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Hohe Grafikkarten-Nachfrage treibt PC-Preise nach oben

dpa-tmn, Dominik Schott

22.05.2018Lesedauer: 3 Min.
Ein Laptop ist mit einer Nvidia-Grafikkarte ausgestattet: FĂŒr eine gute Leistung mĂŒssen Nutzer tief in die Tasche greifen.
Ein Laptop ist mit einer Nvidia-Grafikkarte ausgestattet: FĂŒr eine gute Leistung mĂŒssen Nutzer tief in die Tasche greifen. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa-bilder)
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Die Preise von Grafikkarten kennen seit vielen Monaten nur noch eine Richtung: aufwÀrts. Dadurch werden auch leistungsfÀhige Heimcomputer teurer. Was steckt dahinter und wann lohnt sich der Kauf trotzdem?

Dass ein leistungsfĂ€higer Desktop-PC nicht gerade gĂŒnstig ist, ĂŒberrascht nicht. Doch seit geraumer Zeit hat sich der Neukauf eines Rechners zu einem ganz besonders kostspieligen Unterfangen entwickelt. Der Grund: Die Preise fĂŒr Grafikkarten befinden sich im Höhenflug und ĂŒbersteigen bei vielen Modellen den ursprĂŒnglichen Kostenpunkt mittlerweile um das Zwei- bis Vierfache.

Martin Fischer vom Fachportal "Heise Online" hat vor allem einen Grund fĂŒr die Preisspirale identifiziert: Kryptomining, also das Erzeugen von KryptowĂ€hrungen wie Ethereum oder Bitcoin, die zeitweise schon wertvoller als Gold waren. "Weil man diese wertvolle KryptowĂ€hrung mit eigener Hardware schĂŒrfen kann, haben sich viele Menschen dazu entschieden, genau das zu tun", erklĂ€rt Fischer. Alles, was man dazu braucht, sind Grafikkarten.

Produktion von festgelegten Mengen

Vor allem in Ostasien haben sich Fischer zufolge industrieartige Anlagen gebildet, die Tausende Grafikkarten schĂŒrfen lassen. Schnell lernen die sogenannten Kryptofarmen, dass einige Modelle besser geeignet sind als andere. "Ideale Grafikkarten mĂŒssen eine gewisse Rechenleistung bieten, damit die Kryptoeinheiten relativ flott erzeugt werden können", sagt der Experte. "Gleichzeitig dĂŒrfen sie keine allzu hohe Leistungsaufnahme haben, weil das den Stromverbrauch hochtreibt, wenn viele Grafikkarten zusammengeschaltet werden."

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Das fĂŒhrt dazu, dass Farmen mit ihren GroßeinkĂ€ufen fĂŒr EngpĂ€sse auf dem Markt sorgen und die Preise steigen können. "Das Problem dabei ist natĂŒrlich, dass es nur eine endliche Zahl von Grafikkarten und Chips gibt, die auf dem Markt sind", fĂŒhrt Fischer aus. "Die Hersteller AMD und Nvidia produzieren festgelegte Mengen, die vorher genau kalkuliert und an der Nachfrage orientiert werden." Die riesige Nachfrage habe dazu gefĂŒhrt, dass die Karten teurer wurden und ihre VerfĂŒgbarkeit deutlich abnahm.

"Nicht absehbar, dass es billiger wird"

Doch Kryptomining trĂ€gt nicht die alleinige Schuld an der Verteuerung. Wie Fischer erklĂ€rt, habe sich zudem einer der beiden grĂ¶ĂŸten Grafikkarten-Hersteller quasi selbst ein Bein gestellt: "AMD veröffentlichte im August 2017 eine neue Grafikkartenserie namens Radeon RX Vega. Diese Karten haben eine besondere Speichertechnik namens High Bandwith Memory (HBM), die die Speicherchips nicht mehr nebeneinander anordnet, sondern ĂŒbereinander stapelt, was die Leistung der Karten erhört."

Das sei zwar eine spannende Technik, aber die Hersteller von HBM-Speicher konnten nicht so schnell produzieren, wie es fĂŒr die Massenproduktion dieser AMD-Grafikkarten notwendig gewesen wĂ€re, erklĂ€rt Fischer. "Insgesamt hatte das zur Folge, dass beispielsweise die Grafikkarte Radeon RX Vega 56 fĂŒr einen Preis von 400 Euro angesetzt wurde." TatsĂ€chlich liegt der Einstiegspreis nun aber bei 620 Euro – 55 Prozent mehr also. "Und da ist auch nicht absehbar, dass das deutlich billiger wird", so Fischer weiter.

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LeistungsfÀhigste Modelle kaufen

Dass es zu einfach wĂ€re, die GrĂŒnde fĂŒr die Verteuerung der Grafikkarten allein aufs Kryptomining zu schieben, denkt auch Alan Priestly vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Er verweist etwa auf die Weiterentwicklung von Computerspielen, die zunehmend höhere Anforderungen stellen: "Die Auflösungen steigen, die Bildschirme werden grĂ¶ĂŸer, die angezeigten Bilder pro Sekunde schießen in die Höhe. Um das ordentlich darzustellen, braucht man leistungsfĂ€hige Grafikkarten – und die sind nun mal teurer als die alten Modelle."

Trotzdem kann sich etwa Martin Fischer durchaus vorstellen, dass die Preise der Grafikkarten wieder sinken, wenn das Kryptomining an eine unweigerliche Grenze stĂ¶ĂŸt: "Die Frage ist, wie es mit dem Ethereum-Kurs weitergeht. Bei Bitcoin war der SchĂŒrfenthusiasmus anfangs sehr hoch, und irgendwann hat die Leistung der Grafikkarten nicht mehr ausgereicht, damit man lohnend Bitcoins schĂŒrfen konnte, weil die Berechnungen immer komplexer werden mussten, um neue Einheiten zu finden. Das wird bei Ethereum Ă€hnlich sein."

Bis es so weit ist, rÀt Marktforscher Priestly: "Greifen Sie wenn möglich tief in die Tasche und kaufen Sie direkt das leistungsfÀhigste Modell, das Sie sich leisten können. Das ist zwar teuer, so haben Sie aber auch eine Grafikkarte mit möglichst hoher Halbwertszeit."

Empfehlenswerte Grafikkarten
Martin Fischer vom Fachportal "Heise Online" empfiehlt Spielern, wegen des Preis-Leistungs-VerhÀltnisses derzeit eher auf Grafikkarten des Herstellers Nvidia zu schauen: "Wenn Sie in Full HD spielen, also mit normaler Fernsehauflösung, dann kommen Sie mit einer Geforce GTX 1050 TI oder einer GTX 1060 gut weiter. Die 1050 TI schafft es ganz ordentlich, Full HD anzuzeigen, vielleicht nicht mit kompletter Detailstufe, aber damit fÀhrt man preis-leistungstechnisch sehr gut."
Wer bereits im Bereich der 4K-Auflösung unterwegs ist, muss entsprechend tiefer in den Geldbeutel greifen. "Wenn Sie jetzt mit voller Detailstufe die Spiele wiedergeben wollen, dann mĂŒssen Sie schon mit 600 Euro rechnen", sagt Fischer. Das wĂ€re dann zum Beispiel die Geforce GTX 1080 oder 1080 TI. "Wenn Sie auf einige Details verzichten können, dann empfehle ich die GTX 1070, eine Alleskönnerkarte, die momentan aber auch noch um die 450 Euro kostet."

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