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Fahrrad vs. Auto: Der alltĂ€gliche Kampf auf den Straßen

Von dpa
07.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Die Stimmung auf Deutschlands Straßen ist gereizt.
Die Stimmung auf Deutschlands Straßen ist gereizt. Besonders wenig VerstĂ€ndnis herrscht zwischen Rad- und Autofahrern. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Frank Rumpenhorst/dpa./dpa)
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Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Es ist Sommer, Katja W. ist mit dem Rad in Frankfurt unterwegs. Vor einer Ampel fĂ€hrt sie an zwei Autos vorbei und hĂ€lt davor an, um GrĂŒn abzuwarten. Der Autofahrer hinter ihr beschimpft sie, lĂ€sst den Motor aufheulen und fĂ€hrt ein StĂŒck auf.

Kaum springt die Ampel um, ĂŒberholt er mit quietschenden Reifen und bremst die Radfahrerin zwei Mal aus. So schildert die 35-JĂ€hrige das Geschehen. In einem anderen Fall kommt ihr ein Auto demnach von hinten so nah, dass sie rechts heranfahren muss. Der Fahrer ĂŒberholt sie mit nur rund 30 Zentimetern Abstand und zeigt ihr den Mittelfinger.

"Die Stimmung ist gereizt auf der Straße", sagt die Frankfurterin. Insgesamt rund 16 Kilometer fĂ€hrt sie jeden Tag zur Arbeit und zurĂŒck. Es handele sich nicht um EinzelfĂ€lle, sagt Ansgar Hegerfeld, stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hessen. "Man wird angehupt, beleidigt und abgedrĂ€ngt", sagt er auch mit Blick auf seine eigenen Erfahrungen im innerstĂ€dtischen Verkehr.

Wachsende AggressivitÀt zwischen Rad- und Autofahrern

Dort steige die AggressivitĂ€t, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Sie gehe nicht immer allein von Autofahrern aus. Radfahrer seien im Gegensatz zu diesen jedoch ungeschĂŒtzt unterwegs und dadurch weitaus gefĂ€hrdeter. Sie gerieten selbst aufgrund von Verhalten in Gefahr, das möglicherweise zunĂ€chst gar nicht aggressiv gemeint sei - wie etwa zu nahes Überholen. "Schlimm wird es, wenn daraus Aktionen resultieren wie besonders enges Schneiden oder Ausbremsen." Auch Handgreiflichkeiten kĂ€men hĂ€ufiger vor als frĂŒher.

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Im Straßenverkehr mache sich "eine generelle gesellschaftliche Entwicklung zu individualistischer Betrachtung der Wirklichkeit" bemerkbar, sagt der Experte. Wegen des sehr dichten Verkehrs werde das BedĂŒrfnis, voranzukommen, stĂ€ndig von anderen unterbrochen. Aus Sicht des Autofahrers enge der zunehmende Radverkehr den zur VerfĂŒgung stehenden Raum noch mehr ein. "Das fĂŒhrt zu stĂ€ndigem Frust und der entlĂ€dt sich gelegentlich", sagt Brockmann.

Die Abstandsregeln beim Überholen von Radfahrern sind neu geregelt worden. Innerorts muss dies mindestens mit 1,5 Metern Abstand geschehen, 2 Meter sind es außerorts. Ende Januar eskalierte ein Streit darĂŒber in der NĂ€he von Mörfelden-Waldorf (Kreis Groß-Gerau). Nach Polizeiangaben verletzte ein Rennradfahrer einen Autofahrer mit SchlĂ€gen gegen den Kopf, da er den Sicherheitsabstand beim Überholen auf einer Bundesstraße nicht eingehalten habe. Die Sichtweise des Rennradfahrers zu dem Fall ist nicht bekannt - er fuhr davon.

Aufmerksamkeit fĂŒr das Problem schaffen

Radfahrerinnen und Radfahrer teilen ihre Erfahrungen unter dem Hashtag "motorisierteGewalt" in sozialen Netzwerken. Videos zeigen Autofahrer, die ihnen die Vorfahrt nehmen, sie schneiden und gefÀhrlich bedrÀngen. Auch UnfÀlle sind dokumentiert.

FĂŒr große Aufmerksamkeit gesorgt hat vergangenen November ein Fall aus dem Siegerland. Ein SUV-Fahrer machte regelrecht Jagd auf zwei Radfahrer, versuchte sie auszubremsen und stieg auch aus, um sie anzugehen. Einer der MĂ€nner filmte den Fall, der sich im Internet verbreitete. Auch hier ging es um den Sicherheitsabstand beim Überholen. Der SUV-Fahrer habe sie viel zu knapp ĂŒberholt, darĂŒber hĂ€tten sie geschimpft und gestikuliert, sagte einer der Radfahrer. Daraufhin bremste der Mann scharf vor ihnen ab.

Katja W. hat die beiden Autofahrer wegen Nötigung und Beleidigung angezeigt. In einem Fall wartet sie noch auf die Entscheidung, im anderen Fall wurde sie auf den Weg einer Privatklage verwiesen, da der Autofahrer nach Mitteilung der Amtsanwaltschaft eine Nötigung bestritt und erklĂ€rte, er sei selbst auch beleidigt worden. Katja W. ist seitdem mit Kamera auf dem Helm unterwegs, um in einem etwaigen nĂ€chsten Fall genĂŒgend Beweise zu haben. Ansgar Hegerfeld hat bereits sechs Anzeigen wegen Beleidigung und Nötigung gestellt, bisher ohne Erfolg. "Es gibt ein Vollzugsdefizit", sagt er.

Der ADFC rate bei entsprechenden Anfragen dennoch zur Anzeige, da die FĂ€lle so dokumentiert seien. "Dann kann niemand sagen, es gibt das Problem nicht." Von den Kommunen fordert Hegerfeld eine bessere Kennzeichnung der Straßen, um - auch fĂŒr Autofahrer - nachvollziehbarer zu machen, wo Radfahrer fahren dĂŒrften. Viele hĂ€tten Angst, aufs Fahrrad zu steigen. Das sei problematisch. Alle Menschen sollten sicher mit dem Rad fahren können. Dazu mĂŒssten die Verkehrsregeln eingehalten werden.

Im Fall aus dem Siegerland ist der Autofahrer mittlerweile angeklagt worden. Ihm wird gefĂ€hrlicher Eingriff in den Straßenverkehr, versuchte gefĂ€hrliche Körperverletzung und Nötigung vorgeworfen.

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