Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Crashtest-Dummys werden zunehmend menschlich

Von dpa
Aktualisiert am 04.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Biofidel-Dummys kommen dem menschlichen Körper in seinen Eigenschaften ziemlich nahe.
Biofidel-Dummys kommen dem menschlichen Körper in seinen Eigenschaften ziemlich nahe. (Quelle: Finn Danker/crashtest-service.com GmbH/dpa-tmn./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Berlin/Ulm (dpa/tmn) - Keine blockierenden RĂ€der oder quietschenden Reifen. Ungebremst rast das Auto ins Hindernis. Glas splittert, Blech verformt sich und im Innenraum wird ein Dummy herumgeschleudert.

Seit Jahren konstruieren Forscher auf diese Weise ZusammenstĂ¶ĂŸe, um die Sicherheit von Fahrzeugen zu erhöhen oder um UnfĂ€lle zu rekonstruieren. Mit einer neuen Dummy-Variante können sie nun auch innere Verletzungen darstellen.

Es ist mehr als 20 Jahre her, seit der Berliner Unfallforscher Michael Weyde feststellte, dass er mit konventionellen Dummys keine forensischen Versuche fĂŒr Gerichtsverfahren durchfĂŒhren kann. "Bei AutounfĂ€llen mit FußgĂ€ngern oder Radfahrern waren die konventionellen Dummys zu starr und zu gestaltfest. Die SchĂ€den an den Fahrzeugen tauchten in der RealitĂ€t nicht auf", sagt er. Statt der Knochen brachen die Stoßstangen der Autos. Nur die SchĂ€den an Windschutzscheiben und DĂ€chern entsprachen der Wirklichkeit.

Also optimierte Weyde die Standard-Dummys kurzerhand. Anfangs wollte er damit SchÀden am Fahrzeug auswerten, merkte aber, dass sich mit dem entsprechenden Ersatzkörper auch realistische Verletzungen darstellen lassen. 2010 dann die Weiterentwicklung: Michael Weyde entwirft seinen eigenen Biofidel-Dummy. Ein Dummy also, der dem Körperbau des Menschen nahekommt und mit dessen Hilfe sich Verletzungen sehr viel besser auswerten lassen.

Statt Verbindungen zwischen Körperteilen wie Bolzen-Gabelgelenke aus dem Maschinenbau schweben ihm Stempelgelenke wie beim Menschen vor. Eine wesentlich realistischere Nachbildung. Um Knochen darzustellen, verwendet er anfangs verschiedene Holzarten wie Fichte oder Eichenholz.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Sanktionen treffen jetzt auch manche deutsche Rentner
Anti-Kriegs-Demo in MĂŒnchen (Symbolbild): Mit Sanktionen gegen Russland versucht der Westen, das Kriegstreiben Putins aufzuhalten.


Der Dummy wiegt immer 78 Kilogramm und ist 1,78 Meter groß

Gemeinsam mit Studenten der HTW Dresden und der TU Berlin entwickelt Weyde den Dummy weiter, findet Stoffe und Materialien, die der Zug-, Druck- und Biegefestigkeit von Knochenmaterial entsprechen und gießt sie in Formen, die Knochen Ă€hneln.

Dann folgt die dritte Generation des Biofidel-Dummys: Ein spezielles Silikon bildet nun auch Weichteilgewebe, Muskeln und Fett nach und gleicht in der Verformung den menschlichen Entsprechungen. Dazu kommt eine neuartige Haut aus einer Latex-Mischung.

FĂŒr die Produktion vergleichbarer Dummys findet der Gutachter einen Partner, der den Biofidel-Dummy inzwischen weltweit vertreibt. Damit sind nun viele Crashtests darstellbar, die vorher so nicht möglich gewesen sind. "Wir haben gemerkt, dass bei bestimmten ZusammenstĂ¶ĂŸen Beine und Rippen brechen", sagt Michael Weyde. Und dass der Dummy schon bei einem Aufprall von 30 Kilometern pro Stunde aufs Dach fliegt.

Der Dummy sieht dabei immer gleich aus: Er misst 1,78 Meter und wiegt 78 Kilogramm. Das entspricht genau dem europĂ€ischen 50-Perzentil-Mann. Bedeutet: Die HĂ€lfte der europĂ€ischen MĂ€nner hat Maße, die darĂŒber liegen, die andere HĂ€lfte hat Maße, die darunter liegen. Kinder, Frauen sowie sehr große oder dicke MĂ€nner deckt der Dummy nicht ab. In den nĂ€chsten Jahren könnte sich das nach Weydes EinschĂ€tzung Ă€ndern.

BeschÀdigungen am Dummy zeigen Verletzungsmöglichkeiten auf

Auch das Beschussamt Ulm setzt seit 2021 bei seinen Versuchen auf Biofidel-Dummys. Dort wird untersucht, wie widerstandsfĂ€hig gepanzerte Fahrzeuge gegen Beschuss oder Sprengladungen sind. "Anhand der am Dummy festgestellten BeschĂ€digungen wie an Kleidung und Haut oder gebrochenen Gliedmaßen können RĂŒckschlĂŒsse auf das Eindringen von Splittern oder anderen Bauteilen in den Innenraum des Fahrzeuges gezogen werden", sagt Peter HĂ€ußler, Sachgebietsleiter beim Ulmer Beschussamt.

Sind am Dummy keine BeschĂ€digungen zu erkennen, kann das geprĂŒfte Fahrzeug eine Bewertung von bis zu drei Sternen erhalten. Eine starke Explosion, ein harter Aufprall und verformtes Blech soll den Dummys dann ebenso wenig ausmachen wie dem realen Menschen.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Markus Abrahamczyk
Von Markus Abrahamczyk
Reifen
Auto-Themen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website