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Wuppertal: Silvester-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Ein Prosit auf das Corona-Jahr 2020


Kolumne "Scheuges Talfahrt"
Ein Prosit auf das Corona-Jahr 2020


31.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Meinung
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Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.Vergrößern des Bildes
Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmalige Themen: Der Jahreswechsel und das Corona-Krisenjahr.

Nach den coronabedingt einsamen Weihnachtstagen müssen wir Wuppertaler nun doch mehrheitlich weiterleben. Statt unüberbrückbarer Einschnitte ins soziale Leben brachten die besinnlicheren Tage in kleinem Kreise aber auch ungewohnte Ruhe.

Die wahren Probleme indes offenbaren sich erst jetzt. Denn wo und vor allem wie sollen die traditionellen Umtauschaktionen nun stattfinden? Gutscheine von Jochen Schweizer für eine Rodelfahrt auf der Naturbahn in Garmisch-Partenkirchen als Tagestour im engsten Familienkreis mit eigener Anfahrt ohne Unterkunft? Oder ein Gutschein für eine Bergische Kaffeefahrt mit dem Kaiserwagen ohne Räder, die wahlweise ersetzt werden könnte durch eine Cabrio-Busfahrt bei minus zwei Grad und leichtem Schneefall durch Ronsdorf. Hauptsache ein Geschenk.

Bei online bestellten Waren ist der Umtausch deutlich aufwendiger, weil das WLAN "zwischen den Tagen" nicht ganz so gut funktioniert. Und nebenbei laufen noch die Vorbereitungen auf ein "ganz anderes Silvester". Ohne Böller, ohne Großveranstaltungen, ohne Freunde.

Weihnachtsansprache von OB Uwe "Grinsewind"

Dafür aber mit einer grandiosen, exakt 120 Sekunden andauernden Jahreswechselansprache des neuen OB Uwe "Grinsewind". Strahlend wie immer wendet er sich an alle Eingeborenen, um ihnen dafür zu danken, dass sie in diesen schweren Zeiten so viel Solidarität und Kreativität aufgebracht haben. Das mache ihn unendlich stolz. Da habe ich schon ein bisschen geweint. Aber, so mahnte er auch, wir sollen immer darauf achten, dass wir neben der Krisenbewältigung auch den Aufbruch, der in dieser Stadt steckt, im Blick behalten.

Und zack, schon waren die zwei Minuten rum und mein zweites Tempo-Taschentuch vollgeheult. Seit diesem Zeitpunkt paarshippe ich und verliebe mich alle elf Sekunden in unseren neuen OB. Dass nicht er, sondern sein Vorgänger Andreas Mucke den Großteil der pandemischen Krise bis zum November gemanagt hatte, konnte der neu installierte Bürovorsteher Marc Schulz aus Zeitgründen wohl nicht in seine Rede schreiben.

Hin und Her beim CDU-Vorsitz

Auch sonst hatte Wuppertal 2020 vieles zu bieten. Insbesondere die CDU verteidigte aus satirischer Sicht eindrucksvoll ihre unangefochtene Spitzenposition. Bereits zu Beginn des Jahres trat der CDU-Vorsitzende Matthias Nocke "trotz des Vertrauens der Mehrheit des Kreisvorstandes der CDU Wuppertal" wegen eines winzigen Datenklaus widerwillig zurück. Ersetzt wurde er vom ehrwürdigen Dr. Rolf Köster, der dann im Sommer abserviert wurde. Aber nicht etwa von Würstchen Müller, der zur Kommunalwahl vorsichtshalber gar nicht erst aufgestellt war, nachdem er Matthias Nocke im Vorjahr wegen seines Putsches kurzerhand zur Frikadelle verarbeiten wollte. Wir werden ihn sehr vermissen. Danke für alles, Herr Müller.

Neue "CDU-Insolvenzverwaltung" wurde das gemischte Doppel Lünenschloss/Kinecke. Wer hier den Vergleich zu den Trainerwechseln beim WSV sucht, wird nicht enttäuscht. Nur dass der WSV immerhin in der vierten Liga spielt und die Verantwortlichen des Traditionsvereins im Gegensatz zur CDU ihre Insolvenz selber managen dürfen.

Millionenverluste für die Steuerzahler

Es gäbe noch so vieles anzumerken. Zur Erinnerung noch eben eine kurze Zusammenfassung der Highlights 2020: Planungsfehler der Verwaltung bei den Bühnen: 1,5 Millionen Verlust. Millionenschaden am Steinbruch Döppersberg, geschätzte 13 Milliönchen Mehrkosten beim Neubau des AWG-Gebäudes, Millionenschäden bei der Schwebebahn, Millionenabfindungen für unrechtmäßig gekündigte Bedienstete der Stadt. (Wenn Sie, liebe Leser, für jede Million, die 2020 in dieser Stadt auf Ihre Kosten verkimmelt wurde, zu Silvester einen Kurzen trinken würden, müsste wohl der Notarzt kommen.)

Sehr deutlich spürt man hier den Aufbruch, der in der Stadt steckt, Herr Schneidewind. Dennoch, auch Sie haben, wie alle anderen, mindestens 100 Tage Schonfrist. Dann aber, ab dem achten Januar, werden wir Wuppertaler fragen: Ey, watt is?

Um die Wartezeit besser zu ertragen, werden wir zum Jahreswechsel anstoßen, statt zu böllern. Ein Prosit auf eine noch bessere Zukunft und auf Wuppertal. Denn 2021 wird irgendwie alles gut, Ehrenwort.

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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