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"Wolfenstein Youngblood" im Test: Hakenkreuze machen das Spiel nicht besser

"Wolfenstein: Youngblood" im Test  

Hakenkreuze machen das Spiel nicht besser

Von Ali Vahid Roodsari

13.08.2019, 12:57 Uhr
"Wolfenstein Youngblood" im Test: Hakenkreuze machen das Spiel nicht besser. Jessi und Sophia Blazkowicz: In "Wolfenstein: Youngblood" suchen die Schwestern nach ihrem Vater.  (Quelle: bethesda.net)

Jessi und Sophia Blazkowicz: In "Wolfenstein: Youngblood" suchen die Schwestern nach ihrem Vater. (Quelle: bethesda.net)

"Wolfenstein: Youngblood" ist das erste Spiel der "Wolfenstein"-Reihe, das auch in Deutschland Hakenkreuze zeigen darf. Daneben verspricht es viel Action im Kampf gegen Nazis. Im Test enttäuscht das Game in mehreren Punkten.

Hakenkreuze: Damit machte "Wolfenstein: Youngblood" auch abseits der Gaming-Presse Schlagzeilen. Denn als erster Teil der "Wolfenstein"-Reihe erscheint "Youngblood" in Deutschland mit verfassungsfeindlichen Symbolen.

Was für Medien wie Bücher, Filme oder Serien in Deutschland fast ausnahmslos erlaubt ist, war in Spielen bisher verpönt. Kam es dennoch vor, erhielt das Game in Deutschland keine Altersfreigabe oder landete auf dem Index. "Youngblood"-Vorgänger "Wolfenstein II: The New Colossus" von 2017 entfernte darum nicht nur verfassungsfeindliche Symbole, sondern auch Hinweise auf den Holocaust. Aus Nazis wurde das "Regime" und aus Hitler "Herr Heiler". Viele Nutzer kritisierten das Ergebnis als krasse Geschichtsverzerrung.

Doch seit 2018 gilt auch für Spiele die Sozialadäquanzklausel. Die erlaubt Games, was bisher anderen Medien vorbehalten war: Das Zeigen von Hakenkreuzen und Co. Davon profitiert "Wolfenstein: Youngblood". Das Spiel will dabei nicht nur mit seiner Atmosphäre beeindrucken, sondern verspricht auch ein "offenes Spiel-Erlebnis" und "100 % Action und Effekte". Im Test zeigt sich "Youngblood" als ordentlicher Action-Shooter, aber schwächelt in mehreren Punkten – und wird vor allem langjährige "Wolfenstein"-Fans enttäuschen.

"Wolfenstein: Youngblood" erscheint in Deutschland in zwei Versionen: Einer deutschen und einer internationalen Fassung. Die deutsche Version besitzt eine deutsche Sprachausgabe, aber keine verfassungsfeindlichen Symbole. Die internationale Version zeigt verfassungsfeindliche Symbole, bietet aber nur eine englische Sprachausgabe. Dieser Artikel behandelt die deutsche Version des Spiels. Die internationale Fassung wurde ebenfalls begutachtet.

Schwestern gegen Nazis

"Youngblood" führt die Geschichte des Vorgängers fort: Die Nazis haben in einer alternativen Realität den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Der Widerstand mit Hauptfigur B.J. Blazkowicz konnte das Dritte Reich aber vom amerikanischen Kontinent vertreiben.

"Youngblood" spielt dabei in den 80er-Jahren. Spieler schlüpfen in die Rolle einer der Zwillingstöchter von Blazkowicz: Jessi und Sophia. Die andere Figur übernimmt entweder der Computer oder ein Online-Mitspieler. Die Schwestern begeben sich auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater mit ihrer Hacker-Freundin Abby in das Nazi-besetzte Neu-Paris und schließen sich dem dortigen Widerstand an. In der deutschen Version traut sich das Spiel gelegentlich sogar, Wörter wie "Nazis" zu nutzen. Schlüsselbegriffe wie "Hitler" bleiben aber verändert.

Schnelles Geballer in Neu-Paris

Kurz nach dem Intro beginnt die Action und die Schwestern töten ihren ersten Nazi. Ein Tutorial fehlt, Spielern wird das Game lediglich mithilfe von Informationen auf Minicomputern erklärt. Wer aber schnelles Geballer sucht, wird mit dem Spiel anfangs seine Freude haben: "Youngblood" schmeißt Spielern viele Gegner entgegen und untermalt das Ganze mit einem Feuerwerk aus Kugelhagel und Explosionen. Ein szenisches und atmosphärisch gut umgesetztes Paris der 80er-Jahre mit futuristischem Touch lädt zum Erkunden ein.

Spieler können dabei auf 13 Waffen und verschiedene Fähigkeiten im Kampf gegen Nazis zurückgreifen. Auch können die Schwestern Level aufsteigen und Münzen in der Spielewelt sammeln. Damit lassen sich Fähigkeiten ausbauen oder Waffen verbessern.

Auch soundtechnisch kann "Youngblood" überzeugen: Die Waffen rattern und knarzen vor sich hin, Roboter quietschen und ächzen und Explosionen lassen die Boxen dröhnen. Die deutschen Sprecher gaben sich sichtlich Mühe, sodass die Dialoge in ihrer Betonung glaubhaft wirken. Neue Soundtracks sind Mangelware. Fans der "Wolfenstein"-Teile können sich aber an 80er-Remixes von Klassikern wie "Mond, Mond, Ja, Ja" erfreuen.

Auch gut: An Arcade-Automaten im Widerstandsversteck können Spieler eine alternative Version des Klassikers "Wolfenstein 3D" von 1992 spielen. Zuweilen kann das sogar unterhaltsamer sein als "Youngblood" selbst.

Lahme Geschichte und wiederholende Level

Und das hat verschiedene Gründe. Zum einen die Hauptgeschichte. Die wird durch wenige Zwischensequenzen erzählt, startet vielversprechend, flacht aber bereits nach wenigen Minuten ab. Dabei reiht sich Logikfehler an Logikfehler und das Ganze wirkt am Ende dermaßen lächerlich, dass die Story für die geistige Gesundheit auch getrost wieder vergessen werden kann. Tiefsinniger sind da die Fundstücke, die in Neu-Paris verteilt sind und die Spieler sammeln können. So wie Zeitungsberichte oder Kassettenaufnahmen mit Hintergrundinformationen und Easter Eggs.

Ab dem Hauptquartier des Widerstands dürfen sich Spieler frei entscheiden, welche Mission sie als nächstes starten wollen. Hackerin Abby liefert dabei während einer Mission zufällig Nebenaufgaben, die sich aber wiederholen und auch recht eintönig sind. Dasselbe gilt für die Levels: Es gibt einige wenige, in die Spieler immer wieder geworfen werden. Hier hat man schnell alles gesehen.

Auch nervig: Wer ein Gebiet von Nazis geräumt hat, muss wenige Minuten später die gleichen Gegner erneut bekämpfen. Das Spiel lässt Feinde nämlich oft und gerne respawnen. Irgendwann erwischt sich jeder dabei, durch die aufgeschreckten Gegnerhorden zum nächsten Missionsziel zu rennen, um nicht zum wiederholten Male seine Zeit mit Geballer zu verschwenden.

Mehr Spaß mit Partner

Im Einzelspieler-Modus übernimmt der Computer die Rolle einer Schwester. Die Figuren teilen sich dabei maximal drei gemeinsame Leben: Stirbt eine Schwester, stirbt die andere mit. Die KI erweist sich aber in vielen Fällen als recht nützlich und belebt Spieler brav wieder. Manchmal hat sie aber Aussetzer, kommt nicht hinterher oder ignoriert Hilfeschreie. Vor allem in Bosskämpfen neigt sie dazu, oft zu sterben. Spieler müssen darum entweder zur Hilfe eilen oder ein gemeinsames Leben opfern. Doch wer alle Leben verliert, muss ein Level neustarten. Den Spielstand zu speichern geht nicht. 

Nutzer der Deluxe-Version können kostenlos einen Freund zum Spielen einladen. "Youngblood" macht im Koop-Modus mehr Spaß als allein – und vor allem deutlich mehr als mit zufälligen Partner. Mit Kommunikationsmöglichkeiten außer einem Sprachchat und der Option "Gegner markieren" geizt "Youngblood" nämlich. Wer Pech hat, erwischt also einen Mitspieler, der Teamwork ignoriert und sich im Level alleine austobt.

Fazit

"Wolfenstein: Youngblood" ist an sich ein passabler Action-Shooter mit einigen Rollenspielelementen. Jedoch ist das Gameplay recht repetitiv, was schnell nerven kann. Dabei hilft es nicht, dass auch deutsche Spieler legal Hakenkreuze anschauen dürfen. Das ganze Szenario wirkt damit zwar bedrohlicher, besser macht es das Gameplay aber nicht.


Und: Wer ein neues "Wolfenstein" sucht, wird hier enttäuscht. Zwar spielt "Youngblood" im gleichen Universum, die Storyline ist von der Inszenierung oder Komplexität aber nicht mit den Vorgängern vergleichbar. Mit knapp zehn Stunden Spielzeit für die Hauptmissionen ist das Game auch recht kurz. Wer möchte, kann nach Spielende aber immer noch Aufgaben in Neu-Paris ausführen. Was bleibt, ist ein unterhaltsames Action-Geballer für Zwischendurch, auf das "Wolfenstein"-Fans aber verzichten können.

"Wolfenstein: Youngblood" ist seit dem 26. Juli für PC, PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch erhältlich.

Hinweis: Für diesen Test wurde dem Redakteur ein digitaler Schlüssel für die deutsche Deluxe-Version von "Wolfenstein: Youngblood" von Bethesda zur Verfügung gestellt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen

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