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ADHS: Sind Medikamente die Lösung?

t-online, rev

Aktualisiert am 04.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Mit Medikamenten können die Symptome von ADHS gelindert werden. Experten empfehlen aber eine Kombinationstherapie.
Mit Medikamenten können die Symptome von ADHS gelindert werden. Experten empfehlen aber eine Kombinationstherapie. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitĂ€tsstörung) ist keine rein psychische Krankheit, sondern geht auf ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter, also der Botenstoffe im Körper, zurĂŒck. Die Informationsweiterleitung von Nervenzellen zu einzelnen Hirnpartien funktioniert nicht richtig. Mit einer gezielten medikamentösen ADHS-Behandlung kann man in diesen Stoffwechsel eingreifen.

Nicht jedes Kind mit ADHS benötigt Medikamente. Manchmal ist eine medikamentöse Behandlung jedoch wichtig fĂŒr den Erfolg weiterer Therapiemaßnahmen und kann neben den Kernsymptomen vor allem die LebensqualitĂ€t verbessern.

ADHS-Medikamente: Risiken und Nebenwirkungen vor der Dosierung abwÀgen

Bevor man sich fĂŒr eine medikamentöse Behandlung von ADHS entscheidet, gilt es, mögliche Nebenwirkungen und die Wirksamkeit der Therapie sorgfĂ€ltig abzuwĂ€gen. In den Beipackzetteln der Medikamente wird dringend geraten, die medikamentöse Therapie erst ab dem sechsten Lebensjahr zu beginnen. Außerdem muss der Arzt fĂŒr jedes ADHS-Kind die individuelle Dosis sowie den richtigen Einnahmezeitpunkt finden, um die maximale Wirkung zu erreichen, ohne das Kind mit zu vielen Nebenwirkungen zu belasten. Akute Risiken wie Tic-Störungen oder HirnkrĂ€mpfe mĂŒssen vorher von Ă€rztlicher Seite ausgeschlossen werden.

Medikamente unterdrĂŒcken nur die Symptome von ADHS

Eine Medikation bei ADHS hat den Vorteil einer schnellen und breiten Wirksamkeit. Der Nachteil: Eltern sollten sich im Klaren darĂŒber sein, dass Medikamente die Krankheit nicht heilen können, sondern nur fĂŒr den Zeitraum der Einnahme die Symptome lindern.

ADHS: Welche Medikamente fĂŒr welches Kind?

Die zur Behandlung eingesetzten Medikamente unterscheiden sich in ihrem Wirkmechanismus und in der LĂ€nge ihrer Wirkungsdauer. Da oft viel Zeit bis zur endgĂŒltigen Diagnose vergangen ist, werden meistens Medikamente eingesetzt, die sehr schnellen Erfolg versprechen.

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Wichtig ist allerdings auch, dass die medikamentöse Therapie je nach Art der BeeintrĂ€chtigung erfolgt. Bei Kindern, die nur in bestimmten Situationen betroffen sind, sollte dafĂŒr gesorgt sein, dass sie in diesen Lebensbereichen zurechtkommen. In diesen FĂ€llen eignet sich eine situativ wirksame Medikation mit relativ kurzer Wirkung. FĂŒr situationsunabhĂ€ngig beeintrĂ€chtigte Kinder ist dies nicht geeignet, da die behandelten Kinder einen Wechsel zwischen Wirkung und Nicht-Wirkung erleben, was sich negativ auf die Psyche des Kindes und dessen soziale Entwicklung auswirken kann. Diesen Kindern können Medikamente helfen, die ĂŒber den ganzen Tag hinweg wirken. Das kann ihnen ermöglichen, ihr Potenzial auszuschöpfen.

Ist Ritalin als Mittel gegen ADHS gefÀhrlich?

Das bekannteste Medikament im Umgang mit ADHS ist Ritalin, das den Wirkstoff Methylphenidat enthÀlt. Doch gerade dieses Arzneimittel ist aufgrund von Nebenwirkungen, die sehr hÀufig auftreten, wie Schlaflosigkeit, NervositÀt und Kopfschmerzen sehr umstritten.

HĂ€ufige Nebenwirkungen sind Nasen-RachenentzĂŒndung, Essensverweigung, verminderter Appetit, mĂ€ĂŸig verringerte Gewichts- und GrĂ¶ĂŸenzunahme (bei lĂ€ngerer Anwendung bei Kindern), seelisches Ungleichgewicht, Aggression, Unruhe, Angst, Depression, Reizbarkeit, anormales Verhalten, Schwindel, sinnlose Bewegungen, Rastlosigkeit, SchlĂ€frigkeit, Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Herzklopfen, Bluthochdruck, Husten, Rachenschmerzen, Kehlkopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Magenbeschwerden, Mundtrockenheit, Haarausfall, Juckreiz, Hautausschlag, Nesselsucht, Gelenkschmerzen, Fieber, VerĂ€nderungen von Blutdruck und Herzschlag (meist eine Erhöhung), Gewichtsabnahme.

Hier erfahren Sie mehr ĂŒber Ritalin, seine Wirkung und Risiken sowie die Kritik an dem Medikament: Ritalin gegen ADHS - Wundermittel oder Kokain fĂŒr Kinder?

Suchtgefahr durch ADHS-Medikamente besteht kaum

Viele Eltern fĂŒrchten zudem eine mögliche MedikamentenabhĂ€ngigkeit ihrer Kinder. Forschungsergebnisse belegen jedoch, dass eine richtig dosierte Behandlung in der Regel zu keiner AbhĂ€ngigkeit fĂŒhrt. Allerdings liegen keine Langzeitstudien dazu vor. Vorsicht ist vor allem geboten in Familien, in denen ein erhöhtes Suchtrisiko besteht. Auf die Frage des Arztes nach SuchtfĂ€llen im Familienkreis sollte man daher immer ehrlich antworten.

Medikamente oder Verhaltenstherapie bei ADHS: Ideal ist eine Kombinationstherapie

Allen Beteiligten muss bei der Behandlung von ADHS jedoch klar sein, dass Medikamente allein nicht ausreichen, um die Störung zu kontrollieren. Viele Verhaltensweisen, die durch ADHS bedingt sind, haben sich ĂŒber einen langen Zeitraum eingeschlichen und sind nicht so einfach loszuwerden. Die medikamentöse Behandlung muss daher unterstĂŒtzt werden durch Psychotherapie in Form von Verhaltenstherapie und gezielte Förderung im familiĂ€ren Bereich.

ErnÀhrung bei ADHS: spezielle DiÀt kann helfen

Des Weiteren gehen Experten davon aus, dass eine spezielle ErnĂ€hrung bei vielen Kindern mit ADHS die Symptome der Störung deutlich lindern kann. Lesen Sie hier, was bei der ErnĂ€hrung fĂŒr ADHS-Kinder beachtet werden sollte und in welchen FĂ€llen eine "SpezialdiĂ€t" helfen kann.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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