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Elon Musk übernimmt Twitter: Jetzt hat der Tesla-Chef Probleme


Jetzt hat Musk Probleme

Ein Kommentar von Falk Steiner

Aktualisiert am 28.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Tesla-Chef Elon Musk (Archivbild): Bei Twitter hat er sich verrechnet. (Quelle: Andrew Kelly/Reuters)
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Elon Musk hat Twitter nun am Bein – und damit mehr als ein Problem. Ob die Nutzer jetzt scharenweise die Plattform verlassen? Kaum. Denn ihre Alternativen sind mäßig.

Elon Musk ist der Superstar unserer Zeit. Exzentrisch, egozentrisch, ein ausgeflippter Typ. Das macht ihn für viele Menschen interessant. Obendrein ist er ein überaus erfolgreicher Unternehmer, der seine Visionen in die Tat umsetzt. Die Automobilbranche hat er mit Tesla und den Weltraumverkehr mit SpaceX gründlich umgekrempelt, allen Unkenrufen der bisherigen Platzhirsche der Branchen zum Trotz. Sie spotteten, dass Musk keine Ahnung habe, daher keine Chance und seine Unternehmen auch keine Zukunft. Jetzt sind sie still. Musk muss Kritik nicht anfechten.

Trotzdem ist der Kauf von Twitter für den Mondpreis von 44 Milliarden US-Dollar ein schlechtes Geschäft. Musk kann es sich zwar durchaus leisten. Die Milliarden, die der Tesla-Chef in Aktien hält, reichen locker aus, um den Deal zu ermöglichen.

War der Twitter-Deal ein unkluger Impulskauf des Milliardärs?

Doch seit die Übernahmesaga begann, wirkt alles danach, als sei Musk einem Impulskauf erlegen. Musk war unzufrieden damit, wie die Plattform in die nahezu grenzenlose Meinungsfreiheit nach amerikanischem Modell eingriff. Insbesondere dass der Account von Ex-Präsident Donald Trump infolge der Angriffe auf das Kapitol in Washington gesperrt wurde, missfiel dem Milliardär.

Doch Musk hat selbst bislang keine konkrete Vision für Twitter aufzeigen können, die Plattform, die seit über einem Jahrzehnt zwar beliebt ist, aber wirtschaftlich enttäuscht. Das hat auch viel mit dem bisherigen Management zu tun. Der große Erfolg war von den Gründern so gar nicht geplant, sondern eher ein Zufall. Was sie über die Jahre aber richtig machten: Das Grundkonzept beizubehalten. Twitter wirkte nie ganz so auf Gewinn getrimmt wie die anderen Anbieter, war immer etwas sympathisch dilettantisch, spielerisch, chaotisch statt so durchgeplant wie das Reißbrettprodukt Facebook.

(Quelle: t-online / statista)

Immer wieder versuchten die Gründer, Twitter zu einem profitablen Unternehmen zu machen, wie die Investoren es verlangten – und scheiterten damit. Ob die Kopie von Instagram-Features, Livevideos, Circles, Communities: Stetig wurden neue Modelle ausprobiert, die meisten von Facebook, TikTok oder Instagram inspiriert. Fast alle davon verschwanden über kurz oder lang, weil sie von den Nutzern nicht akzeptiert wurden. Aber die eigentlich naheliegendste Option zum Geldverdienen, Nutzer zum Bezahlen des Dienstes heranzuziehen, vollzog Twitter nie.

Man darf gespannt sein, ob sich das nun ändert. Musk trimmt seine Unternehmen mit hohen Investitionssummen auf Wirtschaftlichkeit: Er geht in Vorleistung. Wie das aber bei Twitter aussehen könnte, ist bislang vollkommen unklar geblieben. Chief Twit, so nennt sich Musk jetzt in seiner Twitter-Biografie. Der Vogel sei nun befreit, schrieb er am Morgen.

Europäische Gesetze könnten Musks Twitter-Pläne vereiteln

Doch in den vergangenen Monaten bekam Musk bereits einen Vorgeschmack davon, wo die Grenzen der Freiheit liegen werden: EU-Kommissar Thierry Breton traf sich mit Musk, um ihm zu erläutern, welche Pflichten etwa die EU in den kommenden Jahren der Plattform auferlegen wird – insbesondere dann, wenn es um strafbare Äußerungen auf Twitter geht.

Wie Riesenkonzerne wie Twitter oder Facebook unsere Gesellschaft verändern, hören Sie in dieser Podcast-Folge mit Claus Kleber

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Musk, sonst gerne lautstark, gab sich brav und konziliant: Man sei auf derselben Seite; alles, was gut für Europa sei, das seine Unternehmen tun könnten, wolle er tun. Die 450 Millionen potenziellen Nutzer in der EU mit ihrer Finanzkraft, das weiß der Milliardär, darf er nicht verprellen – und die Gesetzeslage nicht ignorieren.

Musk muss sich darauf einstellen, dass Twitter nicht nach seinem persönlichen Geschmack funktionieren wird. Und so versicherte er am Donnerstag den Anzeigenkunden schnell, dass auch mit ihm Twitter keine Gesetzlosigkeitshölle werde, bei der alles gesagt werden dürfe.

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Der Kauf fällt auch ausgerechnet mit miserablen Quartalszahlen der direkten Konkurrenz von Meta zusammen – Facebook und Instagram verlieren ihren Nimbus als immer weiterwachsende Geldmaschinen, denen Twitter eigentlich nacheifern könnte. Meta führt das unter anderem auf verschärfte Regularien zurück.

Donald Trump: Im Moment ist der Ex-Präsident noch von der Plattform verbannt. Doch er könnte bald wieder fleißig twittern.
Donald Trump: Im Moment ist der Ex-Präsident noch von der Plattform verbannt. Doch er könnte bald wieder fleißig twittern. (Quelle: t-online / Statista)

Doch Musk ist eben Musk, ein impulsiver Alleinherrscher, dessen Aktionen immer wieder irritieren. Und so überlegen derzeit viele Nutzer, zu alternativen Anbietern abzuwandern. Mastodon und seine Verwandten im sogenannten "Fediverse" werden seit Jahren von Fachleuten und seit Monaten auch von einer steigenden Anzahl von Nutzern als Alternativen empfohlen.

Auch Twitternutzer haben bislang keine echte Alternative zur Plattform

Doch die Probleme, die Twitter aus Nutzerperspektive hat, gibt es dort auch – gegen Hass, Hetze, Verleumdungen und Verwirrte hilft dieser Umzug gar nichts. Zudem mangelt es dort bislang an der kritischen Nutzermasse: Bei Mastodon und Konsorten sind schlicht zu wenig Menschen und zu wenig spannende Inhalte, um die Plattform wie Twitter nutzen zu können.

Das könnte sich noch ändern, doch bislang war dort – abgesehen von einsamen Tweets einiger Datenschutzbeauftragter, die Twitter aus beruflichen Gründen meiden – nichts los.

Und so stehen jetzt beide Seiten vor einem Problem: Musk zahlt eine enorme Summe für ein Unternehmen, das kein funktionierendes Geschäftsmodell hat. Ohne genau zu wissen, was da auf ihn zukommt. Und die Twitternutzer müssen sich überlegen, ob sie auf einer Plattform bleiben wollen, deren Chef ein ziemlich bunter Vogel ist und jederzeit den Stecker ziehen könnte.

Doch das Haus, in das man umziehen könnte, ist derzeit noch ein Rohbau. Keine gute Situation – und schade wäre es um Twitter trotz aller Probleme der Plattform und ihrer teils toxischen Inhalte allemal. Denn mit einem hat Musk recht: Ein Marktplatz, auf dem die Gesellschaften miteinander in Kontakt sind, ist wichtig.

Aber derzeit deutet vieles darauf hin, dass Musk versuchen wird, daraus eher einen privaten Parkplatz für seine Ideen zu machen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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