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GDL zum Bahnstreik: "Kollegen werden bespuckt und angegriffen"


GDL-Mitglied: "Kollegen werden bespuckt und angegriffen"

Von Florian Eßer

Aktualisiert am 02.09.2021Lesedauer: 4 Min.
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Neuer Bahnstreik hat begonnen: So genervt reagieren die Reisenden an den deutschen Bahnhöfen. (Quelle: Reuters)
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Touristen und Pendler sind frustriert, doch die GDL bleibt hart: Der bislang längste Streik im Tarifkonflikt hat begonnen. Ein Gewerkschaftler berichtet von Gewalt gegen seine Kollegen – und was er von der Bahn jetzt fordert.

Abermals stehen viele Züge in Deutschland still: Zum dritten Mal in knapp drei Wochen hat die GDL zum Streik aufgerufen. Der aktuelle Streik ist mit einer Laufzeit von fünf Tagen bisher der längste im Laufe des herrschenden Arbeitskampfes – und geht anders als die vorherigen auch über das Wochenende. Für Pendler und Reisende bedeutet das Komplikationen und Ärgernisse – für die Mitglieder der GDL aber geht es um mehr.

"Zweimal 48 Stunden haben die Deutsche Bahn anscheinend nicht genug interessiert", sagt Louis B. gegenüber t-online. Der 25-Jährige ist als Fahrdienstleiter beschäftigt und seit zwei Jahren Mitglied in der GDL.

Wenn B. und seine Kollegen die Arbeit niederlegen, hat das für den Schienenverkehr weitgehende Folgen: Als Fahrdienstleiter kümmert er sich um den Zugbetrieb. Er ist im Stellwerk im Einsatz, stellt die Weichen der Schienen und gibt den Lokführern die Signale zur Abfahrt: "Wenn das Stellwerk nicht besetzt ist, ist also vieles nicht mehr möglich", sagt B.

Kürzung der Betriebsrente: "Das ist ein absolutes Unding"

Ihm tun diejenigen zwar leid, die vom Streik getroffen werden, dennoch ist ihm die Arbeitskampfmaßnahme ein wichtiges Anliegen: "Der Arbeitgeber greift unsere Renten an, während sich die Vorsitzenden trotz Verschuldung die Taschen vollmachen", erklärt Louis B. Die Betriebsrente der Eisenbahner soll nämlich von 150 Euro auf 100 Euro pro Monat reduziert werden: "Das ist ein absolutes Unding", so der Fahrdienstleiter, "wird aber häufig unter den Teppich gekehrt."

Gleichzeitig fordert die GDL unter anderem eine Tariferhöhung von 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. In einer Pressekonferenz hat die Deutsche Bahn angekündigt, diese Prämie auf den Verhandlungstisch zu packen – auch soll die Laufzeit des Tarifvertrags auf 36 Monate reduziert werden. Vorher hatte die Bahn auf eine Laufzeit von 40 Monaten bestanden – die GDL aber fordert 28 Monate: "Was der Arbeitgeber vorgelegt hat, ist zwar Bewegung – aber noch nicht Bewegung genug", meint Louis B. So ist etwa die umkämpfte Betriebsrente kein Thema im aktuellen Angebot.

"Kollegen im Service werden bespuckt und angegriffen"

Dennoch hat es laut B. anscheinend etwas gebracht, einen längeren Streik anzusetzen, der sich diesmal auch über das Wochenende erstreckt: "Jetzt kommt man plötzlich mit einem Angebot um die Ecke – das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es fehlt noch was."

Schließlich gehe es auch darum, den Beruf des Eisenbahners attraktiver zu machen, der nicht nur unter finanziellen Aspekten gelitten hat: "Ich höre oft, dass die Kolleginnen und Kollegen im Service bespuckt und angegriffen werden", erzählt Louis B. "Wenn ein Zug ausfällt, weil jemand davorgesprungen ist, wird der Frust dann bei den Kollegen abgelassen. Es mangelt einfach an Respekt vor den Mitmenschen."

Auch die Corona-Pandemie sei für die steigende Aggressivität mitverantwortlich: "Die Maskenpflicht zum Beispiel, die wir durchsetzen sollen, ist ein häufiger Streitgrund. Aber wir können ja für das alles nichts."

Gleise am Kölner Hauptbahnhof (Archivbild): Durch den Streik der Lokführergewerkschaft GDL kommt es zu Zugausfällen und Verspätungen für viele Reisende.
Gleise am Kölner Hauptbahnhof (Archivbild): Durch den Streik der Lokführergewerkschaft GDL kommt es zu Zugausfällen und Verspätungen für viele Reisende. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)

"Auf dem Balkon zu klatschen, reicht nicht aus"

Louis B. und seine Kollegen haben die ganze Pandemie über durchgearbeitet und sichergestellt, dass Güter und Personen von A nach B gelangen konnten: "Güter gehören auf die Schienen, aber die Leute müssen auch vernünftig bezahlt werden", erklärt der Fahrdienstleiter, "und dass Klatschen auf dem Balkon nicht reicht, hat man auch schon bei den Pflegeberufen gemerkt."

Auch in diesen Berufen würde sich B. wünschen, dass die einzelnen Gewerkschaften mehr Widerstand leisten und für ihre Leute vehementer in die Bresche springen: "Aber leider gibt es viele Gewerkschaften, die meinen, sich dem Arbeitgeber annähern zu müssen."

Den häufig vorgebrachten Punkt, der Streik sei eine Waffe im Machtkampf mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) lehnt B. daher ab: "Sie wollen sich dem Arbeitgeber eben nähern, wir wollen ein akzeptables Angebot für unsere Mitglieder schaffen – mit Konkurrenz hat das aber nichts zu tun."

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"Es fehlt an gesellschaftlicher und finanzieller Wertschätzung"

Da durch den erneuten Streik nun aber Bewegung in die Verhandlungen zwischen der GDL und der Deutschen Bahn kommt, ist Louis B. optimistisch, dass der Arbeitskampf bald ein Ende haben könnte: "Mal schauen, ob es wirklich nötig sein wird, die fünf Tage durchzustreiken", sagt er, "ich habe eigentlich kein Interesse daran, den Eisenbahnbetrieb zu verhindern, aber wenn wir dazu gezwungen werden, muss man von seinem Recht zu streiken Gebrauch machen."

Wie B. weiter erzählt, unterhalte er sich auch in seinem privaten Umfeld über den Streik – die Reaktionen seien dabei durchaus verständnisvoll: "Viele sagen, dass sie es zwar nicht gut fänden, darunter zu leiden, aber dass uns ja auch nichts anderes übrig bleibe. Wenn man mit den Leuten vernünftig spricht, stimmen sie einem schon zu."

Louis B. hofft nun nicht nur auf ein akzeptables Angebot der Bahn, sondern auch darauf, dass sich dieses Verständnis auch in größeren Teilen der Gesellschaft zeige: "Ich mache meinen Beruf nach wie vor sehr gerne", sagt er, "aber es fehlt an gesellschaftlicher und finanzieller Wertschätzung."

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Louis B.
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