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Wuppertal: Laden macht aus Protest gegen Bonpflicht dicht

Ärger mit Finanzamt  

Laden in Wuppertal macht aus Protest gegen Bonpflicht dicht

04.02.2020, 15:57 Uhr
Wuppertal: Laden macht aus Protest gegen Bonpflicht dicht. "Geschlossen" steht als Layover über einen Foto aus dem Unverpackt-Laden in Wuppertal: Aus Protest hat der Laden einen Tag lang dicht gemacht. (Quelle: Facebook-Seite

"Geschlossen" steht als Layover über einen Foto aus dem Unverpackt-Laden in Wuppertal: Aus Protest hat der Laden einen Tag lang dicht gemacht. (Quelle: Facebook-Seite "Ohne Wenn und Aber - Unverpacktladen")

Eigentlich könnte Diana Lantzen rundum zufrieden sein, denn ihr Unverpackt-Laden "Ohne Wenn & Aber" in Wuppertal läuft nach eigenem Bekunden sehr gut. Doch am Dienstag ließ sie ihr Geschäft geschlossen. Aus Protest. 

Aus Protest gegen die Bonpflicht hat Diana Lantzen, die Betreiberin des Unverpackt-Ladens "Ohne Wenn & Aber" am Barmer Brögel in Wuppertal, ihr Geschäft am Dienstag geschlossen. "Als kleiner Familienbetrieb fühlen wir uns von den Besonderheiten des Bürokratieaufbaus nahezu erschlagen“, sagt die ehemalige Unternehmensberaterin.

Habe sie ohnehin mit zahlreichen Ämtern und Auflagen teils zu kämpfen, erzürnt sie nun konkret die Pflicht zum Ausdruck eines Kassenbons. Die entsprechende Verordnung dazu ist seit 1. Januar 2020 in Kraft. So will der Gesetzgeber verhindern, dass über falsche Buchungen Steuern hinterzogen werden.

Diana Lantzen vor verpackungsfreiem Getreide: Sie betreibt den ersten Unverpackt-Laden in Wuppertal. (Quelle: Ludwig)Diana Lantzen vor verpackungsfreiem Getreide: Sie betreibt den ersten Unverpackt-Laden in Wuppertal. (Quelle: Ludwig)

Da sich Lantzen persönlich und beruflich der Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen verpflichtet fühlt, hat sie öffentlich kund getan, dass sie in ihrem Geschäft keinen Bon ausdrucken möchte. Obwohl dies technisch möglich sei, wie sie betont. Ihre Ankündigung, so Lantzen, habe das Finanzamt Barmen provoziert, das ihr kürzlich prompt in Form von zwei Beamten einen unangekündigten Besuch zu einer sogenannten Kassennachschau abstattete.

Besuch vom Finanzamt

"Die Herren haben mir in gut zweieinhalb Stunden einen Warnschuss ausgesprochen", sagt Lantzen. Einen, der auf das Thema Steuerhinterziehung zielt. Hält sie daran fest, weiter keine Bons auszudrucken, weil der überwiegende Teil der Kundschaft sowieso keinen möchte, könnte ihr in Zukunft ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro oder Steuer-Nachzahlungen in Höhe von 15.000 Euro drohen.

Dabei betont Lantzen, dass durch ihr 10.000 Euro teures Kassensystem eine Nachweispflicht über jeden Umsatz gegeben sei. "Ich mache jeden Abend einen Kassensturz. Ich komme meiner Nachweispflicht nach bestem Wissen und Gewissen nach."

Kassenbons auf einem Haufen: Die Pflicht, die Bons auszugeben, ärgert viele Unternehmer (Symbolbild). (Quelle: imago images/teamwork)Kassenbons auf einem Haufen: Die Pflicht, die Bons auszugeben, ärgert viele Unternehmer (Symbolbild). (Quelle: teamwork/imago images)

Neben dem Hinweis, doch zukünftig Bons auszudrucken, kritisierten die Finanzbeamten auch ihr elektronisches Warenwirtschaftssystem. Dieses könnte ein anderes Bild widerspiegeln als es die Kasse tut. Da ihre Kundschaft Waren in mitgebrachte Gefäße selbst abfüllt, beruht das Prinzip des Ladens auch auf Vertrauen gegenüber der Käuferschaft. Dafür zeigten die Herren laut Lantzen so gar kein Verständnis. Das sei ja verrückt, zitiert Lantzen. Stichwort Diebstahl. Sie solle zurück zu einer Registrierkasse, hätten die Amts-Gäste gemahnt. Schließlich hätte man ihr den Vorschlag gemacht, ein QR-Code-System einzuführen.

Bonpflicht "unsinnig"

Wie geht es nun weiter mit dem ersten Unverpackt-Laden in Wuppertal? Am morgigen Mittwoch will Lantzen wieder öffnen, an Kapitulation wegen der auferlegten Bürokratie oder Drohgebärden von Ämtern denkt sie nicht. Ihr Wunsch wäre es, wenn die – ihrer Meinung nach – unsinnige Bonpflicht aufgegeben würde. Zudem will sie den Dialog mit dem Finanzamt suchen.

Ein Unverpackt-Laden: In solchen Geschäften können Lebensmittel ohne Verpackung gekauft werden (Symbolbild). (Quelle: imago images/Cord)Ein Unverpackt-Laden: In solchen Geschäften können Lebensmittel ohne Verpackung gekauft werden (Symbolbild). (Quelle: Cord/imago images)

Die Schließung des Ladens nutzte sie heute, um sich in die Thematik rund um Paragraphen und Kassensysteme weiter einzuarbeiten und sich mit ihrem Anwalt und Steuerberater abzustimmen. Sie kümmerte sich aber auch um eine Schülergruppe, die Fragen zu ihrem Geschäft hatte.

Zum Thema Kassenbonpflicht will Lantzen am 1. April eine öffentliche Diskussionsrunde veranstalten. Der Arbeitstitel lautet: "Abrechnung mit dem System". Einladen will sie dazu unter anderem Anwälte, Steuerberater, IT-Experten, den Vorstand des Unverpackt-Ladens sowie Vertreter der Politik. Mit Manfred Todtenhausen von der FDP hat ein Wuppertaler Bundestagsabgeordneter bereits angekündigt, in dieser Woche das Gespräch mit Lantzen zu suchen.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Betreiberin
  • Facebook-Seite "Ohne Wenn & Aber - Unverpacktladen"

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