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Gil Ofarim gegen Westin: Der lange Weg zur Anklage

Von t-online, ads

31.03.2022Lesedauer: 5 Min.
Anklage nach Antisemitismus-Vorwurf: Hier sehen Sie das Video mit den Aussagen von Gil Ofarim, das die Kontroverse auslöste. (Quelle: t-online)
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Ein Video mit Antisemitismus-Vorwürfen hatte eine Lawine losgetreten: Über Monate hinweg zeigten sich Gil Ofarim und das Westin-Hotel in Leipzig immer wieder gegenseitig an. Nun wurde Ofarim selbst angeklagt. Eine Chronologie.

Das Wichtigste im Überblick


"Packen Sie Ihren Stern ein": Mit dieser Äußerung beschäftigen sich rund ein halbes Jahr lang Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft in Leipzig – und die Öffentlichkeit. In einem Video, das Musiker Gil Ofarim am 5. Oktober in die sozialen Medien hochlud, schilderte er emotional, dass andere Gäste beim Check-in im Leipziger Westin-Hotel bevorzugt worden seien.

Aus der langen Schlange, die sich wegen eines Computerproblems gebildet habe, seien immer wieder andere Menschen herausgezogen und betreut worden. Als er nach dem Grund dafür fragte, warum er nicht bedient werde, habe man ihm gesagt, er könne dann einchecken, wenn er seine Kette mit Davidstern-Anhänger abnehme. Zwei Mitarbeitenden warf er vor, seinen Davidstern angesprochen zu haben.

Oktober 2021: Ofarim und Polizei reagieren nach öffentlichem Aufschrei

Der Vorfall löste eine Welle an Empörung in Deutschland aus. Ofarim, Sohn des israelischen Musikers Abi Ofarim, hatte bereits vor dem Video von antisemitischen Vorfällen gegen ihn als Münchner jüdischer Abstammung berichtet und eine "Tradition des Wegsehens" kritisiert. In einem Interview mit "Bild TV" äußerte er sich zu den Vorwürfen an das Hotel: "Es war einmal zu viel. Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen."

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Ein Sprecher der Polizei Leipzig nannte die angeblichen Aussagen der Hotel-Mitarbeiter "klar antisemitisch" – wenn sie sich denn als korrekt herausstellen würden. Einen Tag nach der Veröffentlichung des Videos bestätigte dann die Staatsanwaltschaft: Zu dem Fall seien Ermittlungen aufgenommen worden.

Erste Zeugen wurden vernommen und ein Überwachungsvideo ohne Ton sichergestellt. Zunächst hatte ein Unbeteiligter eine Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet, auch der beschuldigte Mitarbeiter erstattete zwei Anzeigen: Eine wegen Verleumdung und eine wegen Bedrohung wegen der Reaktionen in den sozialen Medien. Ofarim wurde zunächst nur als Zeuge gehandelt.

Beschuldigte dementieren Ofarims Schilderung – und ermitteln selbst

Auch das Hotel äußerte sich: Der Mitarbeiter, den Ofarim hauptsächlich beschuldigte, sei vorerst beurlaubt worden, man lehne "jede Form von Intoleranz, Diskriminierung und Antisemitismus auf das Schärfste". Der Beschuldigte schilderte jedoch gegenüber der Polizei den Vorfall mit Ofarim "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers".

Das Westin engagierte eine Rechtsanwaltskanzlei und stellte offenbar selbst Ermittlungen an: In der "LVZ" erzählte der Hotelchef von einem Zeugen, der Ofarims Schilderung gegenüber dem Hotel dementiert habe. Im selben Blatt gab dieser Mann lediglich an, er könne sich an eine Davidstern-Äußerung nicht erinnern.

Bei einem Protest gegen Antisemitismus vor dem Westin traten Mitarbeitende den Demonstrierenden entgegen. Der vom Hotel engagierte Sicherheitsdienst, der offenbar in der rechten Szene verwurzelt war, und die Banner der Mitarbeitenden mit Israel-Flaggen lösten einen weiteren Affront aus und fachten die Antisemitismus-Debatte an (mehr dazu hier).

Demo vor dem Hotel "Westin Leipzig": Hunderte Menschen protestierten dort Dienstagabend gegen Antisemitismus.
Demo vor dem Hotel "Westin Leipzig": Hunderte Menschen protestierten dort am Dienstagabend gegen Antisemitismus. (Quelle: Dirk Knofe/dpa-bilder)

Ofarim wehrt sich gegen Verleumdungsvorwurf und erstattet Anzeige

Ofarim sah sich im Gespräch mit dem "Spiegel" nach der Anzeige des Mitarbeiters als Opfer: "Ich finde es beschämend und traurig, dass ich mich nach diesem Vorfall auch noch rechtfertigen und erklären muss." Er kündigte eine eigene Anzeige an und berichtete von persönlichen Konsequenzen des Vorfalls: Er habe nach einem Auftritt von der Polizei eskortiert werden müssen.

Rund eine Woche nach dem Video erstattete er bei seiner Zeugenvernehmung in München selbst Anzeige wegen der Vorwürfe gegen den Mitarbeiter. Wie erst später bekannt wurde, zeigte er ihn zusätzlich wegen "falscher Verdächtigung" an.

Mitte Oktober: Überwachungsvideos werfen Zweifel auf

Nach der ersten Auswertung der beschlagnahmten Aufnahmen aus der Lobby des Westin-Hotels werden Zweifel an den Aussagen des Musikers laut, die Stimmung in der Öffentlichkeit kippt: Auf veröffentlichten Videoausschnitten ist keine Kette zu erkennen.

Ofarim dementiert Medienberichte, nach denen er in seiner Aussage gegenüber der Polizei nicht sicher gewesen sei, ob er den Anhänger sichtbar getragen habe. Gegenüber "Bild" gibt er an, den Stern an dem Abend getragen zu haben. Und: "Es geht hier nicht um die Kette. Es geht eigentlich um was viel Größeres." Im "LVZ"-Interview bat Ofarim darum, die kompletten Videoaufnahmen zu veröffentlichen: "Dann würde man auch sehen, dass ich die Kette nicht etwa später erst für mein Video umgehängt habe."

Er lege sie praktisch nie ab und sei "felsenfest" sicher, wegen ihr antisemitisch beleidigt worden zu sein. Nach Darstellung des Hotels gegenüber der Zeitung seien drei Gäste vorgelassen worden, was den Musiker wütend gemacht habe.

Ende Oktober: Erstes Gutachten – beschuldigter Mitarbeiter darf zurückkehren

Nach einem Gutachten der vom Hotel engagierten Anwaltskanzlei darf der beschuldigte und freigestellte Mitarbeiter rund drei Wochen nach dem Vorfall an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Es lägen "keine objektivierbaren Anhaltspunkte vor, die es rechtfertigen würden, strafrechtliche und/oder arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den Mitarbeiter zu ergreifen". Wie aus einem Bericht der "Zeit" hervorging, habe keiner der von der Rechtsanwaltskanzlei Pauka & Link befragten acht Zeugen am fraglichen Abend eine antisemitische Beleidigung gehört.

"The Westin Leipzig" (Archivbild): Das Hotel gab selbst ein Gutachten in Auftrag.
"The Westin Leipzig" (Archivbild): Das Hotel gab selbst ein Gutachten in Auftrag. (Quelle: Manfred Segerer/imago-images-bilder)

Stattdessen sei Ofarim laut den zitierten Zeugenaussagen in einen Streit mit einem Mitarbeiter des Hotels geraten, weil dieser andere Kunden bevorzugt behandelt haben soll. Der TV-Star habe dem Mann daraufhin gedroht, ein Video bei Instagram zu veröffentlichen, das "viral gehen" werde.

Über seinen Anwalt ließ Ofarim daraufhin verlauten: "Nach meiner Auffassung sollten die Ermittlungen auch weiterhin der verantwortlichen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei vorbehalten bleiben, die sehr engagierte Arbeit leisten." Weiter heißt es: "Ein vom Hotel bezahlter Untersuchungsbericht wird genauso wie zuvor an die Medien gespielte unvollständige Videosequenzen kein Beitrag zur Wahrheitsfindung sein."

Januar 2022: Staatsanwaltschaft wertet neues Gutachten aus

Nach monatelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erhielt diese die Ergebnisse eines eigenen Gutachtens. Ermittler hatten im Dezember die Szene in einem Hotel nachgestellt und wurden dabei durch die Überwachungskameras aufgezeichnet. Ein Gutachter, der zuvor auch schon die Originalaufnahmen der Überwachungskameras ausgewertet hatte, analysierte diese Aufnahmen.

Alle Beteiligten erhielten noch einmal die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

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März 2022: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gil Ofarim

Am 31. März kippt der Fall endgültig: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leipzig sind nach monatelangen Ermittlungen abgeschlossen, es wird Anklage erhoben – gegen Gil Ofarim selbst. Ihm werde der Vorwurf der falschen Verdächtigung in zwei Fällen, davon einmal in Tateinheit mit Verleumdung, gemacht. Die Staatsanwaltschaft sei nach umfangreichen Zeugenvernehmungen und einer aufwendigen Rekonstruktion der Ereignisse im Hotel überzeugt, dass sich "das Geschehen, wie es von Gil Ofarim geschildert worden ist, tatsächlich so nicht ereignet" habe (mehr dazu lesen Sie hier).

Das Verfahren gegen den Hotelmitarbeiter hingegen sei eingestellt worden: Es habe sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben. Das Landgericht Leipzig muss nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Ofarim drohen aufgrund der Vorwürfe bis zu fünf Jahre Haft.

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Von Pia Siemer
Ein Kommentar von Andreas Raabe, Leipzig
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