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Tatort-Regisseur Bohn zu Schlesinger-Affäre: Das muss sich beim ÖRR ändern


Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht auf der Kippe

Ein Gastbeitrag von Tom Bohn

Aktualisiert am 14.08.2022Lesedauer: 2 Min.
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Ein Sprecher in einem virtuellen Studio des ZDF: Der "Tatort"-Regisseur Tom Bohn fordert radikale Rerformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. (Quelle: Fredrik Von Erichsen/dpa)
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Sollten die öffentlich-rechtlichen Sender abgeschafft werden? Hier schreibt "Tatort"-Regisseur Tom Bohn, welche Schritte er für nötig hält.

Nach dem Skandal um die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger werden die Rufe nach einer kompletten Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) laut. Besser wäre es, sich wieder an den ursprünglichen Auftrag des ÖRR zu erinnern und diesen nach einer konsequenten Verschlankung konsequent einzufordern. Zu den Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Sender gehört eine vielfältige und objektive Berichterstattung über politische und gesellschaftliche Themen. Der ÖRR soll durch die Auswahl der Programme die freie Meinungsbildung und die kulturelle Vielfalt unterstützen. So kann man es immer wieder lesen und genauso geschieht es seit fast zwei Jahrzehnten eben nicht mehr.

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Tom Bohn bei der Filmpremiere "Reality XL" im Monopol Kino in München. (Quelle: Hannes Magerstaedt/imago-bilder)

Zur Person

Tom Bohn, geboren 1959 in Wuppertal, begann 1982 mit einer Hospitanz als Fernsehjournalist beim ZDF, arbeitete später für den Bayerischen Rundfunk und ab 1993 vor allem als Regisseur und Drehbuchautor. Er hat bei zahlreichen "Tatort"-Folgen Regie geführt und ist Gründer des "Snowdance Independent Filmfestivals".

Waren früher noch Journalisten wie Ulrich Kienzle und Bodo Hauser Publikumslieblinge, die sich saftig, aber auch fundiert um die Interpretation politischer Ereignisse stritten, so fehlt heute vor allem ein Hauser. Um es an diesem Beispiel festzumachen: Hauser, der meist eine konservative Position vertrat, hat weder beim ZDF noch bei der ARD nennenswerte Nachfolger gefunden. Vielmehr wird in den ÖRR-Redaktionen monoton und schamlos gekienzlet, was jeden Bürger, der rechts von rot-grün steht, verständlicherweise auf die Barrikaden treibt. Wer finanziert schon gerne einen Sender seines politischen Gegners mit?

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Eine nicht minder große Angriffsfläche bietet die inzwischen monströse Größe des ÖRR, die hier nicht noch einmal detailliert aufgezählt werden soll. Nur so viel: Die absurd hohe Anzahl von TV- und Radiosendern, Rundfunkorchestern und Verwaltungsangestellten ist weltweit einzigartig und wurde durch die Existenz der wesentlich schlankeren Streamingdienste und privaten Anbieter längst ad absurdum geführt.

Das ZDF gehört privatisiert

Einer der zwei ÖRR-Hauptsender würde reichen. Das ZDF gehört privatisiert und hieße auch nicht mehr ZDF, sondern würde als ein auf die älteren Zielgruppen ausgerichteter Privatsender/Streamer für seine Investoren sehr viel Geld verdienen. "Das Erste" würde dann wieder ARD heißen und hätte, neben seinem Hauptprogramm, nur vier dritte Programme: Norddeutscher Rundfunk (NDR), Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), Süddeutscher Rundfunk (SDR) und Westdeutscher Rundfunk (WDR).

Außerdem wären Arte, Kika, 3sat und Phoenix weiter am Start. Alle anderen Sender gehören aufgelöst. Die knapp zwanzig (Rundfunk)-Orchester sollten von einem staatlichen Kulturfonds betrieben werden, und von den heute siebzig Radiosendern reichen etwa zwei Dutzend zur Grundversorgung. Plus das Deutschlandradio. Der Beitragsservice (früher GEZ) wäre abgeschafft, denn der dann komplett werbefreie ÖRR würde aus Steuermitteln finanziert. Rechnet man großzügig, so würde das für die 40 Millionen steuerpflichtigen Bundesbürger eine monatliche Steuermehrbelastung von knapp 8 Euro pro Nase bedeuten.

"Noch Fragen, Kienzle?" - "Ja, Hauser".
Ulrich Kienzle (l) und Bodo H. Hauser moderierten gemeinsam von 1993 bis zum Jahr 2000 das Politik-Magazin "Frontal" und stritten dabei auch inhaltlich viel miteinander. (Quelle: Jörg Schmitt/dpa)

Der ÖRR steht heute auf der Kippe. Nicht wegen des abgehobenen Auftretens einer Intendantin, sondern wegen programmatischer Einseitigkeit und finanzieller Maßlosigkeit. Hier kann nur eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Aufgabe und die Beschneidung auf wenige, deutlich gestraffte Sender helfen. Wie das bei den meist rot-grün ausgerichteten Redaktionen und dem elitären Anspruchsdenken mancher Entscheider gelingen kann, ist nur schwer vorstellbar. Aber geschieht das nicht, dann ist der ÖRR in Deutschland bald Geschichte. So wie es die maßlose und leider auch politisch recht einseitige Patricia Schlesinger schon heute ist. Noch Fragen, Kienzle?

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Verwendete Quellen
  • Gastbeitrag von Tom Bohn
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