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Waldbrand im Harz: Ist die Brockenbahn schuld?

Von Christian Grube

Aktualisiert am 20.06.2022Lesedauer: 5 Min.
Harzer Schmalspurbahnen
Ein Zug der Harzer Schmalspurbahnen fÀhrt zum Brocken: Viele WaldbrÀnde im Harz liegen in unmittelbarer NÀhe der Brockenbahn-Strecke. (Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild/dpa-bilder)
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Im Harz brennt es wieder. Nun gibt es Streit um die Frage, welchen Anteil Funkenflug aus den Dampfloks der Brockenbahn an den BrÀnden hat. Viele Feuer beginnen nÀmlich entlang der Strecke der Schmalspurbahn.

Am 26. April ist eingetreten, wovor sich viele Menschen im Harz lange gefĂŒrchtet hatten: Um 14.29 Uhr wird der Leitstelle Harz ein Brand am Bahnhof Goetheweg entlang der Bahnstrecke der Brockenbahn gemeldet. Insgesamt brennen an diesem Tag 5.000 Quadratmeter Vegetation im Nationalpark Harz.

FĂŒr viele Menschen, auch aus Leipzig, ist der Harz ein beliebtes Ausflugsziel. Die Trockenheit der letzten Jahre, der BorkenkĂ€fer und nicht zuletzt WaldbrĂ€nde setzen dem Naturgebiet schwer zu. Bei dem Brand am Brocken vom 26. April saßen mehrere Hundert Menschen auf dem Gipfel des 1.141 Meter hohen Berges fest: Brockenstraße und Bahn waren wegen des Feuerwehreinsatzes gesperrt.

Nur zwei Tage spĂ€ter wird ein weiterer Brand gemeldet: Diesmal an der Teufelskanzel unmittelbar unter dem Brockengipfel – hier sind es 1.000 Quadratmeter, die in Flammen stehen.

Harz: HÀufung von BrÀnden an der Strecke der Schmalspurbahn

In diesem FrĂŒhling mussten die Feuerwehren im Harz schon fĂŒnfmal zu VegetationsbrĂ€nden ausrĂŒcken. Viermal im Brockengebiet, einmal im Selketal. Eins fĂ€llt sofort auf: Die Ereignisse lagen fast immer in unmittelbarer NĂ€he zur Strecke der Harzer Schmalspurbahn.

Das Problem ist schon lange bekannt. Die Fraktion der damaligen PDS stellte im Jahr 2005 eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zum Thema WaldbrÀnde im Nationalpark Harz. Grund war ein Feuer an der Teufelskanzel auf dem Brocken.

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Schon damals fiel eine starke HĂ€ufigkeit im Bereich der Bahnanlagen der Schmalspurbahn auf. Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass zwischen 1994 und 2005 exakt 99 VegetationsbrĂ€nde im Bereich der Bahnanlagen gemeldet wurden. FĂŒr die Zeit zwischen 2014 und 2022 weist das Innenministerium 15 BrĂ€nde aus, die im Bereich der Bahnstrecke lagen.

Harzbahn: Siebe sollen Funkenflug verhindern

Heide BaumgÀrtner, Pressesprecherin der Harzer Schmalspurbahn (HSB), erklÀrt im GesprÀch mit t-online, dass der Gedanke einer Kombination von Dampflok und Feuer im Wald erst einmal naheliege.

Doch die HSB ergreife Schutzmaßnahmen an ihren Loks: "In der Brennkammer der historischen Dampfloks gibt es sogenannte Funkensiebe. Diese sollen einen Funkenflug verhindern und sind so alt wie die Technik der Lokomotiven selbst."

Die Siebe wĂŒrden tĂ€glich vom Personal geprĂŒft. Und vor zehn Jahren habe man die DurchlĂ€ssigkeit der Maschen noch einmal verkleinert, um das Entweichen jedes noch so kleinen brennenden Partikels zu verhindern. "Noch weiter kann man diese jedoch nicht verengen, da sonst nicht ausreichend Luft in die Brennkammer gelangt und dadurch die Leistung der Lokomotive leidet", erklĂ€rt die Pressesprecherin.

Kritiker Knolle: Funkenflug und glĂŒhende KohlenstĂŒcke auf den Gleisen

Der Geologe und frĂŒhere Pressesprecher des Nationalparks Harz, Friedhart Knolle, sieht dagegen im Funkenflug durch die Dampfloks durchaus eine erhebliche Gefahr.

"Wer einmal in den Abendstunden an der Teufelskanzel stand und den Funkenflug aus den Schornsteinen bei den Sonderfahrten gesehen und auch glĂŒhende Kohle- und Schlackebrocken auf und an den Gleisen gefunden hat, der weiß, woher das Problem kommt", sagt Knolle. "Die technischen Vorsorgemaßnahmen haben LĂŒcken. Es sind immer die gleichen Stellen, an denen es oft brennt, zum Beispiel an der Teufelskanzel."

Harz: Kreisbrandmeister sieht Schuld beim Nationalpark

Der Kreisbrandmeister des Harzkreises, Kai-Uwe Lohse, sieht wiederum eine Verantwortung beim Nationalpark Harz – vor allem in dessen Waldmanagement und der Entscheidung, Totholz sich selbst zu ĂŒberlassen.

Man mĂŒsse feste Löschwassertanks anschaffen und im Brockengebiet aufstellen, sagte er im MDR-Fernsehen. Fast schon gebetsmĂŒhlenartig erneuert er mit jĂ€hrlicher Wiederholung seine VorwĂŒrfe.

Von einer einseitigen Schuldzuweisung in Richtung des Nationalparks hĂ€lt Friedhart Knolle hingegen wenig. "Die Waldbrandgefahr auch durch Totholz existiert, aber ebenso besteht die Brandgefahr ganzflĂ€chig, auch im Wirtschaftswald. Lebende Fichten stellen ebenfalls eine hohe Brandlast dar. In dieser Form, wie es fĂŒr Totholz oft kolportiert wird, stimmt die einseitige Schuldzuweisung nicht. Die Lage ist differenzierter, und Totholz ist im Harz nicht automatisch ein Brandbeschleuniger."

Nationalpark Harz: "Kein Anlass einer Neubewertung der Brandgefahr durch Totholz"

Die vergangenen Jahre waren sehr trocken. Sie haben dem Fichtenbestand des Nationalparks massiv zugesetzt. Der BorkenkÀfer konnte sich explosionsartig ausbreiten. Die Folge waren Tausende abgestorbene Fichten.

Genau dieses Totholz sei eine Gefahr und perfektes Futter fĂŒr einen ausgedehnten Waldbrand – so ist es in der lokalen und ĂŒberregionalen Presse und von Kritikern des Nationalparks immer wieder zu hören. Doch diese Aussage trifft offenbar nur teilweise zu.

Laut Knolle, der seit 1990 am Aufbau des Nationalparks mitgearbeitet hat, werde oft ein Vergleich zu einem Kiefernwald gezogen, im Oberharz habe man es jedoch zumeist mit FichtenbestĂ€nden zu tun, und diese BĂ€ume brennen weit schlechter als Kiefern, die viel stĂ€rker mit Baumharz und Ölen durchsetzt sind.

Dem Schutzgebiet die alleinige Schuld fĂŒr die Situation des Waldes zu geben, sei zu kurz gedacht. "FĂŒr FichtenwĂ€lder liegt die EntzĂŒndlichkeit der Bodendecke im mittleren Bereich und somit beispielsweise deutlich unter dem der KiefernwĂ€lder. Allgemein gilt, dass mit zunehmender Zersetzung eine brandhemmende Wirkung eintritt", weiß Martin Baumgartner, Pressesprecher des Nationalparks Harz, zu berichten und fĂ€hrt fort: "Es besteht unserseits aktuell kein Anlass einer Neubewertung der Brandgefahr durch Totholz."

Brockenbahn: Rauchverbot muss besser beachtet werden

Die Feuerwehr fordert immer wieder umfassende Brandschutzeinrichtungen. Sowohl der Nationalpark als auch die Schmalspurbahn haben in den vergangenen Jahren das Engagement ausgebaut.

"Wir halten auf dem Brocken und in Drei Annen Hohne immer jeweils einen Tankwagen mit Löschwasser bereit", berichtet Heide BaumgĂ€rtner von der HSB. Löschwasserentnahmestellen im Brockengebiet seien hergerichtet worden, ein 5.000 Liter fassender, faltbarer BehĂ€lter stehe bereit, und es fĂ€nden regelmĂ€ĂŸige Übungen mit den Feuerwehren und Park-Rangern statt.

StĂ€rker in den Fokus rĂŒcken muss ihrer Meinung nach das bereits existierende Rauchverbot: "In allen ZĂŒgen der HSB besteht ein absolutes Rauchverbot. Auch auf den Plattformen der Waggons. Doch mĂŒssen wir die FahrgĂ€ste immer wieder darauf hinweisen. Ist die Person uneinsichtig, erheben wir eine GebĂŒhr von fĂŒnf Euro." Bei tĂ€glich mehreren Tausend FahrgĂ€sten stellen diese Uneinsichtigen eine Gefahr dar – selbst wenn ihr Anteil an allen FahrgĂ€sten gering ist.

Runder Tisch: LöschkapazitÀten sollen ausgebaut werden

Mitte Mai fand auf Einladung des sachsen-anhaltischen Forstministers Sven Schulze (SPD) ein runder Tisch zur Waldbrandsituation im Harz statt. Dort kam man zu dem Schluss, dass sich Sachsen-Anhalt fĂŒr einen Ausbau des Waldbrandmonitorings starkmachen will. Weiterhin sollen die LöschkapazitĂ€ten ausgebaut werden.

Unterdessen kam es am 15. Mai, dem Tag nach dem Beschluss des runden Tisches, erneut zu einem Brand. Bei Stiege standen laut Angaben der Feuerwehr 2,5 Hektar Waldland in Flammen. Es war der grĂ¶ĂŸte Brand seit Jahren im Harz. Das Pikante: Wieder brannte es an der Strecke der Harzer Schmalspurbahn.

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Von Andreas Raabe
BrandFeuerwehrHarzWaldbrand

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