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250.000 Euro Datenschutz-Strafe: Spanische Fußballliga spionierte Fans per App aus

250.000 Euro Strafe  

Spanische Fußballliga belauschte Millionen Fans per App

12.06.2019, 13:20 Uhr | str, t-online.de

250.000 Euro Datenschutz-Strafe: Spanische Fußballliga spionierte Fans per App aus. Fankurve des FC Barcelona bei einem Spiel der spanischen Liga: Der Verband soll seine Fans per App belauscht haben. (Quelle: AP/dpa/Manu Fernandez)

Fankurve des FC Barcelona bei einem Spiel der spanischen Liga: Der Verband soll seine Fans per App belauscht haben. (Quelle: Manu Fernandez/AP/dpa)

Über eine App, die das Mikrofon der Smartphones anzapft, wollte die spanische Fußballliga illegale Zuschauer aufspüren. Der Lauschangriff auf die Fans flog auf, als der Verband die Datenschutzerklärung aktualisierte. Jetzt muss er Strafe zahlen und die App löschen.  

Die spanische Datenschutzbehörde AEPD hat ein Bußgeld gegen die spanische Fußball-Liga "La Liga" verhängt, weil diese im Kampf gegen nicht lizensierte Fußballkneipen mehr als vier Millionen Fans illegal per App ausspioniert haben soll. Wie aufmerksame Leser der Datenschutzvereinbarung der offiziellen Liga-App bereits 2018 bemerkten, verlangte der Anbieter unter anderem Zugriff auf das Smartphone-Mikrofon der Nutzer.

Als Begründung für die Datenabfrage wurde unter anderem der Kampf gegen Pay-TV-Betrug genannt. Denn immer wieder prellen Sportkneipen und Übertragungsorte die Gebühr für die Lizenz, die zur öffentlichen Vorführung der Fußballturniere berechtigt. Nach Angaben der spanischen Liga entsteht dadurch ein jährlicher Schaden von 400 Millionen Euro. 

Um den "Zechprellern" auf die Spur zu kommen, zapfte die Liga-App die Smartphone-Mikros der Nutzer an. Anhand des Audio-Signals kann ermittelt werden, ob im Hintergrund gerade das Spiel läuft. Gleichzeitig wird der Standort des Nutzers mit den Informationen über bereits lizensierte Übertragungsorte verglichen. Nicht lizensierte Lokale werden automatisch an den App-Betreiber gemeldet. 

Spitzel für wirtschaftliche Interessen

Die App-Nutzer sollen gegen ihr Wissen als Spitzel für die wirtschaftlichen Interessen der Liga eingespannt worden sein, so der Vorwurf der Datenschützer. Nur durch Zufall wurde dieser Umstand aufgedeckt.

Vor der Einführung der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) war in der Nutzungsvereinbarung nämlich nur vage von "Publikumsanalysen" die Rede gewesen. Erst im Zuge der DSGVO wurde der wahre Zweck konkretisiert. Rechtsexperten hatten die Klausel entdeckt und vor einem Jahr auf Twitter öffentlich gemacht. 

Die spanische Datenschutzbehörde wertete das Vorgehen von "La Liga" jetzt als Verstoß gegen die geltenden Transparenzregeln und ordnete eine Strafe von 250.000 Euro an. Die App muss zudem bis zum 30. Juni entfernt werden.

Fußballverband wehrt sich

Der Fußballverband wies die Vorwürfe als "unbegründet" zurück und kündigte an, gegen die "unverhältnismäßige" Strafe in Berufung gehen zu wollen. Die Liga versicherte, immer "verantwortungsbewusst" und "im Einklang mit dem Gesetz" gehandelt zu haben. Die AEPD habe die zugrunde liegende Technologie der App grundsätzlich missverstanden. 



So aktiviere die App das Smartphone-Mikro nur zur Sendezeit der Ligaspiele. Es würden keine Gespräche oder zusammenhängende Audio-Dateien aufgezeichnet, sondern lediglich Fragmente. Diese werden zudem verschlüsselt und nach Mustern durchsucht, die mit dem Audio-Signal der tatsächlichen Spieleübertragung übereinstimmen. Die Privatsphäre der Nutzer sei gewährleistet. Nutzer können die Funktion zudem deaktivieren. Wie lange "La Liga" bereits auf diese Art nach Pay-TV-Betrügern fahndet, ist unklar. 

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst im Juni 2018 und wurde um die aktuellen Ereignisse ergänzt. 

Verwendete Quellen:

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