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"K├Ânig der Schadsoftware" Emotet ist entmachtet

Von dpa
27.01.2021Lesedauer: 2 Min.
Die Infrastruktur des vor allem vom organisierten Verbrechen genutzten Systems Emotet sei nun unter Kontrolle, teilte Europol mit.
Die Infrastruktur des vor allem vom organisierten Verbrechen genutzten Systems Emotet sei nun unter Kontrolle, teilte Europol mit. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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Den Haag/Wiesbaden (dpa) - Eine internationale Ermittlergruppe hat nach eigenen Angaben die kriminelle Software "Emotet" unsch├Ądlich gemacht.

Die Polizeibeh├Ârde Europol teilte in Den Haag mit, die weltweite Infrastruktur auf mehreren hundert Rechnern sei zun├Ąchst unter Kontrolle gebracht und dann zerst├Ârt worden. Der Einsatz habe mehr als zwei Jahre gedauert. Er sei unter deutscher und niederl├Ąndischer Leitung mit Ermittlern aus acht L├Ąndern durchgef├╝hrt worden. Der Einsatz war von Europol und Eurojust koordiniert worden. Mit Hinweis auf andauernde Ermittlungen ├Ąu├čerte sich Europol nicht zu m├Âglichen Festnahmen.

Die Software "Emotet" wurde von Kriminellen f├╝r sogenannte Cyber-Angriffe eingesetzt. Versteckt in einem unscheinbaren Word-Dokument, h├Ąufig getarnt als harmlos wirkender Anhang einer E-Mail oder auch als Link, brach sie in Computernetzwerke ein und er├Âffnete die M├Âglichkeit, sensible Daten zu kopieren oder zu blockieren. Die T├Ąter erpressten damit Unternehmen und Beh├Ârden. Auch viele privaten Computernutzer tappten in die Emotet-Falle.

Allein in Deutschland verzeichnete das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden einen Schaden von 14,5 Millionen Euro. Betroffen waren etwa das Kammergericht Berlin, die Stadtverwaltung Frankfurt am Main und das Klinikum F├╝rth.

Die ukrainische Staatsanwaltschaft teilte in Kiew mit, dass dort mehrere Personen festgenommen worden seien. Der Gesamtschaden in den getroffenen L├Ąndern wurde auf 2,5 Milliarden US-Dollar beziffert, umgerechnet also etwa 2,1 Milliarden Euro.

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In Deutschland wurden 17 Server beschlagnahmt, wie das BKA mitteilte. Die Ermittler sprachen von "einem bedeutenden Schlag gegen die international organisierte Internetkriminalit├Ąt und zugleich eine wesentliche Verbesserung der Cybersicherheit in Deutschland".

Emotet war eines der "gef├Ąhrlichsten Instrumente f├╝r Cyber-Attacken" der letzten Jahre, sagte eine Sprecherin von Europol. Zuerst war es 2014 als sogenannter Trojaner aufgetaucht, eine Schadsoftware, die sich als n├╝tzliche Datei tarnt. "Die Emotet-Infrastruktur funktionierte im Kern wie ein erster T├╝r├Âffner in Computer-Systeme auf weltweiter Ebene", so die Beh├Ârde. "Das System konnte auf einzigartige Weise ganze Netzwerke infizieren nur durch den Zugang zu ein paar wenigen Ger├Ąten."

Sobald der illegale Zugang gelungen war, wurde dieser an Cyber-Kriminelle verkauft. Diese konnten wiederum eigene Trojaner einschleusen, um etwa an Bank-Daten zu gelangen, erbeutete Daten weiterzuverkaufen oder aber L├Âsegeld f├╝r blockierte Daten zu erpressen. Die Malware war etwa versteckt in gef├Ąlschten Rechnungen, Lieferank├╝ndigungen oder angeblichen Informationen ├╝ber Covid-19. Wenn der Nutzer aber auf den angegeben Link klickte oder den Anhang ├Âffnete, installierte sich die Malware selbst und verbreitete sich rasend schnell.

Zur Zerschlagung der Emotet-Infrastruktur erkl├Ąrte Arne Sch├Ânbohm, Pr├Ąsident des BSI (Bundesamt f├╝r Sicherheit in der Informationstechnik) in Bonn: "Vor bald drei Jahren bereits war es das BSI, das Emotet als "K├Ânig der Schadsoftware" bezeichnet hatte. Seitdem haben wir immer wieder eindringlich vor der Gef├Ąhrdung durch Emotet gewarnt und auf die teils erheblichen Folgen f├╝r Unternehmen, Beh├Ârden, Institutionen und nicht zuletzt auch f├╝r die B├╝rgerinnen und B├╝rger hingewiesen." Zehntausende Rechner von Privatpersonen seien mit Emotet infiziert worden, mit der Folge, dass das Online-Banking manipuliert oder Passw├Ârter ausspioniert wurden. Das BSI habe damit begonnen, zusammen mit Providern in Deutschland die betroffenen Anwender zu informieren, damit diese ihre infizierten Computer und Laptops bereinigen k├Ânnen.

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