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Der Soundtrack der Woche (31. Juli 2020)

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 31.07.2020Lesedauer: 6 Min.
Alanis Morissette: Nach acht Jahren meldet sie sich mit einer neuen LP zurĂŒck.
Alanis Morissette: Nach acht Jahren meldet sie sich mit einer neuen LP zurĂŒck. (Quelle: Rich Fury/getty-images-bilder)
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In der Flut von neuen Alben und Neuauflagen alter Klassiker kann man schon mal den Überblick ĂŒber die Musiklandschaft verlieren. t-online.de hat dafĂŒr offene Ohren und gibt Ihnen sieben Lausch-Tipps.

Bei Spotify, Apple Music und Co. wird man mit Neuerscheinungen schier ĂŒberfordert. Playlists aktualisieren sich stĂ€ndig, nicht alles darin gefĂ€llt und ĂŒberhaupt ist das Album doch das viel schönere Format. Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Neuveröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online.de Sie mit der neuen wöchentlichen Rubrik "Schon gehört" (jeden Freitag) ein. Hier gibt es die sieben besten, wichtigsten, skurrilsten Alben fĂŒr die nĂ€chsten sieben Tage.

Alanis Morissette – Such Pretty Forks in the Road

(Quelle: Sony Music)

Die Alternative-Rock-Ikone der 90er Jahre ist wieder da. Alanis Morissette ruht sich noch immer nicht auf den Tantiemen der Hit-Single "Ironic" aus dem ĂŒber 33 Millionen mal verkauften Album "Jaged Little Pill" von 1995 aus. Acht Jahre nach "Havoc and Bright Lights" legt die SĂ€ngerin mit "Such Pretty Forks in the Road" nach.

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Und sie klingt noch immer so, als könnte man den Großteil ihrer Songs in 90er Jahre Rom-Comedys benutzen. Das Eröffnungsdoppel "Smiling" und "Ablaze" etwa. Aber Morissette fĂ€hrt keinen reinen Retro-Sound auf, um alte Fans zur Kasse zu bitten. Eine ruhige Piano-Streicher-Drums-Nummer wie "Reckoning" hĂ€tte es 1995 und auch 2002 nicht gegeben. Auch das etwas futuristische "Nemesis" mit seiner dezenten Elektronik ist eher Neuland fĂŒr die SĂ€ngerin, die einst durch radiofreundlichen Alternative Rock berĂŒhmt wurde.

Zugegeben: Einen Hit wie "Ironic" schreibt man in der Regel nur einmal in seiner Karriere. Vielleicht auch zweimal, aber dann ist meist auch Schluss mit zeitlosen Klassikern. Das gilt auch fĂŒr Alanis Morissette. Es ist aber erfreulich, dass "Such Pretty Forks in the Road" keine 90er-Jahre-GedĂ€chtnis-Platte geworden ist, die zwanghaft versucht, alte Glanztaten aufleben zu lassen, sondern im Hier und Jetzt verankert ist.

Paul McCartney – Flaming Pie

(Quelle: Univeral Music Group)

Nee, Ex-Beatle Paul McCartney hat keine neue Platte herausgebracht. Viel eher versucht er dem eher vergessenen "Flaming Pie" von 1997 und einer Reihe an Re-Release-Optionen (von CD und LP bis zum opulenten Boxset ist da alles möglich, was der Geldbeutel hergibt und das Fanherz begehrt) eine neue Chance zu geben. Angereichert wird die normale CD-AusfĂŒhrung mit Home Recordings.

Besonders interessant am zehnten Solo-Album von McCartney ist, dass er mit vielen Freunden und Verwandten musiziert hat. So war auch sein Sohn James McCartney als Gitarrist mit von der Partie. Auch mit dabei waren Steve Miller, Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra (kurz ELO) und auch Linda McCartney steuerte ein paar Gesangseinlagen bei.

Tolle GĂ€steliste, aber man muss auch sagen: Paul McCartney als SolokĂŒnstler ist ohne Wings auch nicht das Gelbe vom Ei. Dass 1997 Alternative Rock, Brit-Pop, Nu Metal und Boy- sowie Girlgroups die Charts dominierten, hört man "Flaming Pie" nicht an. McCartney machte das, was er schon immer gemacht hat: Beatles-Songs. Da ist er weniger wandelbar als ein David Bowie oder gar Mick Jagger, der in den 80ern zumindest dem New Wave wohlwollend gegenĂŒberstand.

Imperial Triumphant – Alphaville

(Quelle: Sony Music)

Das ist ein Brocken! Imperial Triumphant machen schon mit ihren Masken und Kutten auf sich aufmerksam. Genauso undurchsichtig wie das Metall im Gesicht ist aber auch der Sound der Band. Irgendwo zwischen Black Metal, Death Metal, Jazz und Avantgarde bewegt sich das Trio aus New York. Es gibt wenig melodische Momente, an denen man sich festhalten kann. Songstrukturen lassen sich auch keine erkennen. Und darin besteht der Reiz! Zwar erwischt man sich immer mal wieder beim MitzĂ€hlen der krummen Takte und erwischt nur mit GlĂŒck das richtige Metrum, doch was die MaskenmĂ€nner hier abziehen, ist im wahrsten Sinne des Wortes Wahnsinn.

Blast Beats, langsam drĂŒckende Krawall-Passagen und zwischendrin Jazz mit Piano und BlĂ€sern. Auf dem einstĂŒndigen Höllenritt "Alphaville" ist scheinbar alles möglich. Das braucht jedoch Zeit und ein paar DurchlĂ€ufe mehr als Alanis Morissette. Selbst dem Großteil von Metal-Fans der hĂ€rteren Gangart sollte das hier vielleicht schon eine SchĂŒppe zu extrem sein, aber eine wahnwitzige Jazz-Metal-Nummer wie "Transmission to Mercury" sollte man zumindest gehört haben, denn Ende des Jahres wird diese LP in vielen Bestenlisten auftauchen.

Apache 207 – Treppenhaus

(Quelle: Sony Music)

Von der "Platte" ins "Treppenhaus": Es ist wohl eines der Deutschrap-Releases des Sommers, dieses "Treppenhaus" von Apache 207. Und vielleicht auch eines der besten Genre-Alben des Jahres. Mit seinem eher smoothen Sound und wenig Bling-Bling rappt Apache ĂŒber sommerliche Beats. Behandelte Themen: Leben, Liebe, Ruhm und Probleme mit den GesetzeshĂŒtern. "Boot", "Sie ruft" und das eingĂ€ngig tanzbare "Fame" seien hier mal als Anspieltipps zu empfehlen. Das geht gut rein, klingt nicht zu prollig, aber cool genug, um Deutschlands Teenies zu beeindrucken. Auch ich wippe mit meinen 30 Lenzen mit dem Fuß mit.

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Dennoch: Ein Pluspunkt der LP ist die kurze Spielzeit von 36 Minuten. Bei 37 Minuten Sommer-Vibes-Raffaelo-Werbung-Rap wÀre das wohl zu wenig Abwechslung gewesen.

Creeper – Sex, Death & the Infinite Void

(Quelle: Warner Music Group)

Creeper waren so um 2016 bis 2018 rum einer der großen UK-Rock-Hypes. Mit ihrem dĂŒster angehauchten Punk Rock, der sich viel bei "Sing the Sorrow"-AFI, Alkaline Trio und der Kultband Misfits abgeschaut hat, konnten sie sich eine große Fanbase erspielen. Mit Album Nummer zwei, welches den lebensbejahenden Titel "Sex, Death & the Infinite Void" legen die DĂŒster-Punks wieder los. Und das klingt deutlich glatter als noch auf dem recht kantigen, aber eingĂ€ngigen DebĂŒt.

Schon die erste Single "Born Cruel" deutete an, dass Album Nummer zwei etwas anders ausfallen wird. Glatter, aber dafĂŒr musikalischer und auch theatralischer. Scheinbar hat man sich den Emo-Klassiker "The Black Parade" von My Chemical Romance bei einigen Nummern zum Vorbild genommen. Demnach fallen einige der Songs etwas ruhiger aus. Die großen Momente können Creeper bei den flotten Nummern feiern. WĂ€hrend Fans von My Chemical Romance noch warten, ob die Reunion der Band auch neue Songs bedeutet, könnte Creeper die perfekte Alternative sein.

Alcatrazz – Born Innocent

(Quelle: Oktober Promotion)

Er sang den wohl bekanntesten Rainbow-Hit "Since You Been Gone" an der Seite von Ex-Deep Purple-Gitarrist Richie Blackmore. SpĂ€ter sang er in der Michael Schenker Group auf deren Klassiker "Assault Attack": Graham Bonnet. Auch mit seiner Band Alacatrazz, die Gitarrenwundern wie Yngwie J. Malmsteen oder Steve Vai als Sprungbretter fĂŒr ihre Karrieren dienten, konnte er Erfolge feiern. Doch da gab es seit 1986 nix neues mehr auf die Ohren.

Jetzt legt Bonnet mit "Born Innocent" nach. Und das klingt so, wie man die Band aus den 80ern kennt. Auf der Schneide zwischen melodischem Hard Rock und flinkem Heavy Metal. Besonders die Metal-Schlagseite hat zugenommen. Neu-Gitarrist Joe Stump wandert mit flinken Fingern ĂŒber das Griffbrett, wie Yngwie Malmsteen in den 80ern. Passenderweise wird die Doublebass auch deutlich mehr durchgetreten, als man es von "No Parole From Rock'n'Roll" oder "Disturbing the Peace" gewohnt ist. DafĂŒr klingt der gealterte Bonnet noch erstaunlich nach sich selbst. Einziger Wermutstropfen: 13 Songs in fast einer Stunde hĂ€tten es nicht sein mĂŒssen. Nur ein, zwei Songs weniger hĂ€tten das Album angenehm gestrafft, selbst wenn es keine AusfĂ€lle gibt.

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NOFX vs. Frank Turner – West Coast vs. Wessex

(Quelle: Starkult Promotion)

Wow, dass das Format der Split-EP, also dass zwei KĂŒnstler sich den Platz auf einer LP oder CD (digital macht das ja nur wenig Sinn irgendwie) teilen, noch lebt, ist ein tolles Zeichen. Unvergessen sind Perlen wie Architects mit Dead Swans, Caliban mit Heaven Shall Burn oder Satyricon mit Enslaved – ja, das ist eher so ein Gitarrenmusikding und ist besonders bei Punk- und Hardcore-Bands beliebt.

Passenderweise geben sich die US-Polit-Pop-Punker NOFX mit dem britischen Folk-Punkrocker Frank Turner einen Schlagabtausch. Jeder covert Songs des anderen. NOFX kloppen so die sonst eher folkig angehauchten Nummern von Frank Turner durch. Der hingegen spielt fĂŒnf NOFX-Klassiker wie "Falling in Love" oder "Eat the Meek" in seinem gewohnten Stil, mit dem er besonders in England ein paar goldene Schallplatten einheimsen konnte. Einen wirklichen Gewinner der Split mag man da aber nicht kĂŒren.

Alle Alben sind am 31. Juli in digitaler sowie physischer Form erschienen. Haben Sie "Schon gehört" wer nÀchste Woche dabei sein wird? Unter anderem Deep Purple, die K-Pop-Helden BTS und Glass Animals und einige mehr. Wir hören uns wieder!

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