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Florian David Fitz: "Kinder definieren, was männlich und weiblich bedeutet"


"Das sieht jeder ein – außer Arschlöcher"

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 23.12.2022Lesedauer: 4 Min.
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

Florian David Fitz: Im Gespräch mit t-online spricht er offen über Herausforderungen von Eltern und Alice Schwarzer als Inspiration. (Quelle: t-online)
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Homosexualität, Transgender und Diversität sind akzeptierter, als die Debatten darüber vermuten lassen, sagt Florian David Fitz. Seine 93-jährige Oma sei dafür ein gutes Beispiel.

Es ist ein sensibles Thema, an das sich der Schauspieler und Drehbuchautor Florian David Fitz in seinem neuen Film "Oskars Kleid" (Kinostart: 22. Dezember 2022) getraut hat: Es geht um einen Schuljungen, der sich als Mädchen versteht, und darum, was das bei seinem Vater Ben (gespielt von Fitz) auslöst. Ein Film also über Transgender.

Im Interview mit t-online erzählt der 48-jährige Fitz, welcher Zufall ihn zur Filmidee inspiriert hat, warum Deutschland entspannter ist, als viele meinen, und was er selbst über die Genderdebatte denkt.

t-online: Transgender und Diversität sind Themen, die viele Menschen – gerade in den sozialen Medien – triggern. Können Sie das nachvollziehen?

Florian David Fitz: Ich glaube, was viele aufregt, ist nicht die Thematik, sondern die Art, wie Debatten darüber geführt werden.

Was genau meinen Sie damit?

Ich habe das Gefühl, dass der Großteil der Menschen immer offener geworden ist. Wenn man 20 oder 40 Jahre zurückblickt, waren wir noch eine andere Gesellschaft. Meine Oma ist 93 und zuckt mit keiner Wimper, wenn sie ein schwules Pärchen sieht, weil sie es so oft in ihrer Daily Soap gesehen hat. Die Deutschen sind doch mittlerweile ziemlich entspannt.

Trotzdem wird darüber heftig gestritten.

Ich finde, wir streiten, weil sich die Debatte dank unserer digitalen Echokammern, wo wir alle immer wieder in unseren Meinungen bestärkt werden, ziemlich ideologisiert hat. Und zwar in beiden Richtungen. Ich habe die Hoffnung, dass wir uns im Großen und Ganzen einig sind darüber, dass jeder Mensch autonom über sich entscheiden möchte und sich eine gewisse Sensibilität und Respekt wünscht. Das sieht doch jeder ein – außer große Arschlöcher.

Aber gerade die machen in den sozialen Medien den größten Lärm.

Das ist die Logik der größten Aufmerksamkeit. Und nach dieser funktioniert das Netz, aber auch unsere Medien, bis zu einem gewissen Grad. Wer "Skandal" schreit, Aggressionen weckt und Hass schürt, wird belohnt. Da hilft uns nur ein gerüttelt Maß an Besonnenheit. Wir lieben es halt, uns aufzuregen.

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Um dieses sensible Thema dreht sich auch Ihr neuer Film "Oskars Kleid": Ein Junge, der sich als Mädchen fühlt. Wieso dieses Thema?

Ich bin zufällig auf ein Foto gestoßen und dachte, das wäre ein perfektes Ende für einen Film, und ich würde mir gerne ausdenken, wie es dazu gekommen ist. Was macht ein einfacher Streifenpolizist, wenn sein Junge plötzlich ein Kleid trägt und es nicht mehr auszieht. Und unversehens in große Fragen reinstolpert, von denen er nicht mal geträumt hat.

Wie haben Sie sich auf diesen Film vorbereitet?

Wir waren bei einer Selbsthilfegruppe und haben mit vielen Eltern gesprochen, deren Kinder Ähnliches durchleben. Diese Eltern waren eher progressiv und wollten sich mit der Thematik befassen. Menschen, die damit ein massives Problem haben, hätten wir dort nicht getroffen.

Wie haben die Eltern reagiert, als ihnen klar wurde, dass ihr Kind transgender ist?

Selbst die, die sagen, dass sie damit total cool umgehen, müssen das erst einmal verdauen. Eine Mutter, die ich in dieser Gruppe kennengelernt habe, sagte zu mir: "Du musst das Kind, das du kennengelernt hast, begraben." Man bekommt sozusagen ein neues Kind.

Was erzählten Eltern darüber, wie sich die Identitätsfindung bei Kindern bemerkbar macht?

Die Kinder geben sich einen neuen Namen, der zum neuen Geschlecht passt. Außerdem werden oft alte Bilder abgehängt. Diese Kinder wollen ihr altes Ich nicht mehr sehen. Und das ist oft auch sehr schmerzhaft für die Eltern. Manche erleben das wie eine Art Trauma.

Inwiefern?

Die Eltern müssen das erst einmal verarbeiten. Sie wollen das Beste für ihr Kind, aber sie müssen auch Abschied von einer Vorstellung nehmen, die sie von ihrem Kind haben.

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Reagieren Mütter anders als Väter?

Das Stereotyp ist, dass die Mütter offener sind als die Väter.

Und, ist das wirklich nur ein Stereotyp?

Nein, absolut nicht. Aber es ist trotzdem sehr individuell. Ich habe eine Doku gesehen, deren Geschichte auch meinen Film beeinflusst hat. Die Eltern waren geschieden und der Sohn wohnte bei der Mutter. Er identifizierte sich als Mädchen und hatte sich einen neuen Namen gegeben. Wenn das Kind aber beim Vater war, dann war es noch immer der Junge. Als Zuschauer hatte ich sofort das Gefühl, dass der Vater ein Vollidiot und Tyrann ist, der doch sein Kind so akzeptieren muss, wie es sich selbst sieht. Witzigerweise hat sich das Kind in der Doku ein Jahr später umentschieden und der Vater hatte recht. Das Leben ist halt unberechenbar. Man kann nur offen bleiben und sein Kind lieb haben.

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Sie sind selbst Vater. Haben Sie durch dieses Filmprojekt etwas für die Erziehung Ihres eigenen Kindes gelernt?

Na ja, man kann sich viel vornehmen. Das sind ja kleine, eigenständige Menschen. Die kann man sich nicht einfach zurechtdengeln. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Früher waren Sprüche wie "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" oder "Jungs weinen nicht" recht geläufig. Heute denken wir anders über Erziehung. Sollten sich Eltern noch mehr von klassischen Geschlechterbildern verabschieden?

Ich finde es interessant, dass so viel als männliche und weibliche Norm definiert ist, und wir uns gleichzeitig davon nun befreien wollen. Ein Transkind, welches beispielsweise als Junge geboren wurde, sagt doch auch ganz klar: "Ich bin ein Mädchen." Diese Kinder können genau definieren, was männlich und weiblich für sie bedeutet. Es gibt diese Attribute nun einmal. Wir sind ja nicht freischwebend. Wir können diese Begriffe sehr wohl hinterfragen und sind ja nicht an sie gebunden.

Also sind klassische Rollenbilder gar nicht so schlecht?

Dass es diese Schubladen gibt, hat bestimmt einen Sinn. Sie bieten Schutz, aber gleichzeitig können sie uns auch einsperren. Sich überhaupt nicht zu definieren, ist unglaublich anstrengend, man braucht ja auch etwas, gegen das man sich definieren kann. Ich beobachte auch nicht, dass Schubladen verschwinden, eher dass sie sich multiplizieren und es heute viele, viele Unterschubladen gibt. Im Grunde könnte man diese ganze Debatte damit beenden, dass wir alle Menschen sind. Aber vielleicht wäre das langweilig. Oder?

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Verwendete Quellen
  • Eigenes Interview mit Florian David Fitz
  • instagram.com: Profil von florian.david.fitz
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Von Maria Bode
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