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Til Schweiger im Interview zu "Lieber Kurt": "Mir hilft es zu heulen"


"Das ist meine Urangst als Vater"

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 16.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Familientreffen bei der Premiere von "Lieber Kurt" in Hamburg: Til Schweiger mit seinen Töchtern Emma (l.) und Luna Schweiger (r.).
Familientreffen bei der Premiere von "Lieber Kurt" in Hamburg: Til Schweiger mit seinen Töchtern Emma (l.) und Luna Schweiger (r.). (Quelle: IMAGO / Future Image)
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Wie soll man als Vater mit dem Tod des eigenen Kindes umgehen? Til Schweiger versucht darauf in seinem Film und im Interview mit t-online eine Antwort zu finden.

Zuletzt stand Schauspieler Til Schweiger besonders wegen des zweiten Teils der Kultkomödie "Manta Manta" in den Schlagzeilen, welchen er gerade abgedreht hat. Doch der Hamburger kann auch anders. In der gleichnamigen Verfilmung von "Lieber Kurt", einem Roman von Sarah Kuttner, geht der 58-Jährige ein sensibles Thema an: den plötzlichen Tod des eigenen Kindes und die Trauer, die aus diesem Schicksalsschlag entsteht.

Til Schweiger hat selbst vier Kinder – Valentin, Luna, Lilli und Emma – und kennt die Angst um den eigenen Nachwuchs. Das verrät er, als t-online ihn und seine Schauspielpartnerin Franziska Machens in einem Berliner Hotel zum Interview trifft. Die beiden nehmen auf der geräumigen Couch des Zimmers Platz, scherzen zunächst noch ein bisschen miteinander. Doch dann geht es nur noch um Tränen, Tod und Theater.

Franziska Machens und Til Schweiger.
Franziska Machens und Til Schweiger. (Quelle: IMAGO / Future Image)
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t-online: Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Til Schweiger: Ich weine relativ häufig. Das reicht schon, wenn ich an einen geliebten Menschen denke, der von uns gegangen ist.

Können Sie gut mit Trauer umgehen?

Franziska Machens: Ja, ich glaube schon. Ich habe mal gehört, wie mein Vater jemandem, der eine nahestehende Person verlor, geraten hat: "Und jetzt heul, was das Zeug hält". Das fand ich gut.

Schweiger: Mir hilft es zu heulen und mit Leuten über meine Gefühle zu sprechen. Ich bin jemand, der seine Trauer teilt. Für solche Gespräche hat man eigentlich auch seine Freunde.

Ich habe den Eindruck, dass sich in den letzten Jahren viel getan hat und auch Männer immer offener über Gefühle wie Trauer sprechen dürfen.

Schweiger: Ja, ich glaube auch, dass das so ist. Für viele Männer gibt es aber noch immer diesen Gesichtsverlust. Ich kenne viele Menschen, die wollen nicht weinen, weil sie denken, dass das nicht akzeptiert sei. Am Ende muss jeder selbst entscheiden, wie er mit seiner Trauer umgeht.

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"Lieber Kurt" thematisiert die größte Angst von Eltern, den Tod des eigenen Kindes. Das ist schon heftiger Stoff, oder?

Machens: Schon, aber gerade deshalb war ich von dem Roman ganz begeistert. Das Drehbuch, welches in einigen Punkten vom Buch abweicht, ist gleichermaßen toll.

Schweiger: Ich habe den Roman von Sarah Kuttner gelesen und der hat mich tief beeindruckt. Das ist meine Urangst als vierfacher Vater. Ich denke, so geht es allen Eltern. Trotzdem habe ich noch nie einen Film darüber gesehen. Den Tod eines Kindes und die Trauer der Hinterbliebenen zu verfilmen, gleicht einem Tabu. Und ich möchte dieses Tabu brechen. Da war einfach dieses Gefühl, diesen Film machen zu müssen.

Kann man dies denn überhaupt enttabuisieren?

Schweiger: Ich hoffe das. "Honig im Kopf" hat die Krankheit Demenz ein kleines Stückchen aus der Tabu-Ecke geholt. Das haben mir Hunderte oder gar Tausende Zuschriften von Ärzten, Altenpflegern oder Familienangehörigen gezeigt. Die Essenz war: "Mensch, wenn ich den Film vorher gesehen hätte, wäre ich anders mit meiner Oma umgegangen". Wenn uns das mit "Lieber Kurt" gelingen sollte, würde mich das natürlich freuen.

Dabei ist Trauer etwas sehr Individuelles. Gibt es denn etwas, was jeder im Umgang mit Trauernden beachten sollte?

Schweiger: Ich hoffe, man kann aus dem Film mehr Verständnis mitnehmen. Das meine ich überhaupt nicht negativ, aber es ist unheimlich schwer, mit einem Trauernden umzugehen. Ich denke aber, dass es schön ist, jemandem zu zeigen, dass man für ihn da ist. Das Schöne und das Furchtbare liegen oft so nah beieinander. Man sollte aus schönen Momenten eigentlich viel mehr mitnehmen, als man das in der Regel tut.

Machens: Was mir so gut gefällt ist, dass der Film keine Moral hat. Jeder muss seine Trauer so verarbeiten können, wie er es braucht. Da gibt es keinen Weg, der für jeden richtig ist.

Sie sagten vorhin, dass der Verlust der Kinder Ihre Urangst sei. Ihre vier Kinder sind mittlerweile erwachsen. Wird die Sorge dadurch langsam kleiner?

Schweiger: Nicht so wirklich, denn es gibt viele Eltern, die ihre Kinder im Erwachsenenalter verlieren. Ich glaube, es ist kein Unterschied, ob du dein Kind als Baby oder Erwachsener verlierst. Der Schmerz ist immer schlimm. Das Kind geht vor dem Erwachsenen, und das ist in der Natur nicht vorgesehen.

Wie drücken sich diese Sorgen bei Ihnen heute noch aus?

Schweiger: Ich mache mein Handy nachts immer auf Flugmodus. Wenn ich am Morgen beispielsweise drei verpasste Anrufe von einem meiner Kinder habe, dann kriege ich als Vater erhöhten Puls.

Wussten Sie sofort beim Lesen des Romans, dass Sie daraus einen Film machen wollen?

Schweiger: Ja. Ich habe das Buch gelesen und habe zum ersten Mal in meinem Leben mein Team gebeten zu checken, ob die Filmrechte schon weg sind. Normalerweise gibt es Produzenten, die nichts anderes machen, als die Bestsellerlisten durchzugehen und sich Filmrechte zu sichern. Ob daraus was wird oder nicht – egal. Hauptsache, man hat die Rechte.

Die von "Lieber Kurt" hatte trotz des Erfolgs des Romans aber noch niemand?

Schweiger: Es gab schon Gespräche mit anderen Produzenten. Sarah Kuttner hat entschieden, dass wenn ich den Film machen möchte, solle ich ihn machen. Bis aus dem Roman ein Drehbuch wurde, hat es fast ein Jahr gedauert. Wir wollten eigentlich im März 2020 drehen, doch dann kam der Lockdown. Dann hat sich alles um noch ein Jahr verzögert und ich hatte ein bisschen Angst, ob Franziska überhaupt verfügbar ist, weil sie so viel am Theater spielt.

Franziska, "Lieber Kurt" ist Ihr erster Kinofilm. Was sind Ihre Erwartungen, was aus diesem Projekt entstehen könnte? Til-Schweiger-Filme sehen erfahrungsgemäß ja viele Menschen.

Machens: Ich empfinde einfach nur große Freude und Dankbarkeit im Vorfeld. Natürlich ist es super für mich, dabei zu sein. Denn die meisten Caster gehen nicht ins Theater. Und natürlich ist da auch die Hoffnung, dass mich jetzt mehr Leute kennen, weil es mir sehr viel Spaß macht zu drehen.

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Also mehr Film, weniger Theater.

Machens: Ja, das wäre schon schön. Aber ich glaube, ich könnte das Theaterspielen nie ganz sein lassen.

Til, nach dem Dreh zu "Lieber Kurt" arbeiteten Sie auch an "Manta Manta 2". Fällt Ihnen der Übergang vom Drama zur Komödie eigentlich leicht?

Schweiger: Eigentlich kann ich immer gut mit Projekten abschließen. Dieses Mal ging es noch besser, weil ich zwischendrin noch einen Film gedreht habe, "Der Anfang vom Ende". Da hat Franziska übrigens auch mitgespielt und zeigt auf ganz wunderbare Weise, dass sie auch richtig gutes Comedy-Timing hat. "Manta Manta" ist in erster Linie natürlich eine sehr temporeiche Komödie, aber auch ein Film, der mal wieder Liebe und Familie behandelt. Das wird eine gute Mischung aus Komödie und Family-Movie.

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Verwendete Quellen
  • Eigenes Interview
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Von David Digili
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