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Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Politische Ratlosigkeit wegen Corona


Kolumne "Scheuges Talfahrt"
Politische Ratlosigkeit angesichts der Corona-Pandemie


11.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.Vergrößern des Bildes
Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmaliges Thema: Die teils politische Ratlosigkeit, wie mit der Corona-Pandemie umzugehen ist.

An jedem Tag, den der liebe Gott bringt, erfahren wir neue Vorschläge, wie unser Leben demnächst noch ein bisschen mehr eingeschränkt wird. Dass das nötig sein wird, kann sich jeder, der geradeaus – nicht etwa quer – denkt, an wenigen Fingern abzählen. Hilfe kann er dabei kaum erwarten, denn auch die sogenannten Führungskräfte der Bergischen Metropole haben nichts Erhellendes in petto. Der Leiter des Krisenstabes, Johannes Slawig, stellt u.a. fest: "Wir haben keine zusätzlichen Auflagen vorbereitet, die wir jetzt aus der Schublade ziehen können. Ich hoffe daher, dass wir vom Land Vorschläge erhalten." Diese Antwort hätte auch Hennes, der Geißbock vom FC Köln, geben können. Aber ich will dem Bock hier nicht unrecht tun. Natürlich fragt sich der gemeine Bürger, ob die Aussage Slawigs von großer Weitsicht getragen ist. Nichts vorbereitet heißt in der Schule: Sechs, setzen! Aber vielleicht ist das zu kurz gedacht.

Denn der Kämmerer ist zwar die unumstrittene "Lichtgestalt" der Stadt, aber, bis auf den in anderen Städten zuständigen Oberbürgermeister, nicht ganz alleine zuständig. Uwe Schneidewind verbindet ja nur. Damit Slawig nicht alles alleine macht, melden sich jetzt einige wichtige Personen. Zum Beispiel von den Fraktionen der CDU und Bündnis 90/Die Grünen, die in einer Sitzung am 7. Dezember dazu einen Antrag eingebracht haben.

Wuppertaler Christen wollen wieder mitbestimmten

Zunächst einmal ist es sehr schön, wieder ein Lebenszeichen der selbsternannten Vereinsbosse Ludger Kineke und Caroline Lünenschloss zu lesen. Das Dreamteam der Wuppertaler Christen fordert die Übertragung von Angelegenheiten an den Hauptausschuss, explizit in der Corona-Pandemie. Kurz: Sie wollen mitbestimmen. "Uns liegt daran, dass ein demokratisch gewähltes Gremium wichtige Entscheidungen trifft, die mit der epidemischen Lage zusammenhängen."

Spätestens jetzt beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Auch deshalb, weil Ludger Kineke gar nicht vom Bürger demokratisch gewählt wurde. In seinem Wahlkreis war er chancenlos und bekam lediglich als Drittplatzierter die goldene Ananas. Er gewann sein Mandat beim Wichteln über das CDU-Listen-Lotto. Und damit ist seine Forderung sachlich unrichtig. Aber so kurz vor Weihnachten sagen wir mal: Schwamm drüber. Möge in der friedvollen Adventszeit der Geist der Einsicht über ihn kommen.

Ist die Politik noch handlungsfähig?

Dass auch der Grüne Paul Yves Ramette in diesem Zusammenhang irgendetwas fordert, ist sicher dem Kernbündnis geschuldet. "Wir wollen sicherstellen, dass nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Politik handlungsfähig bleibt ..." Das ist jetzt völlig neu. Die Politik im Tal ist handlungsfähig? Den Humor hätte ich Herrn Ramette gar nicht zugetraut. Wie definieren Sie Handlungsfähigkeit, Herr Ramette? Etwa die noble Zustimmung zum Verwaltungsvorschlag, die Gebühren für Außengastronomie auch im kommenden Jahr zu erlassen?

Oder dem ausgesprochen wichtigen Verein Tacheles e.V. die dringend benötigten 6.000 Euro zu verweigern, obwohl Sie und Ihre Mitstreiter im Rat in den letzten Jahren riesige Beträge für Fehlentscheidungen verkimmelt haben. Sozial geht ganz anders, Herr Ramette. Für mehr passende Beispiele reicht die Kapazität meiner Festplatte leider nicht aus.

Was bleibt, ist (Achtung: Wortspiel) Ratlosigkeit. Aber wer wie ich da ratlos ist, dem hilft vielleicht Immanuel Kant, der einst sagte: "Drei Dinge helfen, die Mühseligkeit des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen." Dem schließe ich mich ohne Umschweife an, Ehrenwort!

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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