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Köln |19-Jähriger vor Gericht: 26 Messerstiche – Bluttat aus enttäuschter Liebe

19-Jähriger vor Gericht  

26 Messerstiche – Bluttat aus enttäuschter Liebe

20.10.2021, 19:31 Uhr
Köln |19-Jähriger vor Gericht: 26 Messerstiche – Bluttat aus enttäuschter Liebe. Schriftzug am Gerichtsgebäude in der Luxemburger Straße (Symbolbild): Am Kölner Landgericht wird aktuell der Fall eines 19-Jährigen verhandelt, der versucht haben soll, die Mutter einre Mitschülerin zu ermorden. (Quelle: imago images/Steinach)

Schriftzug am Gerichtsgebäude in der Luxemburger Straße (Symbolbild): Am Kölner Landgericht wird aktuell der Fall eines 19-Jährigen verhandelt, der versucht haben soll, die Mutter einre Mitschülerin zu ermorden. (Quelle: Steinach/imago images)

In Köln steht ein 19-Jähriger vor Gericht. Aus enttäuschter Liebe wollte er offenbar eine frühere Mitschülerin umbringen. An der Tür traf er jedoch ihre Mutter – und verletzte sie mit 26 Messerstichen.

"Ich bin jetzt im achten Jahr bei der Polizei, aber das war vom Tatablauf her für mich schon etwas Herausstechendes", so ein Kölner Polizist, der am 20. April dieses Jahres nach Leverkusen zu einem Großeinsatz gerufen worden war.

Eine Frau war im Eingangsbereich ihres Hauses mit 26 Messerstichen verletzt worden. Als der Polizist am Tatort eintraf, hatten seine Leverkusener Kollegen einen Verdächtigen bereits festgenommen. Der 19-Jährige ist nun vor dem Landgericht Köln angeklagt, der Vorwurf lautet versuchter Mord.

Der Kölner Beamte habe den jungen Mann auf dessen Fahrt zum Polizeipräsidium begleitet. Dabei habe jener einiges von sich erzählt, wie der Polizist schilderte. "Er sagte, dass sein Leben gerade nicht so rund lief. Die Familie würde man wohl als zerrüttet beschreiben." Auch die Reaktion des jungen Mannes hatte er noch gut vor Augen: "Das war eine Mischung aus geschockter Stille und Resignation über die Erkenntnis, dass das eigene Leben gerade einen Schritt in eine Richtung genommen hat, die man nicht gewollt hätte."

In sich gekehrt, wie die Ermittler den Angeklagten schon in der mutmaßlichen Tatnacht erlebten, ist auch das Auftreten des Angeklagten vor Gericht. Meist sieht er aus dunklen Augen die jeweils sprechenden Personen an. Dann wieder gleitet sein Blick in die Ferne, wirkt wenig fokussiert – wie bei einem Schüler, der eine unwillkommene Unterrichtsstunde über sich ergehen lassen muss.

Prozess in Köln: Durch Schreie zurück in die Realität

In seiner Aussage hatte der Angeklagte die Messerstiche gestanden, allerdings auch von einem Filmriss berichtet. Er wisse noch, wie er in die Augen seines späteren Opfers gesehen habe und mit dem Messer auf die Frau losgegangen sei, dann setze die Erinnerung aus. Erst Schreie, die ihm durch Mark und Bein gegangen seien, hätten ihn "in die Realität zurückgeholt".

Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er die schwer verletzte Frau sowie Blut an seinen eigenen Händen gesehen. Daraufhin sei er geflohen: "Ich dachte, ich muss weg." Eigentlich habe er sich dann umbringen wollen, wurde jedoch wenig später von der Polizei gefasst.

"Ich habe geschrien, um ihn in die Realität zurückzuholen", sagte das Opfer. Die Frau erlitt schwere Verletzungen an Wange, Hals, Schulter, Lunge und Hand. Durch die Tat habe sie heute eine auffällige Narbe im Gesicht. Außerdem könne sie den Arm nur eingeschränkt heben, was den Alltag erschwere.

Messerattacke in Leverkusen: "Wir wollten nicht die Pferde scheu machen"

Hintergrund der Schreckenstat ist offenbar die enttäuschte Liebe des 19-Jährigen. Über WhatsApp hatte der Mann Kontakt mit einer früheren Mitschülerin gehalten und sich mit ihr eine Zukunft ausgemalt. Nachdem er ihr seine Gefühle gestanden hatte, soll sie ihn recht schroff abgewiesen haben. "Du bist ganz unten. Wie kommst du dazu, mein Leben zu verplanen?", habe sie gefragt, berichtete ein weiterer Schulfreund vor Gericht.

Der ohnehin schon als introvertiert beschriebene Angeklagte soll sich daraufhin zurückgezogen und einen Plan gefasst haben: Einmal noch wolle er die Angebetete vor die Entscheidung stellen. Wenn sie ihn dann wieder abweise, solle auch kein anderer sie kriegen – und er selbst wolle dann nicht mehr leben. Der Angeklagte soll seinem Freund das Vorhaben angekündigt haben. Dieser gab an, sich mit seinem eigenen, älteren Bruder dazu beraten zu haben.

"Wir wollten nicht die Pferde scheu machen", sei schließlich die Entscheidung gewesen. Wirklich ernst habe man die Worte des Freundes nicht genommen und deswegen keine weiteren Schritte eingeleitet. Einige Tage später kam es zur Bluttat.

Dabei hatte der Angeklagte offenbar nicht das Ziel, die Mutter des Mädchens anzugreifen. Er war aber, wie er sagte, bereit, "jedes Hindernis unschädlich zu machen, das sich mir in den Weg stellte". Als er an der Tür seiner Mitschülerin klingelte, öffnete die Mutter die Tür – und der 19-Jährige stach zu.

Das Verfahren wird fortgesetzt. Ein Urteil wird für den 17. November erwartet.

Verwendete Quellen:
  • Besuch der Hauptverhandlung
  • Hintergrundgespräche

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