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Interview mit Christoph Maria Herbst

t-online, mth

Aktualisiert am 18.02.2014Lesedauer: 6 Min.
Christoph Maria Herbst im Interview: "Würde mich schämen, wenn wir so viele Zuschauer hätten wie 'Fack ju, Göhte'"
Kultrolle: Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg (Quelle: NFP)
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T-Online.de: Was ist das fĂĽr ein GefĂĽhl, wenn die Fans den eigenen Film mitfinanziert haben? Entsteht da ein besonderer Druck?

Christoph Maria Herbst: Den Druck hat in erster Linie Ralf Husmann als Produzent und Autor wahrgenommen. Aber das ist gut ausgegangen, weil er nur unter Druck arbeiten kann. Erst als wir innerhalb von sechs Tagen diese Eins mit den sechs Nullen generiert hatten, hat er sich hingesetzt und das Kino-Drehbuch geschrieben. Für mich undenkbar. Ich bin zwar auch jemand, der unter Druck nicht versagt, aber das ist jetzt nicht die wesentlichste Maxime meines Handelns. In der Realität der einzelnen Drehtage habe ich aber keinen Druck gespürt. Da habe ich genauso meinen Job gemacht und Bernd Stromberg gespielt, wie ich das bei der TV-Serie auch mache. Und da spreche ich für das ganze Team. Wir waren genauso detailversessen und haben dieselbe Menge Herzblut in die Proben und unsere Figuren gepumpt wie immer. Alles andere wäre aber auch schlimm. Denn das würde ja bedeuten, dass man sich fürs Fernsehen nicht wirklich anstrengt, fürs Kino aber schon. Ich habe das Geld der Fans nicht nur als Finanz-, sondern auch als Motivationsspritze verstanden. Denn so etwas hat es im deutschen Kino noch überhaupt nicht gegeben, dass innerhalb eines Crowd-Investings eine Million Euro zusammenkommt. Das war für uns alle natürlich eine Steilvorlage.

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Und Sie legen sich ja auch persönlich bei der Promotour gerade ordentlich ins Zeug. Ist das eine Art Rückzahlung an die Treue der Fans?

(lacht) Ein schöner Gedanke. Wenn der sich beim Fan einstellt, dann hätte ich sicher nichts dagegen. Der Fan soll schon sehen, dass wir seine 50 Euro, seine 100 Euro – wir haben sogar Einzahlungen über 1000 oder 5000 Euro bekommen – wertschätzen und seriös und umsichtig damit umgehen. Was bestimmt nicht jede Bank so täte. Da ist also "Stromberg“ schon die sicherere Bank als der ein oder andere Bundeschatzbrief.

Eine solche Aktion setzt ja eine kultige Verehrung ihrer Figur und der ganzen Serie voraus. Können Sie in zwei Sätzen das Erfolgsrezept von "Stromberg“ zusammenfassen?

Puh, das ist in zwei Sätzen natürlich sehr schwer. Wir haben vieles richtig gemacht, in dem wir nie den Fehler gemacht haben zu sagen, wir machen pro Staffel 24 Folgen und jedes Jahr eine Staffel. Da hätten viele Zuschauer gesagt: "Boah, ich kann diesen Glatzkopf einfach nicht mehr ertragen.“ Oder: "Denen fällt ja auch nichts mehr ein.“ Wir haben wohl dosiert und sind alle zwei Jahre mit einer kleinen Staffel von sechs oder acht Folgen an den Start gegangen. Und so haben sich auch sowohl eine "Bild“-Zeitung als auch eine "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ einvernehmlich darauf gefreut. Und das erlebt man im deutschen Fernsehen nicht allzu häufig. Dann haben wir alles richtig gemacht, indem wir uns immer treu geblieben sind. Wir haben nie auf die Einschaltquote geschaut oder versucht, uns an ein breiter aufgestelltes Publikum heranzuwanzen, indem wir populistischer werden, Wir sind genauso schräg und nischig geblieben, wie wir das wollten. Das hat dem Format gut getan und die Treue der Fans gefestigt. Und zum dritten haben wir dadurch alles richtig gemacht, dass die Bücher nie an Niveau verloren haben, woran ja so manche Serie im deutschen Fernsehen krankt. Wir haben fünf Staffeln abgeliefert und zu jeder einzelnen kann ich stehen.

Sie haben im Interview mit dem "Spiegel“ auch gesagt, dass sich viele Menschen in den Figuren ihrer Serie wiedererkennen können. Ist das ein weiterer Faktor für den Erfolg von "Stromberg“?

Es ist vielleicht noch ein vierter Punkt, dass wir unterschiedlichste Menschen an unterschiedlichsten Punkten abholen. Viele Jugendliche freuen sich einfach an diesem politisch unkorrekten Opa oder zitieren einfach nur seine unkorrekten Sprüche wie "man sollte den Arsch nicht höher hängen als man scheißen kann“ oder jetzt im Kinofilm "nur weil die Frau scheiße aussieht, muss sie noch lange nicht intelligent sein“. Andere mögen sich vielleicht selbst oder ihren Chef wiedererkennen und freuen sich daran, dass es so schlimm bei ihnen selbst dann doch wieder nicht ist. Aber die allermeisten können "Stromberg“ glaube ich sogar gerade deswegen nicht schauen, weil sie sich selbst zu sehr gespiegelt sehen.

In der deutschen Comedy-Landschaft war "Stromberg“ mit diesem satirischen, scharfsinnigen und manchmal bösen Humor schon eine Ausnahme. Wer übernimmt denn jetzt zwischen Mario Barth und den Matthias-Schweighöfer-Filmen ihren Part?

Was das Feld der Humorfachleute angeht, sind wir doch sehr breit aufgestellt. Das ist für jeden etwas dabei. Es muss einem ja nicht immer alles gefallen. Ich persönlich gucke die "heute-show“ zum Beispiel wahnsinnig gerne. Die ist böse, die ist satirisch, die ist aktuell, den Humor mag ich, der ist mir nicht fremd. Da könnte auch ein Ralf Husmann mitgeschrieben haben, was er aber nicht hat. Die schließen schon eine Lücke, die der Weggang von Harald Schmidt und eben auch der von "Stromberg“ hinterlassen haben. Ansonsten kann man auch mal ins deutschsprachige Ausland schauen, wo man so Perlen wie "Braunschlag“ findet.

Badesalz haben mal in einem Interview gesagt, Humor abseits des Mainstreams müsse man selbst finanzieren, da einem anderenfalls alle reinreden und den Inhalt verwässern. Können Sie dem zustimmen?

Ich glaube, man kann auch im Mainstream prima Sachen produzieren. Wollen wir uns mal nichts vormachen, "Stromberg“ ist ja auch irgendwie Mainstream. Wir liefen mit fünf Staffeln auf ProSieben, und das ist ja nicht gerade eine Nischensender. Da haben wir es aber von Anfang an geschafft, dass uns keiner reinquatscht, sondern es immer geil fand, was wir da gemacht haben. Wir hatten einfach viel Glück, dass die richtigen Menschen auf den richtigen Plätzen saßen. Ich würde mich aber schon schämen, wenn "Stromberg – Der Film“ so viele Zuschauer hätte wie "Fack ju, Göhte“. Dann hätten wir irgendwas falsch gemacht. Das darf ich jetzt meinem Verleiher natürlich nicht sagen, denn der würde sich einfach nur freuen, wenn es so wäre. Und ich glaube, meine Scham wäre dann auch nicht so unglaublich groß, dass ich nicht mehr in den Spiegel schauen könnte. Wir haben uns bei "Stromberg – Der Film“ natürlich auch dadurch ein Stück Freiheit bewahrt, dass wir den Fan dazu eingeladen haben sich hier zu beteiligen. Und der Fan hat uns mit seiner einen Million, was in unserem Gesamtbudget ein erklecklicher Betrag ist, eben nicht reingequatscht, sondern zu verstehen gegeben: Macht es bitte genauso, wie wir es gewohnt sind. Und ich glaube, das ist uns auch gelungen. Denn wir haben jetzt nicht versucht, nur weil es auf der Leinwand spielt, alles neu zu erfinden, irgendwelche Autos explodieren zu lassen oder in einer Nebenrolle Veronica Ferres mitspielen zu lassen. Wir sind uns treu geblieben und deshalb wird uns auch der Fan treubleiben.

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Ab wie vielen Zuschauern bekommt der "Stromberg“-Film denn eine Fortsetzung?

Da hat die Wirklichkeit Ihr Gedankenspiel ja fast schon eingeholt. Ein deutscher Produzent hat sich Rechte inzwischen gekrallt und Timur Vermes schreibt gerade an einem Drehbuch. Ich bin aber noch nicht für die Rolle des Adolf Hitlers angefragt worden. Spontan würde ich in diesem Falle absagen; wenn Vermes sein Drehbuch aber nur halb so genial schreibt wie den Roman, käme ich schwer ins grübeln, ob ich mir das Bärtchen nicht doch nochmal ankleben sollte. Meine eigene Phantasie reicht nicht aus, mir den Roman filmisch umgesetzt vorzustellen, da der ja gerade davon lebt, die Gegenwart durch Hitlers Augen zu sehen. Hm. Wenn es einen kongenialen Ansatz gäbe .... oh-oh, es kribbelt schon.

Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Welche Projekte darf man in diesem Jahr noch von Ihnen erwarten. Es soll ja ein dritter Teil von "Der Wixxer" mit dem Titel "Tripple Wixx" in Arbeit sein.

"Tripple Wixx“ ist noch nicht in trockenen Tüchern. Und der Film würde auch erst in diesem Jahr gedreht und frühestens 2015 in die Kinos kommen. Ansonsten kommt dieses Jahr noch einiges von mir, fast ein bisschen zu viel. Da muss ich fast Angst haben, dass die Leute sagen: "Wann kommt denn endlich mal wieder etwas, wo der Herbst nicht mitspielt.“

Sie werden Mainstream.

Ich werde Mainstream. Das ist furchtbar. Ich bin auch schon gefragt worden, ob ich die Rolle des Schiffarztes auf dem "Traumschiff“ übernehmen möchte, aber so mainstreamig werde ich dann doch nicht. Jedenfalls wird es für mich ein Leben nach "Stromberg“ geben, aber ich werde nicht inflationieren. Da müssen Sie keine Angst haben.

Kinostart "Stromberg - Der Film": 20. Februar 2014

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