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"Get Back" auf Disney+: Das Ende der Beatles in neuem Licht

Von dpa
Aktualisiert am 25.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon (l-r) proben im Filmstudio in Twickenham.
Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon (l-r) proben im Filmstudio in Twickenham. In dem riesigen Filmstudio fĂŒhlten sich die Beatles nicht wohl. (Quelle: Linda McCartney/Apple Corps Ltd/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Es ist ein einmaliger Einblick in die Arbeit der wohl bekanntesten Band der Welt: Die Beatles treffen sich im Januar 1969 in einem Londoner Filmstudio.

Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr wollen an neuem Material arbeiten und sollen dabei nahezu durchgehend gefilmt werden. Die Idee: Weg von immer aufwendigeren Produktionen mit Studiotricks, zurĂŒck zu den Wurzeln. Am Ende sollen die neuen Songs bei einem großen Auftritt direkt fĂŒr ein Album performt werden - nach mehreren Jahren ohne Konzerte.

Nun werfen ein neuer Dokumentarfilm beim Streaming-Dienst Disney+ und ein Buch mit "The Beatles: Get Back" einen neuen Blick auf die Aufnahmen fĂŒr das letzte erschienene Album der Beatles. DafĂŒr hat Regisseur Peter Jackson ("Herr der Ringe") ĂŒber drei Jahre hinweg bisher unveröffentlichtes Material von 1969 gesichtet, das damals fĂŒr den Film "Let It Be" und das gleichnamige Album gedreht worden war. Es gilt als das Trennungsalbum der Band.

GesprÀche werden hörbar

Mit eigens entwickelten Tricks machten Jackson und sein Team dabei nun auch GesprÀche hörbar, die vorher etwa durch laute GitarrenverstÀrker unverstÀndlich waren - was Lennon und Harrison teilweise mit Absicht gemacht hÀtten, um in Ruhe reden zu können, wie Jackson dem US-Portal "The Ringer" sagte.

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Insgesamt fast acht Stunden sind die drei Filme lang, das Buch enthĂ€lt zahlreiche der GesprĂ€che im Studio und viele Fotos. So hat man das GefĂŒhl, mit dabei zu sein, wĂ€hrend die Fab Four eine Platte aufnehmen. Und tatsĂ€chlich gibt es nicht nur Streit: Die vier Liverpooler haben viel Spaß beim Spielen von Covern und Rumblödeln. Aus Song-Skizzen werden im Film einige ihrer großen Hits.

Doch auch die Probleme sind da: Sie können sich etwa nicht einigen, wo das Konzert stattfinden soll - oder ob ĂŒberhaupt. Die zĂ€hen, sich im Kreis drehenden Diskussionen darĂŒber sind schwer anzuschauen. Schwelende Konflikte werden meist passiv-aggressiv ausgetragen. So steigt George Harrison nach wenigen Tagen vorĂŒbergehend aus und verabschiedet sich mit den Worten: "Wir sehen uns in den Clubs". Die Reaktion von John Lennon: "Wenn er bis Dienstag nicht wieder hier ist, holen wir Clapton."

Plötzlich zu fĂŒnft

Harrison fĂŒhlt sich eingeengt im Schatten von Lennon/McCartney. McCartney will mehr Disziplin und fĂŒhlt sich doch unwohl in der Rolle als Taktgeber. Und Lennon will seiner neuen Partnerin Yoko Ono nach einer Fehlgeburt stĂ€ndig nah sein - mit dem Nebeneffekt, dass plötzlich immer eine fĂŒnfte Person im Studio dabei ist. Starr starrt regelmĂ€ĂŸig ins Leere und lĂ€sst vieles einfach ĂŒber sich ergehen. Und am Horizont zeigen sich auch schon die Streitigkeiten, um Management und GeschĂ€ftliches, an denen die Gruppe endgĂŒltig zerbrach.

Doch auch im Auflösen begriffen, bringen sie immer noch Songs zustande, auf denen andere Bands ihre Karriere aufbauen wĂŒrden. Das tröstende "Let It Be" zĂ€hlt zu den ganz großen McCartney-Balladen. Selten klang Lennon so verletzlich wie auf "Don't Let Me Down". Und wĂ€hrend der Sessions arbeiten die Fab Four gemeinsam am Text von Harrisons vielleicht bestem Beatles-Song "Something".

Schließlich kriegt die Band die Kurve. Sie engagieren den Keyboarder Billy Preston, der Songs und Stimmung verbessert. Die Band zieht in ein anderes Studio und tritt am Ende einfach auf dem Dach ihres BĂŒrogebĂ€udes in der Londoner Innenstadt auf. Auf den Straßen und nahe liegenden DĂ€chern versammelt sich schnell ein Publikum. Auch als die Polizei schon auf dem Dach steht spielen die Beatles noch zu Ende.

Ende gut, alles gut? Nein, es ist ihr letzter Auftritt. Film und Album zu "Let It Be" werden immer wieder verschoben. Am Ende bittet Lennon Produzent Phil Spector um Hilfe, der einige Songs mit Streichern und Chören ĂŒberfrachtet. Als es erscheint, ist die Trennung der Band schon offiziell. McCartney hört das fertige Produkt nach eigenen Worten zum ersten Mal erst dann - und findet es so schlimm, dass er Jahrzehnte spĂ€ter die treibende Kraft hinter der alternativen Version "Let It Be... Naked" ist.

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