Sie sind hier: Home > Regional > Köln >

Kirchenausschuss Köln über Woelki: "Geduld ist aufgebraucht"

Missbrauchsskandal  

Kirchenausschuss über Woelki: "Geduld ist aufgebraucht"

05.05.2021, 11:31 Uhr | t-online

Kirchenausschuss Köln über Woelki: "Geduld ist aufgebraucht". Rainer Maria Kardinal Woelki: Der Druck auf den Kölner Erzibischof in der Krise der katholischen Kirche wird größer. (Quelle: imago images/Future Image)

Rainer Maria Kardinal Woelki: Der Druck auf den Kölner Erzibischof in der Krise der katholischen Kirche wird größer. (Quelle: Future Image/imago images)

Nach bekanntgewordenen Missbrauchsfällen und Vertuschungen in der katholischen Kirche hat sich der Katholikenausschuss Köln zu Wort gemeldet – und sich mit deutlichen Forderungen an Erzbischof Rainer Maria Woelki gewandt.

Der Katholikenausschuss der Stadt Köln hat am Dienstag mit den Worten "Wo sind wir denn?" eine Mitteilung veröffentlicht, in der er die Amts- und Würdenträger der Kirche scharf angreift. 

Zuerst geht es in der Mitteilung um den Generalvikar Markus Hofmann, über dessen "verharmlosenden und menschenverachtenden Haltung" in einem Fernsehinterview vergangene Woche man entsetzt und fassungslos sei. Hofmann habe dort behauptet, das gemeinsame Masturbieren eines Priesters mit einem damals 17-jährigen Jungen sei "weder nach staatlichen noch kirchenrechtlichen Normen strafbar" gewesen.

"So etwas darf nicht passieren"

Seine Aussage belege, so der Ausschuss, dass "(…) ethisch-moralische oder gar christliche Wertmaßstäbe aus opportunistischen Selbsterhaltungsreflexen in der Kirchenleitung offenbar keine Rolle mehr spielen". Weiter heißt es: "Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Ist das unser Anspruch? So etwas darf nicht passieren – nicht einmal unbedacht."

Weiter gehen die Vertreter von Pfarrgemeinden und katholischen Verbänden darauf ein, dass ein durch sexuellen Missbrauch auffällig gewordener Priester "(…) in exklusiver Kenntnis der Bistumsleitung – in einer Kölner Gemeinde tätig ist und behauptet, er habe alle offen über seine Verfehlungen unterrichtet".

Der Katholikenausschuss prangert in seiner Mitteilung an, dass dieser Fall nicht etwa deshalb bekannt wurde, weil "präventiv Maßnahmen des Erzbistums gegriffen haben", sondern, weil "einschlägige Hinweise an die Öffentlichkeit zu gelangen drohten". Nach Informationen der "Bild" seien belastende Berichte und Akten-Protokolle in den Akten des Erzbistums abgelegt worden.

"Kritiker kaltgestellt, nicht angehört, ignoriert"

Weiter wird das in diesem Jahr veröffentlichte Gutachten angesprochen, das "katastrophale strukturell-organisatorische Mängel" bei der Missbrauchsaufklärung und -bekämpfung "nicht nur aufgedeckt, sondern bewiesen" hätte. Diese Mängel, wie auch die dazugehörigen Personen, seien schon lange bekannt gewesen – doch niemand habe etwas getan.

Stattdessen seien Gruppen, die Missstände meldeten, "kaltgestellt, nicht angehört, ignoriert" worden. Es wird sogar davon gesprochen, dass sie "in ihrer Arbeit behindert, wie Medienschaffende beschimpft, mit unseligen Nazivergleichen überzogen oder als Nestbeschmutzer abgetan worden" seien. 

Ausschuss legt Verantwortlichen Rücktritt nahe

Der Katholikenausschuss fordert daher Erzbischof Woelki und seinen Generalvikar Markus Hofmann unter anderem dazu auf, sich mit ihrer Verantwortung und ihrem Fehlverhalten glaubhaft auseinanderzusetzen. Zudem werden die beiden aufgefordert, "ernsthaft zu prüfen“, ob sie (...) überhaupt noch willens und in der Lage seien, die "selbst angerichteten katastrophalen Probleme und Fehler zu beseitigen".

Der Ausschuss will wissen, warum Woleki und Hofmann glaubten, für den "dringend erforderlichen Veränderungsprozess noch die richtigen Personen zu sein". Denn jede Handlung und Aussage habe das Gegenteil vermittelt. "Die Einschätzung, richtig gehandelt zu haben, haben die Verantwortungsträger derzeit exklusiv."

Neben der Schaffung klarer Verantwortlichkeiten verlangt der Ausschuss, dass die beiden Würdenträger die "verharmlosende Darstellung und Herangehensweise bei sexuellem Fehlverhalten" von Priestern und sonstigen Personen im kirchlichen Dienst, beenden.

Bei all diesen Punkten wird eines deutlich – und das schreibt der Kirchenausschuss auch genauso in seiner Mitteilung: "Die Geduld ist aufgebraucht".

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: