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"Heutzutage muss man fĂĽr seine Werte einstehen"

Von t-online, jdo

17.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Anna Hiltrop: Das Model setzt in der Modewelt auf Nachhaltigkeit.
Anna Hiltrop: Das Model setzt in der Modewelt auf Nachhaltigkeit. (Quelle: Andreas Rentz/Getty Images)
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Als Model wird sie mit Kleidung überhäuft, jettet um die Welt und zeigt bei Instagram ihr Luxusleben. Doch Anna Hiltrop setzt dabei auf Nachhaltigkeit. Wie sich das vereinbaren lässt, hat sie t-online erzählt.

Die Modeindustrie gehört zu den größten Klima- und Umweltsündern. Fast Fashion, die Massenproduktion zu Niedrigpreisen in unserer heutigen Wegwerfgesellschaft, wird immer mehr zum Problem. Dass sich Mode und Nachhaltigkeit aber auch vereinbaren lassen, beweist Anna Hiltrop.

Sie ist als Model und Influencerin erfolgreich, reist um die Welt, präsentiert auf ihrem Profil Mode- und Make-up-Trends – und schützt trotzdem die Umwelt. Die 26-Jährige war nicht nur das Gesicht der Neonyt, der größten nachhaltigen Modemesse der Welt, sie unterstützt seit Jahren auch die Initiative "RhineCleanUp", die in diesem Jahr für den Greentec Award nominiert ist.

t-online: Frau Hiltrop, was hat Sie dazu bewogen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen? Und wie ist das Projekt "RhineCleanUp" entstanden?

Anna Hiltrop: Das Thema beschäftigt mich schon immer. Meine Eltern haben mir das Bewusstsein dafür mitgegeben. Wenn wir unterwegs waren und in der Natur lag Müll, haben sie es aufgehoben und mir erklärt, warum das nicht gut ist. Jetzt arbeite ich noch in der Modebranche, der zweitschlimmsten Industrie für die Umwelt, da hinterfrage ich viel und setze mich mit nachhaltiger Mode auseinander.

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So bin ich auch zu "RhineCleanUp" gekommen. Eine Initiative, die es schafft, dass Freiwillige Müll aufsammeln. Am Anfang war es nur am Rhein entlang, mittlerweile sind sie sogar in sechs europäischen Ländern aktiv. Ich freue mich sehr, dass das Thema endlich so angenommen wird und wir damit dieses Jahr für den Greentec Award vorgeschlagen wurden.

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Sie sind aufgrund Ihrer Modelkarriere oft 300 Tage pro Jahr unterwegs, fliegen dabei auch viel. Bei Instagram zeigen Sie Ihr Jetsetleben. Wie lässt sich der Job als Model mit Nachhaltigkeit vereinbaren?

Ich finde die beiden Themen dürfen sich nicht ausschließen – im Gegenteil. Es ist doch viel authentischer, wenn ich 'aus der Branche' darauf aufmerksam mache, was es für Alternativen gäbe. Natürlich gibt es Hürden. Das Reisen ist ein großes Thema. Ich versuche, so möglich, auf die Bahn umzusteigen – das funktioniert leider nicht immer. Ich kaufe keine Fast Fashion mehr und ich hinterfrage Kooperationen. Wenn es gegen meine Werte geht, hab ich Jobs auch schon abgesagt.

Wichtig dabei ist mir immer, die Angst zu nehmen, perfekt sein zu mĂĽssen. Auch kleine Schritte gehen in die richtige Richtung. So ist das auch bei mir. Klar reise ich viel durch meinen Job, aber trotzdem schaue ich in anderen Bereichen meines Lebens, was ich besser machen kann.

Wie sieht das aus?

Ich bin großer Fan von wiederverwendbaren Produkten, wie zum Beispiel festes Shampoo. Ich setze bei Kosmetik auf Refill, also wiederbefüllbare Produkte, und leicht zu recycelnde Verpackungen, wie zum Beispiel Glas. Im Lebensmittelbereich versuche ich Plastik zu vermeiden. Ich kaufe mein Obst einzeln und nehme meine eigenen Tüten mit. Auf meiner Terrasse hab ich einen Zitronenbaum und Kräuterbeete.

Wie nachhaltig ist Ihr eigener Kleiderschrank?

Bei meinem Beruf lässt es sich nicht vermeiden, viele Klamotten zu haben. Aber ich setze bei den Sachen in meinem Kleiderschrank auf Langlebigkeit: Ich repariere, recycle, spende und verschenke. Viele Produkte sind auch Green Luxury. Also Stücke, die lange halten und aufbereitet werden können. Für Veranstaltungen bekomme ich Outfits gestellt, die ich danach wieder abgebe und die dann wieder getragen werden können.

Wichtig ist: Jeder kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung! Ich finde, bei Basics kann man gut darauf achten. Stichwort Jeans: Die Herstellung einer herkömmlichen Jeans verbraucht 8.000 Liter Wasser, die einer nachhaltig produzierten 'nur' 800 bis 1.000. Also kann man hier gut zu Alternativen greifen.

Wie tiefgehend hinterfragen Sie angebotene Kooperationen was ihre Nachhaltigkeitsrichtlinien anbelangt?

Ich arbeite mich immer sehr in das Thema ein und hinterfrage alles. Denn viele schreiben sich das Thema auf die Fahne, machen es aber nur fĂĽr die Ă–ffentlichkeit. Deswegen gehe ich keine Kooperationen ein, die sich komplett gegen meine Werte richten. Zum Beispiel Marken, die Pelz zeigen, oder reine Fast-Fashion-Ketten.

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Sind Ihnen deshalb schon Kunden abgesprungen oder haben Sie etwas abgelehnt, das Sie beruflich eigentlich weitergebracht hätte?

Wahrscheinlich, ja. Aber ich finde heutzutage muss man einfach für seine Werte einstehen. Und wenn das heißt, einmal weniger Geld zu verdienen oder eine gewisse Marke eben nicht zu repräsentieren, dann ist das so. Ich drehe für unsere Umwelt gerne eine Extrarunde Arbeit. Ich muss zu 100 Prozent hinter diesen Kooperationen stehen, sonst mache ich mich auch unglaubwürdig.

Sind Sie schon auf Greenwashing reingefallen?

Tatsächlich noch nicht, weil ich dafür zu viel hinterfrage. Wenn Marken auf mich zukommen und sagen, dass sie da sehr drauf achten, glaube ich denen nicht, sondern lasse mir zeigen, inwiefern das wirklich stimmt.

Bei Instagram folgen Ihnen fast 50.000 Menschen. Wie finden Sie die Balance zwischen Fashionikone und Nachhaltigkeitsvorbild?

Vor allem in den sozialen Netzwerken ist Authentizität alles. Nachhaltigkeit ist eines meiner Themen, die ich auf meinem Kanal anspreche. Viele sind überrascht, dass modische Outfits auch umweltbewusst gut aussehen. Ich bewerbe natürlich meine Kooperationen, daher kommt das Thema oft vor. Zeitgleich zeige ich mich aber auch hinter den Kulissen bei Fashionshows, weil auch das zu meinem Leben gehört. Genau wie die Spaziergänge mit meinem Hund Ben.

Wie kommt das bei Ihren Followern an? Wirkt sich das eher positiv oder negativ auf die Zahlen aus?

Natürlich generiert man mit Nacktheit, Schminktipps und Privatjets mehr Follower:innen als mit Nachhaltigkeit. Aber ich verbiege mich nicht für Kooperationen oder Jobs – und das mache ich auch nicht für soziale Netzwerke. So zeige ich umweltfreundliche Alternativen im Alltag oder halte spontan mein Handy drauf, wenn ich mal wieder Müll in der Natur sehe – den ich dann wegräume.

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