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TV-Film "Gott von Ferdinand von Schirach": So stimmten 70 Prozent der Zuschauer ab

"Gott" von Ferdinand von Schirach  

70 Prozent der Zusehenden für Tod der Hauptfigur

24.11.2020, 09:50 Uhr | dpa

TV-Film "Gott von Ferdinand von Schirach": So stimmten 70 Prozent der Zuschauer ab. TV-Film "Gott": Richard Gärtner (Matthias Habich) und sein Rechtsanwalt Biegler (Lars Eidinger) pochen auf das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Terjung)

TV-Film "Gott": Richard Gärtner (Matthias Habich) und sein Rechtsanwalt Biegler (Lars Eidinger) pochen auf das Recht auf selbstbestimmtes Sterben. (Quelle: ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Terjung)

Vor vier Jahren hat das TV-Publikum beim Film "Terror" live über die Moralfrage abgestimmt: Darf ein Passagierflugzeug abgeschossen werden, um andere Menschenleben zu retten? Gestern Abend lief nun "Gott" von Ferdinand von Schirach. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten zum Thema Sterbehilfe eine klare Meinung. 

Wie schon vor vier Jahren durften ARD-Zuschauerinnen und -Zuschauer über das Ende eines Filmes entscheiden: 70,8 Prozent der Abstimmenden in Deutschland waren dafür, dass die Hauptfigur in Ferdinand von Schirachs "Gott" am Montagabend sterben darf. Sie hielten es für richtig, einem gesunden Menschen ein tödliches Medikament zu geben. Im Anschluss wurde das Thema in der Talkrunde "hart aber fair" diskutiert, wo auch das Ergebnis verkündet wurde. 29,2 Prozent der Abstimmenden waren demnach gegen die Ausgabe des todbringenden Medikaments. 

78-Jähriger will sein Leben nach Tod der Frau durch Sterbehilfe beenden – moralisch in Ordnung?

Im TV-Film "Gott" wurde in einem fiktionalen Ethikrat über den Wunsch des fiktiven 78-jährigen Richard Gärtner (Matthias Habich) debattiert, der sein Leben durch ein Medikament und mit Hilfe seiner Ärztin beenden will, weil er nach dem Tod seiner Frau den Lebenswillen verloren hat. In einem holzvertäfelten Raum waren die verschiedenen Parteien bei einer Anhörung zu sehen.

Zum einen war da Gärtner selbst. Ihm zur Seite stand sein Anwalt (Lars Eidinger). Zu Wort kamen auch eine Ärztin (Anna Maria Mühe), eine Juraprofessorin (Christiane Paul) und ein Bischof (Ulrich Matthes). Immer wieder wandte sich die Vorsitzende des Ethikrats (Barbara Auer) ans Publikum. Grundlage für den Film ist ein Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Im September wurde es in Berlin und Düsseldorf uraufgeführt.

Erst im Februar hatte das Bundesverfassungsgericht eine wichtige Entscheidung verkündet: Die Richter kippten einen Paragrafen im Strafgesetzbuch und bekräftigten ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben – unabhängig von unheilbaren Krankheiten. Das Gericht stieß damit die Tür für organisierte Angebote zur Sterbehilfe auf. 

In Schirachs Text werden viele Fragen angesprochen. Besteht nicht die Gefahr, dass Menschen ihrem Leben leichtsinnig ein Ende setzen? Darf es eine Rolle spielen, ob jemand fast 80 ist oder erst Anfang 30?

Publikum entschied 2016 eindeutiger

Im Oktober 2016 gab es schon einmal ein ähnliches Fernsehprojekt auf Grundlage eines Schirach-Stücks. Im ARD-Film "Terror – Ihr Urteil" ging es um die Moralfrage, ob man ein Passagierflugzeug abschießen darf, um andere zu retten. Damals fiel die Entscheidung noch eindeutiger aus. Das deutsche Fernsehpublikum plädierte für Freispruch. Fast 90 Prozent der Abstimmenden entschieden, dass der Bundeswehrsoldat, der eine von Terroristen entführte Passagiermaschine mit 164 Menschen an Bord abschoss, um 70.000 Leute in einem Fußballstadion zu retten, unschuldig ist.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • "Gott" im Ersten am 23. November 2020

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