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Magnus Carlsen vs. Hans Niemann: Die Bad Boys des Schach


Die Bad Boys des Schach

Von Nils Kögler

21.09.2022Lesedauer: 4 Min.
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Magnus Carlsen: Er löst im Schach eine Kontroverse aus.
Magnus Carlsen: Er löst im Schach eine Kontroverse aus. (Quelle: IMAGO/Sri Loganathan)
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Eine Kontroverse zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Hans Niemann bringt die Schachwelt in Aufruhr. Wer sind die Kontrahenten, die den Skandal auslösten?

Es herrscht große Unruhe in der sonst so ruhigen Welt des Schachsports. Zwischen Weltmeister und Superstar Magnus Carlsen und seinem Kontrahenten Hans Niemann ist ein Streit entbrannt. Der Hintergrund: Nachdem Carlsen bei einem Turnier im US-amerikanischen St. Louis gegen Niemann verloren hatte, zog er sich von dem Turnier zurück, ohne genau zu erklären, warum. Schnell machten Betrugsvorwürfe gegen Niemann die Runde. Teils wilde Spekulationen entbrannten. Unter anderem wurde die Vermutung aufgestellt, Niemann könne mithilfe von Sexspielzeug betrogen haben (mehr dazu lesen Sie hier).

Am vergangenen Montagabend traten die beiden Kontrahenten erneut gegeneinander an – dieses Mal online. Doch nach nur einem Zug klinkte sich Carlsen erneut ohne Erklärung aus der Partie aus. Damit heizte er endgültig eine Kontroverse an, die ihm den guten Ruf kosten könnte. Doch wer sind die beiden Spieler, die die Schachwelt in helle Aufregung versetzen?

Magnus Carlsen: Vom Außenseiter zum Superstar

Magnus Carlsens Geschichte liest sich wie das Drehbuch eines kitschigen Hollywoodstreifens: vom Außenseiter zum Superstar. Den ersten Schritt in diese Richtung machte er mit fünf Jahren, als sein Vater ihm die Schachregeln beibrachte.

Carlsens Eltern hatten früh erkannt, dass ihr Sohn ein außergewöhnliches Gedächtnis besitzt. Dass der Weg seines Sprösslings bis an die Spitze der Schachwelt führen könnte, dürfte Carlsen senior spätestens erkannt haben, als er seinem Sohn am Schachbrett unterlag – da war der junge Magnus gerade einmal acht Jahre alt. Bereits Anfang 2004 im Alter von 13 Jahren wurde Carlsen Großmeister – der höchste vom Weltschachbund Fide vergebene Rang. Im selben Alter trat Carlsen bereits gegen Schach-Legende Garri Kasparow an.

Magnus Carlsen (Archivbild, 2004): Mit 13 Jahren wurde der Norweger Großmeister, trat daraufhin für die Schachfreunde Neukölln in der Schach-Bundesliga an.
Magnus Carlsen (Archivbild, 2004): Mit 13 Jahren wurde der Norweger Großmeister, trat daraufhin für die Schachfreunde Neukölln in der Schach-Bundesliga an.

Dass seine Gabe gelegentlich auch ein Fluch ist, daraus macht das Schach-Ass kein Geheimnis. In der Filmbiografie "Magnus – Der Mozart des Schachs" gibt Carlsen offen zu, dass er in jungen Jahren häufig ein Außenseiter war, von seinen Altersgenossen skeptisch beäugt wurde. Auch heute kämpfe er noch mit "inneren Dämonen".

Dabei ist Carlsen mittlerweile alles andere als ein Außenseiter. Im November 2013 sicherte er sich gegen Titelverteidiger Viswanathan Anand den Weltmeistertitel. Mit dem großen Erfolg kurz vor seinem 23. Geburtstag wurde er nach Kasparow zum zweitjüngsten Weltmeister der Geschichte. Seither verteidigte der Norweger den Titel viermal – 2014, 2016, 2018 und 2021.

Carlsen ist längst der Superstar der Schach-Szene. In seinem Heimatland Norwegen ist er eine gefeierte Ikone. Modemarken engagierten ihn als Werbegesicht. Mit Preisgeldern und Sponsoringverträgen verdient er Millionen – die er in großen Teilen in den Aufbau seiner Marke "Play Magnus" investiert.

Titelverteidigung? Kein Bock

Die nächste Titelverteidigung steht für Carlsen im nächsten Jahr an. Zumindest würde sie dann anstehen. Doch der 31-Jährige gab bereits bekannt, dass er nicht mehr antreten will. "Mir fehlt für einen weiteren Titelkampf die Motivation", ließ er in einem Podcast-Auftritt wissen.

Bereits bei seinem letzten Titelkampf im Dezember 2021 hatte der Norweger angedeutet, nur gegen das französisch-iranische Wunderkind Alireza Firouzja antreten zu wollen. Doch bei dem Kandidatenturnier setzte sich sein Gegner aus dem vergangenen Jahr, der Russe Jan Nepomnjaschtschi, durch. Für Carlsen offenbar zu langweilig. Bereits für dieses Verhalten sammelte er Kritik. Arroganz und Respektlosigkeit lauteten die Vorwürfe. Sein Umgang mit Niemann lässt die Stimmung gegen Carlsen wohl endgültig kippen.

Hans Niemann: Schnelle Fortschritt, dann Stagnation

Die Karriere des Mannes, der so arg am Image des Schachweltmeisters kratzt, verlief deutlich weniger geradlinig. Hans Niemann lernte das Schachspielen erst mit acht Jahren. Zu sehr begeisterte den US-Amerikaner das Radfahren – eine Sportart, in der er in Kindheitstagen zu den besten seiner Altersklassen gehörte. Mit zehn Jahren gab er das Radfahren auf und widmete sich voll dem Schachsport.

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Schnell machte Niemann Fortschritte, verbesserte sein Elo-Ranking in großen Schritten. Doch plötzlich begann er zu stagnieren, konzentrierte sich vermehrt auf die Schule und gab mit Beginn der Highschool seinen Traum von einer Karriere als Schachprofi auf.

Als er 2019 begann, sich als Schachlehrer zu betätigen, entdeckte er seine Leidenschaft für das Spiel zurück, stürzte sich in Onlineduelle. Mit Übertragungen auf der Streaming-Plattform Twitch gewann er kontinuierlich an Bekanntheit dazu. Im vergangenen Jahr wurde er schließlich zum Großmeister ernannt.

Er hat bereits betrogen

Unbescholten ist Niemann jedoch nicht. Im Rahmen des aktuellen Konflikts mit Carlsen sah er sich gezwungen zuzugeben, dass er in jungen Jahren betrogen habe. "Ich habe bei zufälligen Partien auf 'chess.com' betrogen. Ich wurde damit konfrontiert. Ich habe gestanden. Und das ist der größte Fehler meines Lebens", erklärte der 19-Jährige.

Im aktuellen Fall beteuert Niemann jedoch, sauber zu sein. "Wenn sie wollen, dass ich mich völlig nackt ausziehe, werde ich es tun. Denn ich weiß, dass ich sauber bin", sagte er.

Der Druck auf Carlsen, eine stichhaltige Begründung für sein Verhalten zu liefern, wird also immer größer. Sein Image bekommt auch aufgrund Niemanns Schritt in die Offensive Risse. Der Popstar des Schachs droht wieder zum Außenseiter zu werden. Die skeptischen Blicke von damals – sie sind jetzt schon zurück.

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Verwendete Quellen
  • spiegel.de: "Sag doch was!", kostenpflichtig
  • augsburger-allgemeine.de: "Magnus Carlsen: Der Popstar unter den Schachspielern"
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