar hatten Bürgergruppen bereits im vergangenen November ein Schnelltestzentrum für den Bezirk gefordert, damals scheiterte es jedoch noch etwa an fehlenden Räumlichkeiten. Nun jedoch haben kurz nacheinander gleich zwei Testzentren in zentraler Lage den Betrieb aufgenommen: Eines im Einkaufszentrum City-Center, ein zweites von der Stadt betriebenes im benachbarten Bezirksrathaus.

Mehr positive Tests als in anderen Stadtteilen

Das Testzentrum im City-Center ist eine Einrichtung des privaten Anbieters "Corona-Status", der weitere Zentren in der Kölner Innenstadt, in Leverkusen sowie in Hamburg betreibt. Im City-Center stehen den Testwilligen nun sechs Abstrich-Kabinen zur Verfügung. Das Interesse ist durchaus hoch, wie Geschäftsführer Daniel Hennig berichtet: "In den knapp zwei Wochen bisher hatten wir gut 300 bis 400 Tests pro Tag", schätzt er.

Tatsächlich sei der Anteil der positiv getesteten Abstriche hier deutlich höher als an anderen Standorten, so Hennig. "Gut sechs Prozent der Tests fallen positiv aus, das ist schon deutlich mehr als etwa in der Kölner Innenstadt", sagt er.

Der Eingang des City-Centers, wo eines der beiden Testzentren ist: Das Einkaufszentrum dient in Chorweiler auch als sozialer Treffpunkt. (Quelle: Christopher Dröge)Der Eingang des City-Centers, wo eines der beiden Testzentren ist: Das Einkaufszentrum dient in Chorweiler auch als sozialer Treffpunkt. (Quelle: Christopher Dröge)

Vor Ort organisiert Kerstin Wendt den möglichst reibungslosen Ablauf des Testbetriebs. "Generell merkt man schon, wie dankbar die Leute sind, wir bekommen viel Zuspruch", beschreibt sie ihren Eindruck der ersten Tage. Ähnlich gemischt wie die multikulturelle Nachbarschaft ist auch die Belegschaft: Unter den Mitarbeitern finden sich zehn verschiedene Nationalitäten. "Wir achten darauf, dass türkische, russische und arabische Muttersprachler anwesend sind, sonst hätten wir durchaus Probleme mit der Kommunikation", so Wendt.

Ebenfalls ein Zugeständnis an den Stadtteil ist die Möglichkeit der persönlichen Anmeldung vor Ort. "Das bieten wir in unseren anderen Testzentren nicht an, aber hier gibt es noch sehr viele, die keinen Zugang zum Internet haben", sagt Wendt. "Gerade natürlich in der Altersklasse Ü-80." Zu diesem Zweck ist eigens ein Tablet vor Ort, ein Mitarbeiter leitet die Testwilligen durch den Anmeldevorgang.

Hoher Aufklärungsbedarf

Überhaupt müssten die Mitarbeiter auffällig viele Fragen beantworten, so Wendt.  "Es gibt hier noch einen hohen Aufklärungsbedarf. Viele Leute haben das Gefühl, nicht abgeholt, vergessen zu werden." Eine Dame mittleren Alters fragt etwa noch an der Tür, ob sie für eine Zugfahrt einen Test benötige. Ein weiterer Passant fragt interessiert nach einem Test, winkt dann jedoch ab und geht, als er hört, dass er sich mit seinen persönlichen Daten anmelden muss.

Neben vielen Senioren testen die Mitarbeiter auffallend viele Kinder. "Man merkt, dass das den Familien hier sehr wichtig ist, da ist viel latente Unruhe und Angst spürbar." So wie eine Mutter, die ihren zwölfjährigen Sohn für den – mittlerweile abgesagten – Schulstart testen lassen will. Ein Vater, der das Zentrum mit seinem Sohn zufällig beim Bummel entdeckt hat, meldet kurzerhand gleich beide zum Test an. "Das wird für uns beide der erste Test überhaupt sein", meint er.

Wendt, die noch zwei weitere Testzentren betreut, schätzt das geschäftige Umfeld des City-Centers. "Man merkt, dass es auch ein sozialer Treffpunkt ist. Wir haben hier nicht das Hipsterpublikum wie in der Innenstadt, aber die Leute sind sehr offenherzig. Das macht das Arbeiten spannend."

Verwendete Quellen:
  • Beobachtungen und Gespräche vor Ort

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