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Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Es war einmal ... in Hinterwäldlerland

Von Arno Raffeiner

Aktualisiert am 09.02.2020Lesedauer: 5 Min.
Leonardo DiCaprio: In "Once Upon a Time in Hollywood" spielt er den abgehalfterten Western-Darsteller Rick Dalton.
Leonardo DiCaprio: In "Once Upon a Time in Hollywood" spielt er den abgehalfterten Western-Darsteller Rick Dalton. (Quelle: imago-images-bilder)
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Gewinnen die Hollywood-Märchen von Tarantino und Scorsese? Oder die Haltung von Joaquin Phoenix? Was die 92. Oscar-Verleihung am 9. Februar dringend nötig hätte, steht schon mal fest.

Hände hoch, keine Bewegung! Gleich steigt die tollste und ollste Party des Jahres. Mord vor laufender Kamera, ein Messer zwischen die Rippen, ein Schaschlikspieß in den Unterleib, dazu jede Menge Kopfschüsse. Wie, schon genug gemetzelt? Aber nicht doch! Es gibt ja auch noch die große BBQ-Party von Leonardo DiCaprio, der in seinem Pool ein durchgeknalltes Hippiemädchen grillt. Mit einem Flammenwerfer.


#OscarsSoMale: Männerthemen im Fokus

Joaquin Phoenix ist der Joker.
Der britische Newcomer George MacKay spielt eine der Hauptrollen in dem Weltkriegsdrama "1917" von Sam Mendes.
+10

Richtig, es ist wieder Oscar-Zeit. Als wären wir noch im wilden Westen, sind solche Gewaltakte, in Szene gesetzt von Meistern ihres Fachs wie Quentin Tarantino und Martin Scorsese, die Hauptattraktionen der besten Filme des Jahres. Zumindest wenn es nach den Nominierungen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences geht. Neben den eben genannten Gräueltaten drehen sich die von der Academy gekürten Oscar-Kandidaten für den besten Film außerdem um ein Duell mit Rennautos ("Le Mans 66"), um Adolf Hitler als Drillmeister eines kleinen Jungen ("Jojo Rabbit") und ein erschütterndes Ehedrama ("Marriage Story").

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Die ARD-Intendanten v.l.n.r.: Manfred Krupp (HR), Prof. Dr. Karola Wille (MDR), Dr. Katja Wildermuth (BR), Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab, Programmdirektorin Christine Strobl, Martin Grasmück (SR), Dr. Yvette Gerner (Radio Bremen), Joachim Knuth (NDR). Vorne Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, Tom Buhrow (WDR) und Dr. Kai Gniffke (SWR).


Ach ja, ein Film von einer Regisseurin ist auch nominiert: "Little Women" von Greta Gerwig. Er trägt das, was in Hollywood zwischen all dem Männerschweiß und Patriotenblut viel zu selten eine Chance bekommt, schon im Titel. Gerwigs Literaturverfilmung erzählt eine Geschichte über vier junge Schwestern und ihren Kampf in einer männlich dominierten Welt.

#OscarsSoViolent

Gerwig ist eine große Ausnahme. Sie war 2018 für die beste Regie nominiert – als fünfte Frau in der 92-jährigen Geschichte der Oscars. Gewonnen hat den Regie-Oscar bisher nur eine einzige, Kathryn Bigelow für "Tödliches Kommando – The Hurt Locker", einen Kriegsfilm.

Die Kandidaten für die beste Regie stimmen in der Regel mit der Königskategorie der besten Filme überein. Allerdings gibt es bei den Regie-Oscars vier Nominierungen weniger, und so bleibt 2020 nur das Gemetzel übrig: Todd Phillips mit seiner Psychopathenstudie "Joker" (der mit dem Live-Mord in der Talkshow, insgesamt elf Nominierungen), Martin Scorsese mit dem Mafia-Epos "The Irishman" (die Kopfschüsse, zehn Nominierungen), Quentin Tarantino mit dem Märchen "Once Upon A Time ... In Hollywood" über die Morde der Manson-Family (DiCaprios Grillparty, zehn Nominierungen), Bong Joon-ho mit der Klassenkampf-Dramödie "Parasite" (der Schaschlikspieß, gleich sechs Chancen für den ersten je nominierten Film aus Korea) und Sam Mendes mit seinem One-Shot-Blick auf den Ersten Weltkrieg in "1917" (das Messer, außerdem Artillerie, Scharfschützen, Nahkampf – das ganze Programm, noch mal zehn Nominierungen).

2015 kam der Hashtag #OscarsSoWhite auf. Seither wird der einseitige Fokus des renommiertesten Filmpreises auf weiße Regisseure, Schauspieler und sonstige Filmschaffende immer wieder angeprangert. Von den 20 Nominierungen für die Darstellerpreise ging diesmal eine an die britisch-nigerianische Schauspielerin Cynthia Erivo. Das ergibt eine weiße Quote von 95 Prozent.

2017 folgte #MeToo und rückte patriarchale Machtstrukturen und sexuellen Missbrauch ins Licht der globalen Öffentlichkeit. Und was macht Hollywood? Die Botschaft wird einem geradezu reingeprügelt: Die Kombination aus weißer heterosexueller Männlichkeit und Gewalt ist offensichtlich nach wie vor der Oscar-Garant schlechthin.

94 Prozent weiß, 77 Prozent männlich

Die Diskussion um diese nicht zu leugnende Tatsache ist allerdings oft etwas verzerrt. Von "Entscheidungen der Academy" zu sprechen, ist Schwachsinn. Nominierungen und Auszeichnungen sind keine gemeinsam abgesprochenen Juryurteile, sondern das Ergebnis eines Abstimmungsprozesses von aktuell über 9.000 Stimmberechtigten.

"Joker": Meisterleistung von Joaquin Phoenix

Genau an der Stelle wurde nach #OscarsSoWhite auch angesetzt. Die Academy hat in den letzten Jahren deutlich mehr Einladungen in ihren elitären Kreis ausgesprochen, um ihr Profil etwas aufzufrischen. Laut "Los Angeles Times" waren die Mitglieder im Jahr 2012 zu 94 Prozent weiß, zu 77 Prozent männlich und zu 86 Prozent älter als 50. Mittlerweile werden immer mehr nicht-weiße Personen aufgenommen, 2019 auch erstmals gleich viele Frauen wie Männer.

Dass man sich auch bei der Verleihungszeremonie um ein Bild bemüht, das der gesellschaftlichen Realität näher kommt, zeigt die lange, etwas diversere Liste an Gästen, die statt eines einzigen Moderators durch den Abend führen, darunter Regina King, Salma Hayek, Spike Lee und Rami Malek.

Emmy schlägt den Oscar

Das ist natürlich nicht nur ein gesellschaftspolitisches Projekt. Es ist ein Kampf um die eigene Relevanz. Die Einschaltquoten der Oscar-Gala sind seit Jahren rückläufig. Überhaupt kann das Publikum vom Kinosessel jederzeit auf die heimische Couch und zum Online-Angebot wechseln.

Zwar steckt der Streaming-Dienst Netflix immer noch große Energien und finanzielle Mittel in die Oscars als Marketinginstrument – zuletzt ging die Rechnung beim viel diskutierten Film "Roma" von Alfonso Cuarón auf, er gewann 2018 drei Oscars, und mit seinen Produktionen "The Irishman" und "Marriage Story" ist Netflix wieder bestens aufgestellt. Insgesamt hat kein anderes Filmstudio so viele Nominierungen zu bieten wie der Streamingdienst, 24 sind es an der Zahl, dahinter folgt Disney/Fox mit 23 Gewinnchancen.

"The Irishman" vereint Kinogrößen vor der Kamera

Aber die Primetime Emmy Awards, die prestigeträchtigen Preise der Serienwelt, könnten die Kräfteverhältnisse über kurz oder lang umkehren. Irgendwann bootet Emmy den Oscar noch aus.

Die meisten Nominierungen bekam bei den Emmys zuletzt der Platzhirsch: ganze 14 Stück für "Game Of Thrones". Die meisten Preise nahm nach der Verleihung im September 2019 aber "Fleabag" mit nach Hause: vier Emmys für die von Phoebe Waller-Bridge entwickelte, geschriebene und produzierte Serie, in der die Engländerin auch noch selbst die Hauptrolle spielt.

Die langweiligsten Oscars der letzten Jahre?

Ähnliche Entwicklungen sind am 9. Februar im Dolby Theatre am Hollywood Boulevard nicht zu erwarten. Mit vier alles dominierenden Filmen versprechen die Oscars 2020 eher die langweiligsten der letzten Jahre zu werden. Zumindest was die Verteilung der Goldjungen betrifft. Das Rundherum wird hinterher garantiert heißer diskutiert als die Gewinnerliste. Wie eng sitzt die Smokinghose von Brad Pitt? Trägt DiCaprio überhaupt was untendrunter? Wie scharfzüngig fällt die Anmoderation von Spike Lee aus? Wer traut sich, die Worte "Trump" oder "Weinstein" in den Mund zu nehmen?

Joaquin Phoenix, ein heißer Anwärter auf den Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller, hat erst vor ein paar Tagen bei den Bafta Awards in London vorgeführt, was er in seiner Dankesrede machen würde. Bei den britischen Schwestern der Oscars – die Nominierungen waren fast identisch, nur noch ein bisschen weißer – gewann Phoenix den Preis für seine Rolle als "Joker". Und nutzte das Podium, um die versammelte Branche und sich selbst aufzurütteln.

"Ich bin Teil des Problems", sagte Phoenix. "Die Menschen, die dieses System der Unterdrückung geschaffen haben, es aufrecht erhalten und davon profitieren, müssen es auch zerstören. Es liegt an uns." Also los, Martin, Quentin und Todd: Jetzt seid ihr dran, Bewegung!

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