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Jan Ullrich: Ex-Radstar gesteht erstmals öffentlich Doping


Wirbel um Jan Ullrich: Ex-Radstar gesteht erstmals Doping

Von t-online, sid
Aktualisiert am 22.11.2023Lesedauer: 3 Min.
imago images 0366650876Vergrößern des BildesJan Ullrich am Mittwoch vor dem Plakat zur Doku "Jan Ullrich – Der Gejagte" in München. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON/imago)
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Jan Ullrich bricht sein Schweigen. Nach jahrelangem Versteckspiel bekennt sich der einzige deutsche Tour-Sieger klar zu seiner Doping-Vergangenheit.

Nach vielen Jahren des Schweigens hat sich Jan Ullrich endlich aus der Deckung gewagt – und auf den Punkt gebracht: "Ja, ich habe gedopt", sagte der gefallene und wieder aufgestandene deutsche Radstar am Mittwochabend. Mit diesen vier Worten räumte der 49-Jährige endgültig mit seiner Lebenslüge auf und bekennt sich erstmals klar zu seiner Dopingvergangenheit.

"Wenn ich meine Geschichte erzählt hätte, hätte ich viele schöne Jahre gewinnen können. Ich hatte die Eier nicht. Es tut total gut, es auszusprechen", führte Ullrich bei der Podiumsdiskussion am Rande der Vorstellung der Dokumentarserie "Jan Ullrich – Der Gejagte" (ab 28. November/Prime Video) aus. Und dennoch habe er sich "schuldig gemacht".

"Bei mir ging es 1996 los"

Systematischer Betrug im Team Telekom, Eigenblutmanipulation ab 2003 – Jan Ullrich will nicht mehr schweigen. "Bei mir ging es 1996 los", hatte der einzige deutsche Tour-Champion zuvor dem SID gesagt.

Die Neunzigerjahre waren eine andere Zeit. Doping wurde im Peloton flächendeckend betrieben. Epo war das im Radsport bevorzugte Mittel der Wahl, eine direkte Nachweismethode gab es noch nicht. Ullrich wurde 1995 zum Profi, und er merkte schnell, dass Talent allein nicht reichte. Im Magenta-Trikot der Telekom-Mannschaft bog Ullrich auf einen gefährlichen Weg ab.

"Zu wissen, dass man sonst von vornherein keine Chance hat, das war das Schwerste", sagte Ullrich: "Weil ich ein fairer Mensch bin, ging es mir nie darum, jemanden zu betrügen oder sich einen Vorteil zu verschaffen." Ullrich spricht von Chancengleichheit.

"Da wurde mir dann Dr. Fuentes empfohlen"

Das System funktionierte. 1996 wurde Ullrich als Edelhelfer des dänischen Gesamtsiegers Bjarne Riis Tour-Zweiter, ein Jahr später war der gebürtige Rostocker ganz oben angekommen. Als erster Deutscher gewann er die Frankreich-Rundfahrt. Es blieb sein einziger Triumph in Gelb. Noch viermal wurde er Zweiter, 2003 hatte er seinen Dauerrivalen Lance Armstrong fast besiegt.

So wie Armstrong hatte Ullrich sein Doping-Repertoire da schon erweitert. Der neueste Trend? Eigenblutdoping. Im Sommer jenes Jahres überschritt er erstmals die nächste Grenze. "Ich wollte gerne gewinnen und an meine Erfolge anschließen. Ich hatte damals ein neues Team, und da wurde mir dann Dr. Fuentes empfohlen – so bin ich da gelandet", sagte Ullrich.

Gesundheitliche Bedenken hatte er nicht, "weil alles medizinisch kontrolliert war. Letztendlich war es mein eigenes Blut, was ich mir abnehmen lasse – etwas Natürliches. Unter medizinischer Aufsicht hatte ich keine Angst."

"Über Nacht wurde der Boden weggerissen"

2006 platzte die Doping-Blase. Wegen Verbindungen zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurde Ullrich von der Tour de France ausgeschlossen. Das Team T-Mobile suspendierte ihn. "Der Radsport war praktisch alles für mich. Und dann wurde über Nacht der Boden weggerissen", sagte Ullrich.

Der krachende Absturz hinterließ tiefe seelische Wunden. Dass er sich über Jahre entschieden hatte, nicht offen über seine Vergehen zu sprechen, vergrößerte sein mentales Leid. Ullrich trank, nahm Drogen, verlor den Halt. Die Lebenskrise brachte ihn fast um. Den Tiefpunkt hat er hinter sich gelassen. "Ich bin gesund, stehe wieder mit beiden Beinen im Leben und habe meine Mitte gefunden", sagte Ullrich.

Rückkehr in den Profi-Radsport?

Das klare Aufräumen mit der Vergangenheit erweist sich als wohltuende Therapie. "Es ist leichter geworden", sagte Ullrich, der in der vierteiligen Dokumentarserie "Jan Ullrich – Der Gejagte" auf der Streamingplattform Amazon Prime Video (ab 28. November) tiefe Einblicke gewährt.

Für die Zukunft könnte sich Ullrich auch eine aktive Rolle im Profi-Radsport vorstellen. "Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich die Chance wahrnehmen, weil auf diesem Gebiet bin ich irgendwo auch Meister und fühle mich nach wie vor wohl", sagte Ullrich: "Ich liebe diesen Sport einfach und er wird mich mein ganzes Leben lang prägen."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur SID
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