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Was sind CFDs? So funktioniert CFD-Trading – einfach erklärt


Differenzkontrakte  

Handel mit CFDs: Hohe Gewinne für hohes Risiko?

23.03.2021, 14:38 Uhr
Was sind CFDs? So funktioniert CFD-Trading – einfach erklärt. Mann vor einem Laptop (Symbolbild): Der Handel mit CFDs kann frustrierend sein. (Quelle: Getty Images/elenaleonova)

Mann vor einem Laptop (Symbolbild): Der Handel mit CFDs kann frustrierend sein. (Quelle: elenaleonova/Getty Images)

CFDs sind spezielle Finanzprodukte, bei denen Sie mit Ihrem Geld auf eine bestimmte Wertentwicklung setzen. Doch solche Verträge sind hochspekulativ. Wir erklären Ihnen, warum – und welche Alternative Sie haben.

Finanzprodukte erinnern normalerweise nicht an Pferderennen. Zu sogenannten CFDs oder Differenzkontrakten besteht jedoch eine gewisse Analogie. Denn ebenso wie bei Pferderennen schließen Sie bei CFDs eine Wette ab – und hoffen auf große Gewinne.

Doch wie funktionieren CFDs genau? Wie riskant sind sie wirklich? Und für wen sind CFDs geeignet? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was sind CFDs?

CFD steht für "Contract for Difference", zu deutsch "Differenzkontrakt". Dabei handelt es sich ein Finanzprodukt aus der Gruppe der Derivate, also um ein Wertpapier, dessen Preis sich von anderen Anlageklassen ableitet. Dieser sogenannte Basiswert nennt sich auch Underlying. Häufig sind Aktien der Basiswert von CFDs und anderen Derivaten. Man kann CFDs aber auch auf Anleihen, Rohstoffe, Indizes oder Kryptowährungen handeln.

Beim CFD-Handel schließen Sie mit dem Emittenten des CFDs, also dem Anbieter oder Herausgeber, eine Wette auf den Kursunterschied des zugrunde liegenden Basiswerts in der Zukunft ab. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • "Long" gehen: Sie können darauf spekulieren, dass der Basiswert im Kurs steigt. In der Fachsprache gehen Sie "long". Bei Vertragsende bekommen Sie die Differenz zwischen dem Kurswert bei Vertragsabschluss und dem aktuellen Kurswert von dem CFD-Emittenten ausbezahlt – sofern Ihre Annahme über einen steigenden Kurs zutreffend war. Andernfalls müssen Sie die Differenz zum Ausgangskurs zahlen, wenn der Kurs gefallen ist.
  • "Short" gehen: Wenn Sie erwarten, dass der Kurs des Basiswerts fällt, gehen Sie "short". In diesem Fall verkaufen Sie zunächst an den CFD-Emittenten ein CFD, das Sie später zu einem niedrigeren Kurs wieder zurückerwerben.

In beiden Fällen gilt: Ihre Erwartungen müssen sich einstellen, damit Sie Gewinn machen. Liegen Sie mit Ihrer Annahme falsch, machen Sie Verlust.

Welche Kosten beim CFD-Handel anfallen

Auf folgende Kosten sollten Sie beim Handel mit Differenzkontrakten achten:

  • Handelskosten: Der wichtigste Kostenpunkt. Die Handelskosten entstehen aus dem sogenannten Spread, also der Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs Ihrer jeweiligen CFD-Position.
  • Haltegebühren: Sie sollten darauf achten, ob Haltegebühren fällig werden, für den Fall, dass Sie eine CFD-Position über Nacht halten möchten.
  • Depotführung: Ein Depot bei einem Online-Broker zu führen, kostet Sie meist nichts. Doch es kann trotzdem sein, dass für bestimmte Services Gebühren erhoben werden, etwa Ein- und Auszahlungen.

Gut zu wissen: Achten Sie wegen der Haltegebühren auf die jeweiligen CFD-Handelszeiten an der Börse. Diese sind vom Basiswert des CFDs abhängig. So können deutsche Aktien-CFDs zwischen 9 und 17.30 Uhr MEZ gehandelt werden, amerikanische dagegen zwischen 15.30 und 22 Uhr MEZ. Außerbörslich ("Over-the-Counter") kann deutlich länger gehandelt werden.

Wie funktioniert der CFD-Handel?

Bei einem CFD hinterlegen Sie bei dem Emittenten zunächst nur eine Sicherheitsleistung, auch Margin genannt. Dadurch ergibt sich eine Hebelwirkung: Sie müssen nur eine relativ geringe Summe Geld einsetzen, um später bestenfalls einen deutlich höheren Ertrag zu kassieren.

Der Hebel berechnet sich, indem Sie 100 durch den Marginsatz teilen. So entsteht bei etwa bei einem Marginsatz von 20 Prozent ein Hebel von 5. Durch den Hebel können sowohl hohe Gewinne als auch hohe Verluste entstehen, wie folgendes Beispiel zeigt:

  • Ein Gewinnbeispiel:
    Marginsatz: 20 Prozent; Hebel: 5
    Nehmen wir an, dass der Basiswert eines Long-CFDs, etwa eine Aktie, am Markt 500 Euro kostet. Bei einem Marginsatz von 20 Prozent müssten Sie für den CFD also zunächst 100 Euro als Sicherheit auf Ihrem CFD-Konto einzahlen. Im Folgenden legt der Wert der Aktie gemäß Ihrer Erwartung zu, sodass der Kurs bis zum vereinbarten Laufzeitende bei 600 Euro liegt. Er ist also um 20 Prozent gestiegen. Dementsprechend steigt auch Ihr Hebel um 20 Prozent – Ihr Gewinn errechnet sich also folgendermaßen: 600 Euro minus 500 Euro = 100 Euro. Sie haben also Ihr eingesetztes Kapital verdoppelt.
  • Ein Verlustbeispiel:
    Marginsatz: 20 Prozent; Hebel: 5
    Für das Verlustbeispiel nehmen wir ebenfalls an, dass eine Aktie am Markt 500 Euro kostet. Bei einem Marginsatz von 20 Prozent müssten Sie für den CFD also zunächst 100 Euro als Sicherheit auf Ihrem CFD-Konto einzahlen. Nun sinkt der Kurs der Aktie jedoch um 100 Euro – entgegen Ihrer Erwartung. Sie sind davon ausgegangen, dass er steigt. Dementsprechend sinkt Ihr Hebel auch um 20 Prozent. Ihr Verlust beträgt also 100 Euro. Bei einem eingesetzter Sicherheitsleistung von 100 Euro haben Sie folglich einen Totalverlust erlitten.

Wie groß sind die Verluste mit CFDs?

Sehr groß. Der Grund liegt in dem Hebel, den CFDs haben. Nehmen wir das Beispiel einer Aktie: Wenn Sie eine Aktie für 500 Euro kaufen, können Sie bei einer Kurssteigerung von 1 Prozent einen Gewinn von 5 Euro erzielen. Sinkt der Wert der Aktie um 1 Prozent, machen Sie beim Verkauf der Aktie 5 Euro Verlust.

Anders sieht es aus, wenn Sie zum Gegenwert von 500 Euro Aktien-CFDs kaufen. Sie müssen bei einem Marginsatz von 20 Prozent nur 100 Euro einsetzen. Den restlichen Anteil übernimmt der CFD-Anbieter. Der Hebel entspricht 5, Sie hebeln also 2.500 Euro.

So können Sie bei einer Kursänderung von 1 Prozent 25 Euro Gewinn machen – aber auch 25 Euro Verlust. Der Gewinn oder Verlust geht von der hinterlegten Sicherheitsleistung ab.

Hohe Verluste kommen leicht zustande

Wenn der Hebel oder die Kursänderung nun größer ist, kann es schnell sein, dass Sie viel Geld verlieren. Denn Sie können nicht vorhersagen, wie sich die Kurse in Zukunft entwickeln werden.

Eine Nachschusspflicht gibt es hingegen bei CFDs nicht. Deshalb können Sie nur maximal Ihre hinterlegte Sicherheitsleistung, die Margin, verlieren.

Doch es gibt noch ein weiteres Risiko: So sind CFD-Anbieter oft nicht ausreichend gegen eine Insolvenz geschützt. Es könnte also sein, dass Sie Ihr komplettes eingesetztes Geld verlieren, wenn der Anbieter pleitegeht.

Wie kann ich CFD-Verluste steuerlich geltend machen?

Wenn Sie mit einem CFD Verluste gemacht haben – womit Sie rechnen müssen – können Sie diese immerhin steuerlich absetzen. Denn auf die Erträge mit CFDs zahlen Sie die sogenannte Abgeltungssteuer. Diese beträgt 25 Prozent plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Sollten Sie nun Verluste erlitten haben, können Sie diese in Ihrer Steuererklärung angeben. Das ergibt dann Sinn, wenn Sie Erträge aus anderen Kapitalanlagen – wie dem klassischen Aktienhandel – erzielt haben. In diesem Fall werden die Verluste mit den Gewinnen verrechnet. Sofern Ihre jährlichen Kapitalerträge unter dem Freibetrag von 801 Euro sind (1.602 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren), zahlen Sie überhaupt keine Steuern.

Wo liegen die Unterschiede zu Aktien?

Es gibt einige grundlegende Unterschiede von Aktien-CFDs zum Handel mit Aktien. Ein Überblick:

  • Werte: Während Sie beim Aktienhandel "echte" Werte kaufen, ist das bei CFDs nicht der Fall. Denn diese Differenzkontrakte sind Derivate – leiten sich also nur von einem Basiswert ab. Sie werden anders als beim Handel mit Aktien nicht zum Miteigentümer der Aktiengesellschaf. Dafür müssen Sie als Anleger jedoch weniger Kapital einsetzen. Denn ein Aktien-CFD ist deutlich günstiger als die eigentliche Aktie.
  • Mitbestimmung: Mit Aktien erwerben Sie einen Teil eines Unternehmens. Deshalb haben Sie auch ein Mitbestimmungsrecht auf Hauptversammlungen. Das ist bei CFDs nicht der Fall.
  • Handelsort: CFDs werden außerbörslich oder "über den Schalter", (Englisch: "Over the Counter" oder "OTC") gehandelt. Das bedeutet, Sie kaufen sie nicht bei einer Börse, sondern direkt bei einem CFD-Händler. Der außerbörsliche Handel ist nicht so stark reguliert wie der Börsenhandel, ergo sind Sie auch weniger geschützt.

Für wen sind CFDs geeignet?

CFDs sind nur für erfahrene Anleger geeignet. Der Grund: Sie sind hochspekulativ, dementsprechend ist das Risiko sehr hoch. Sie sollten also die Finger davon lassen (siehe oben).

Doch als Privatanleger müssen Sie ohnehin nicht auf spekulative Anlagen zurückgreifen. Denn höhere Renditen als beim Sparbuch locken auch mit anderen Investments, die deutlich sicherer sind als CFDs.

Mit ETFs Ihr Risiko breit streuen

Ein Beispiel sind ETFs, auch Indexfonds genannt. Bei diesen bildet ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie den Dax oder den Dow Jones nach. Sie investieren also in alle Aktien, die in dem Index gelistet sind.

Der Vorteil für Sie als Anleger: Sie profitieren davon, wenn der Kurs des Index steigt. Besonders auf lange Frist winkt Ihnen so ein ordentlicher Ertrag. Gleichzeitig streuen Sie Ihr Risiko breit – über viele Unternehmenswerte hinweg.

Ein weiterer Vorteil, den viele am CFD-Trading schätzen: Dass man bereits mit wenig Kapitaleinsatz viel gewinnen kann. Doch das Investment in ETFs ist auch nicht teuer. Mit einem Sparplan können Sie häufig bereits ab 25 Euro im Monat anlegen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • finanzen.net
  • brokervergleich.de
  • comdirect.de
  • depotvergleich.com
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen


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