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Als Restomod fahren Klassiker in die Moderne

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Restomod made by Opel: Die Hessen haben 2021 den Manta GSE Elektromod auf die R├Ąder gestellt - voll elektrisch.
Restomod made by Opel: Die Hessen haben 2021 den Manta GSE Elektromod auf die R├Ąder gestellt - voll elektrisch. (Quelle: Opel Automobile GmbH/dpa-tmn./dpa)
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K├Âln (dpa/tmn) - Oldie-Frust statt Oldie-Lust? Immer wieder hat Oldtimer-H├Ąndler Ralf-Hendrik Steink├╝hler folgendes erlebt: Die Interessenten kamen entt├Ąuscht von ihrer Probefahrt zur├╝ck. Zu langsam, zu unkomfortabel, zu unsicher, fasst er die Kritik zusammen.

Vor allem j├╝ngere Kunden seien offenbar zu verw├Âhnt von neuen Autos, als dass sie sich auf etwas Altes einlassen wollten. Den Weg aus diesem Dilemma soll Steink├╝hler und seinen Kunden der Emilia GT weisen. Das mit einigen Partnern selbst entworfene Modell ist eine Kreuzung aus dem legend├Ąren Alfa Giulia GT der 1960er Jahre und der aktuellen Alfa Giulia. Es vereint das Design des Klassikers mit der Technik eines Neuwagens. Aufgebaut auf originalen Oldtimern soll das Auto laut Steink├╝hler in diesem Sommer in einer Auflage von 22 St├╝ck ab etwa 400.000 Euro in den Handel kommen.

Der Blick zur├╝ck ist nicht neu

Steink├╝hler folgt damit einem Trend, der in der Szene schon seit langem schwelt. Immer wieder werden Klassiker nicht nur restauriert, sondern dabei auch modernisiert und so zum Restomod.

"Die Idee gibt es bereits seit den 1950er Jahren, als in Gro├čbritannien zumeist Limousinen aus der Vorkriegszeit mit rennwagen├Ąhnlichen Karosserien in sogenannte Specials verwandelt wurden", sagt Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic Analytics.

Daraus sei eine gar nicht mal so kleine Gemeinde von Oldtimerfans erwachsen, die ihre Autos mit moderneren Motoren, Bremsen oder Fahrwerken ausger├╝stet hat. "Die Autos sollen schneller werden und leichter zu fahren sein", sagt Wilke.

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Ein Oldie mit modernen Zutaten

Neben Neueinsteigern wie Steink├╝hler gibt es in diesem Gesch├Ąft schon einige Unternehmen mit Tradition. Mechatronik in Pleidelsheim bei Stuttgart etwa hat sich alten Mercedes-Modellen verschrieben. Die werden mit neuer Technik buchst├Ąblich flottgemacht.

Nicht nur neue V6- oder V8-Motoren sowie zeitgem├Ą├če Fahrwerke bauen sie in die Klassiker mit Stern ein. Sondern sie integrieren nahezu unsichtbar moderne Extras wie elektrische Fensterheber oder eine Sitzheizung. Preise: schnell mal 300.000 Euro.

Georg Memminger aus Reichersthofen bei Ingolstadt modernisiert den VW K├Ąfer. Dabei sorgen auch Porsche-Motoren f├╝r ein Vielfaches an Leistung. Versteckt im alten Gewand werden auch Xenon-Scheinwerfer oder ABS.

Der ehemalige Rocks├Ąnger Rob Dickinson aus Los Angeles hat sich mit seiner Marke Singer einen Namen gemacht - mit Neuinterpretation des Porsche 911. Seine Autos sind mittlerweile sehr viel teurer als viele originalen Oldtimer und haben mehr als ein Jahr Wartezeit.

Nur extrovertierter Fahrspa├č oder auch steigender Sammlerwert?

Auch am Sammlermarkt seien solche Autos l├Ąngst angekommen, sagt Wilke: Die englischen Specials seien heute anerkannte Liebhaber-Fahrzeuge, die zu hohen Preisen gehandelt w├╝rden. Und keine gro├če amerikanische Auktion komme heute ohne einen Restomod aus.

Weil die Hersteller nur ungern die Deutungshoheit ├╝ber ihre Produkte abgeben, haben Mercedes & Co solche Projekte bislang eher kritisch gew├╝rdigt und bisweilen sogar prozessiert. Doch mittlerweile scheint die Front zu br├Âckeln. Porsche zum Beispiel ist von der Arbeit Singers offenbar so angetan, dass die amerikanische Motorsportabteilung gerade entschieden hat, den Umr├╝ster mit scharfgemachten Sechszylindern zu beliefern.

Opel hat 2021 sogar seinen eigenen Restomod gebaut. Um f├╝r die Elektrifizierung der Modellpalette zu werben, haben die Hessen bei einem 1973er Manta den Benziner gegen einen Batterieantrieb ausgetauscht. Getreu der Restomod-Idee wurden auch noch andere Details umgesetzt - bis hin zum digitalen Cockpit und der K├╝hlermaske mit LED-Beleuchtung und Textfeld.

Ein Designprofessor ger├Ąt ins Schw├Ąrmen

Selbst wenn der Manta GS/E allen Hoffnungen der Fans zum Trotz wohl nur ein Einzelst├╝ck bleibt: Er steht damit f├╝r einen Ausweg aus der Sackgasse, in die das Auto gerade f├Ąhrt - glaubt zumindest der K├Âlner Design-Professor Paolo Tumminelli: Der Restomod sei die ultimativ postmoderne Antwort auf die Intoleranz vieler Autoliebhaber f├╝r die Absurdit├Ąt gegenw├Ąrtigen Automobildesigns. "Denn diese Fahrzeuggattung zeigt, dass in puncto Design viele ├Ąltere Autos den heutigen ├╝berlegen sind", sagt der Professor.

Er schw├Ąrmt von schlanken, kompakten, funktionalen, effizienten, stilsicheren und selbsterkl├Ąrenden Entw├╝rfen. "Aber fr├╝her war nicht alles besser", sagt er. Denn Klassiker litten unter mangelnder Leistung, weniger Sicherheit und schlechter Umweltvertr├Ąglichkeit. Von neumodischen Anforderungen wie der Konnektivit├Ąt ganz zu schweigen. "Da kommt das Restomodding doch gerade recht."

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