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EM 2021 | Italien: Roberto Mancini und Gianluca Vialli – ein ganz besonderes Duo


Wenn Freundschaft zum EM-Erfolg führt  

Italienische Gefälligkeit? Niemand sprach es offen aus

09.07.2021, 14:53 Uhr | t-online

EM 2021 | Italien: Roberto Mancini und Gianluca Vialli – ein ganz besonderes Duo. Roberto Mancini (l.) und Gianluca Vialli: Das Duo führte die italienische Nationalmannschaft bis ins EM-Finale 2021. (Quelle: imago images/Gribaudi ImagePhoto)

Roberto Mancini (l.) und Gianluca Vialli: Das Duo führte die italienische Nationalmannschaft bis ins EM-Finale 2021. (Quelle: Gribaudi ImagePhoto/imago images)

Der Zusammenhalt bei den Italienern ist auch in der besonderen Freundschaft von Trainer Roberto Mancini und Assistent Gianluca Vialli begründet. Was als Therapie begann, ist längst eine Erfolgsgeschichte.

Italien ist bei der Fußball-EM bis ins Finale am Sonntag (ab 21 Uhr im Liveticker auf t-online) in London gegen England gestürmt. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Mannschaft: Das ganz besondere Verhältnis von Cheftrainer Roberto Mancini und seinem Assistenten Gianluca Vialli.

In ihrer fast 40 Jahre währenden Männerfreundschaft haben Mancini und Vialli zusammen viel durchgestanden und erreicht. Das gemeinsame Buch der einstigen "Gemelli del Gol", der Tor-Zwillinge, ist da zwar nur eine Randnotiz. Doch in "La bella stagione" (Die schöne Saison) beschreiben sie den Geist von Sampdorias Meistermannschaft von 1991 mit Worten, die eins zu eins auch auf die aktuelle italienische Nationalmannschaft zutreffen.

"Unsere Beziehung geht weit über Freundschaft hinaus", sagt Mancini: "Er ist wie ein Bruder für mich." Daher war es ihm auch ein besonderes Anliegen, Vialli Ende 2019 als Delegationsleiter zur "Squadra Azzurra" zu holen. Niemand sprach es offen aus, aber es war auch eine Gefälligkeit, eine Art Therapie. Vialli hatte ein Jahr zuvor die Schock-Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten.

Im Jahr 1992: Gianluca Vialli (r.) hilft seinem Teamkollegen Roberto Mancini auf. Gemeinsam spielten sie damals für Sampdoria Genua. (Quelle: imago images/Stockhoff)Im Jahr 1992: Gianluca Vialli (r.) hilft seinem Teamkollegen Roberto Mancini auf. Gemeinsam spielten sie damals für Sampdoria Genua. (Quelle: Stockhoff/imago images)

Die monatelange Chemotherapie mergelte den einstigen Sturmtank aus. Um keine mitleidigen Blicke oder Kommentare zu erhalten, "habe ich unter meinem Hemd einen Pullover getragen", verriet Vialli später. Auch seinem Kumpel erzählte er zunächst nichts, Mancini erfuhr erst über Umwege von der Erkrankung. Und der "Fratello" (Bruder) half sofort.

Viallis Arbeit im Nationalteam ist längst mehr als nur ein Gnadenbrot. Als Motivator und Ratgeber vor allem für die Talente im Team hat der frühere Torschützenkönig der Serie A seinen Anteil am Triumphzug. Genau wie damals bei Sampdoria Genua, als der leichtfüßige Mancini und der dynamische Vialli den Provinzklub zu Meisterehren und zum Sieg im Europacup der Pokalsieger (1990) führten, ergänzen sich "Mancio und Luca" auch jetzt perfekt.

Die ungekünstelte "Bromance"

"Zu Mancini, dem hoch geachteten Hirn des Trainerstabs, war nun ein grandioses Kämpferherz gekommen, das einfach immer weiter schlägt - egal, was auch passiert", schrieb das Magazin "11Freunde". Vor allem Vialli sei mit seiner Lebensgeschichte "eine Inspiration für alle", meinte La Repubblica.

Die ungekünstelte "Bromance", die sich in innigen Umarmungen im Jubelrausch widerspiegelt, beflügelt das Team. Mancini und Vialli leben mit ihrer Freundschaft vor, was sie auf dem Platz von ihren Spielern verlangen: bedingungslos zusammenstehen, Widerstände überwinden, an sich glauben. Die Serie von 33 ungeschlagenen Spielen kommt nicht von ungefähr. "Das ist die mannschaftlichste Mannschaft aller Zeiten", sagte der erfahrene Abwehrrecke Leonardo Bonucci.

Die Unbeschwertheit früherer Jahre, als Mancini und Vialli von der Hafenstadt Genua aus oft mit dem Motorboot ins Casino nach Monte Carlo gebrettert waren, ist zwar vorbei. Aber ihre Freundschaft lebt. "Roby sagt, dass wir alt geworden sind", erzählt Vialli, "aber dieses gemeinsame azurblaue Abenteuer hält uns jung."

Vialli gilt medizinisch zwar als krebsfrei, aber er selbst fühlt anders. "Der Krebs ist ein unerwünschter Reisebegleiter, der einfach zu mir in den Zug gestiegen ist", beschreibt es der Glatzkopf. Er müsse "mit gesenktem Kopf weiterfahren" und könne nur hoffen, "dass dieser ungebetene Gast eines Tages müde wird und mich einfach verlässt". Bis dahin heißt es kämpfen, "denn es gibt noch so viele Dinge in diesem Leben, die ich schaffen möchte".

Europameister werden zum Beispiel. Am Sonntag hat er die Chance dazu - dank "Fratello" Mancini.

Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagentur SID

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