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R√§ikk√∂nen √ľber Kumpel Vettel: "Mit Sebastian war es enger"

Von dpa
Aktualisiert am 09.12.2021Lesedauer: 6 Min.
Will seinen ehemaligen Ferrari-Kollegen Sebastian Vettel (r) in Zukunft wieder öfter treffen: Kimi Räikkönen.
Will seinen ehemaligen Ferrari-Kollegen Sebastian Vettel (r) in Zukunft wieder öfter treffen: Kimi Räikkönen. (Quelle: Luca Bruno/AP/dpa./dpa)
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Abu Dhabi (dpa) - Kimi R√§ikk√∂nen √ľberzieht. Aus vereinbarten 15 Minuten Interview mit dem finnischen Formel-1-Piloten werden 16,5. Das ist f√ľr den eigenwilligen 42-J√§hrigen ungew√∂hnlich.

Aber zum Ende seiner Karriere l√§sst der Alfa-Romeo-Fahrer seine Wortkargheit vergessen. "Es gibt Leute, die mich m√∂gen, es gibt auch Leute, die mich nicht m√∂gen, das ist v√∂llig okay. Ich bin nicht hier, um mich anzubiedern", sagt das Rennfahrer-Original im Interview der Deutschen Presse-Agentur. R√§ikk√∂nen spricht au√üerdem √ľbers Heimwerken, den Genuss der Planlosigkeit und Badmintonduelle mit Sebastian Vettel.

Herr R√§ikk√∂nen, danke f√ľr Ihre Zeit.

Kimi Räikkönen:Ich habe leider keine andere Wahl, nimms nicht persönlich (lacht).

Wir haben 15 Minuten f√ľr das Interview.

Räikkönen:Hm.

Ich w√ľrde gerne mit Ihnen abgesehen von der Formel 1 √ľber Handwerken und Heimarbeiten sprechen. Zuletzt gab es ein Video von Ihnen, auf dem Sie am Wagen Ihrer Frau Minttu die Reifen gewechselt haben. Als Sie noch bei Ferrari waren, haben Sie 2017 mal die Toilette in der Hospitality repariert.

R√§ikk√∂nen:Ich sehe daran nichts Unnormales. Wir konnten als Kinder viel T√ľfteln, haben Dinge ausprobiert und versucht dazuzulernen. Mein Bruder und ich hatten zuhause die Freiheit, vieles auszuprobieren, zur Schulzeit kamen Autoschraubereien dazu. F√ľr mich w√§re es sogar weniger normal, wenn du sowas nicht k√∂nntest. Es ist ja eine einfache Sache, also zum Beispiel Reifen zu wechseln. Ich wei√ü nicht, warum es so kompliziert sein soll. Ich verstehe, dass viele Leute sich da nicht ran wagen, das ist f√ľr die wiederum normal. In meinem Fall verstehe ich nicht, warum ich jemanden daf√ľr bezahlen sollte (lacht). Es geht ja auch viel schneller so. Du musst den Wagen nirgendwo hinbringen und es dauert auch nur zehn Minuten, das ist ja nix.

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Gibt es irgendetwas, das Sie nicht reparieren können?

Räikkönen:Ich bin mir sicher, dass es da eine Menge Sachen gibt, die ich nicht reparieren kann. Ich versuche es aber jedes Mal zumindest.

Ist es Ihnen wichtig, dass auch Ihre beiden Kinder Robin und Rianna selber etwas reparieren können?

Räikkönen:Ich lasse sie sich ausleben. Es ist wichtig, dass sich Kinder ausprobieren und versuchen können, Dinge selber wieder in Ordnung zu bringen. Sie sollen ihre Hände benutzen, egal ob sie schreiben oder malen oder was auch immer. Vieles im Leben lernst du nur, indem du es selber ausprobierst.

Stehen in Ihrem Haus in Finnland demnächst größere Heimwerken-Projekte an?

R√§ikk√∂nen:Das wei√ü ich noch nicht. In Finnland hat man viel Platz, da kann man sich ausleben. In einem Haus f√§llt auch immer etwas an. Kleinere Sachen kann ich selber √ľbernehmen, bei gr√∂√üeren Sachen kann ich zumindest genau hinschauen, wenn da jemand herumwerkelt.

Ihr ehemaliger Ferrari-Teamkollege und Kumpel Sebastian Vettel hat fr√ľher sehr gerne Badminton gegen Sie gespielt und Ihr K√∂nnen gelobt. Haben Sie ihn jemals gewinnen lassen?

R√§ikk√∂nen:Wir haben schon ein paar Jahre nicht mehr gegeneinander Badminton gespielt. Ich habe fr√ľher sogar ein paar mal versucht, ihn gewinnen zu lassen. Wahrscheinlich besteht sein Plan darin, dass ich so alt werde, dass er mich endlich mal schlagen kann (lacht).

Gehört Vettel zu jenen Menschen aus der Formel 1, mit denen sie auch nach ihrem Karriereende Kontakt halten werden?

R√§ikk√∂nen:Ganz sicher. Fr√ľher haben wir in der Schweiz n√§her beieinander gewohnt und hatten auch zusammen mehr Zeit au√üerhalb des Rennfahrens. Heute leben wir etwas weiter auseinander. Ich habe aber bald mehr Zeit, ich bin sicher, dass wir uns ab und an sehen werden.

Haben Sie die Zeit mit Ihrem Kumpel Sebastian Vettel bei Ferrari besonders genossen?

Räikkönen:Wir hatten eine gute Zeit miteinander, wir kannten uns ja schon zuvor, das macht einiges einfacher. Ich verstehe mich hier mit Antonio (Giovinazzi) auch gut, es war eigentlich mit allen okay, mit Sebastian war es aber enger.

Wissen Sie eigentlich schon, was Sie nach dem Karriereende in der Formel 1 genau machen wollen?

R√§ikk√∂nen:Ich habe keine Pl√§ne und ich mache auch keine Pl√§ne. Das will ich auch so haben. Wir werden sehen, was in der Zukunft passiert. Ich habe mein Leben au√üerhalb der Formel 1 immer als viel wichtiger erachtet als die Formel 1 selbst. Sie verlangt einem viel Zeit ab, die Formel 1 war aber nie das wichtigste in meinem Leben. Irgendwelche Leute fangen schon an mir zu erz√§hlen, dass ich mich langweilen w√ľrde zuhause. Ich antworte: Wenn du so ein schlimmes Zuhause hast und dich selber langweilst, dann solltest du lieber das Haus austauschen oder die Menschen, mit denen du zusammenlebst. Ich habe solche Probleme nicht (lacht). Ich war nie ein Fan vom Reisen. Ich konnte die Woche auch einfach daheim verbringen k√∂nnen, ohne aus dem Haus zugehen.

Machen Sie eigentlich nur mit der Formel 1 Schluss oder √ľberhaupt mit dem Motorsport?

R√§ikk√∂nen:Ich wei√ü es wirklich noch nicht, ehrlich, ich habe da echt keine Pl√§ne. Wenn es etwas Interessantes gibt, mach ich vielleicht noch was, wenn aber nichts kommt, k√ľmmere ich mich vielleicht nur noch um das Go-Kart meines Sohnes, wenn er das m√∂chte. Motocross werde ich aus Spa√ü auf jeden Fall weitermachen, weil ich auch ein eigenes Team habe.

K√∂nnten Sie sich vorstellen, eine Rolle im Management eines Formel-1-Teams zu √ľbernehmen?

Räikkönen:Nein, da steckt zuviel Blödsinn und Politik drin. Ich finde das lächerlich. Aber so ist es eben, es scheint, dass es schlimmer und schlimmer wird.

F√ľhlen Sie sich erleichtert, dass Sie Ihre Formel-1-Karriere beenden?

R√§ikk√∂nen:Ich bin sehr gl√ľcklich. Kommenden Sonntag verlasse ich das Fahrerlager von Abu Dhabi und bin weg. Ich habe das Rennfahren immer genossen - und nur das. Ich war dem Rennfahren vom ersten Tag an gegen√ľber sehr aufgeschlossen, aber es sind in der Formel 1 eben viele Sachen dazugekommen, die nichts mit dem Fahren zu tun haben. Vielleicht werde ich das Rennfahren vermissen, vielleicht aber auch nicht.

Sie sind fr√ľher gegen Michael Schumacher gefahren, in dieser Saison gegen seinen Sohn Mick. Ist Ihnen dabei irgendwann in den Sinn gemacht, dass Sie als Rennfahrer alt geworden sind?

R√§ikk√∂nen:Ich finde das nicht komisch, mir gef√§llt das. Ich bin ja nicht nur gegen Mick und dessen Vater Michael gefahren, sondern auch gegen Jos (Verstappen) und dessen Sohn Max. Ich finde, das ist ziemlich sch√∂n, alt komme ich mir nicht vor. Man kommt sich erst alt vor, wenn man im Kopf alt ist. Ich f√ľhle mich aber nicht alt. Irgendwann kommen sicher kleine k√∂rperliche Beschwerden dazu. Aber jetzt? Ich f√ľhle mich gl√ľcklicherweise normal, alles ist gut.

Als Sie Ihre Karriere begonnen haben, wurde noch nicht alles in der Formel 1 so genau beleuchtet. Hatten Sie als Fahrer damals mehr Freiheiten?

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R√§ikk√∂nen:Waren da mehr Freiheiten? Auf jeden Fall wurden weniger Rennen gefahren, daf√ľr wurde zwischen den Grand Prix mehr getestet. Das Testen war generell immer die h√§rtere Geschichte. Wir haben um neun Uhr begonnen, um 18 Uhr waren wir am Ende, dazwischen eine Stunde Pause. Ein Rennen dauert ja nur knapp zwei Stunden. Die Art der Interviews haben sich sicher auch ge√§ndert, aber die ganze Welt hat sich in diesen 20 Jahren gewandelt.

Sie sind eigen. Vermutlich deshalb gelten Sie auch als eine der beliebtesten Personen im Fahrerlager. Was ist Ihr Geheimnis?

R√§ikk√∂nen:Ehrlich, das ist mir egal. Ich mache Dinge so, wie ich sie f√ľr richtig halte. Der Rest k√ľmmert mich nicht. Jeder lebt sein eigenes Leben und sollte sich nicht dar√ľber Sorgen machen, was ihm andere erz√§hlen. Man kann nat√ľrlich vorgeben jemand anderes zu sein, das geht ein Jahr, vielleicht auch zwei Jahre gut. Auf lange Sicht macht einen das aber kaputt. Die Leute m√∂gen vermutlich, dass ich mich so gebe, wie ich auch tats√§chlich bin. Es gibt Leute, die mich m√∂gen, es gibt auch Leute, die mich nicht m√∂gen, das ist v√∂llig okay. Ich bin nicht hier, um mich anzubiedern. Ich mag auch nicht alle Menschen, die ich treffe. Das ist doch eine ganz normale Geschichte.

Der ehemalige Ferrari-Gesch√§ftsf√ľhrer Louis Camilleri hat Sie einmal daf√ľr gelobt, dass sie einer Toilettenfrau genauso viel Respekt entgegenbringen wie einem Wirtschaftsboss. War Ihnen das wichtig, Menschen gleich zu behandeln?

R√§ikk√∂nen:Ich bin mir sicher, dass ich nicht jeden gleich behandelt habe, weil jeder von uns auch mal Mist baut. Ich habe es aber zumindest versucht, ich habe gegen die meisten Leute auch nichts. Wir reisen viel, wir treffen eine Menge Menschen, aber am Ende f√ľhren wir, also die meisten von uns zumindest, ein normales Leben.

Verkörpern Sie noch am ehesten den Stil der 70er Jahre, als ganz spezielle Charaktere, die auch das Leben sehr genossen haben, die Formel-1-Wagen gesteuert haben?

R√§ikk√∂nen:Ich bin schlie√ülich in den 70ern geboren (lacht). Jeder ist doch anders. Heute fahre ich gegen Jungs, die halb so alt sind wie ich. Das ist eine neue Generation, die werden sich im Laufe ihres Lebens auch ver√§ndern. Wenn ich das Bed√ľrfnis habe, ein Bier zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen, dann mache ich das. Daran ist auch nichts Schlimmes.

ZUR PERSON: Kimi R√§ikk√∂nen (42) feierte 2001 sein Deb√ľt in der Formel 1. Der Finne wurde 2007 Weltmeister - bis heute ist er der letzte Ferrari-Pilot, dem das gelang. Abu Dhabi ist das letzte Rennen des einst als "Iceman" titulierten eigenwilligen Ausnahmefahrers.

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