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Ab einem Alter von drei Jahren sind Blutdruckmessungen sinnvoll

t-online, Claudia Staub

Aktualisiert am 26.07.2019Lesedauer: 3 Min.
Blutdruck-Kontrolle beim Arzt: Auch Kinder können schon von Bluthochdruck betroffen sein.
Blutdruck-Kontrolle beim Arzt: Auch Kinder können schon von Bluthochdruck betroffen sein. (Quelle: Thomas Barwick/getty-images-bilder)
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Bluthochdruck ist zunehmend auch ein Problem bei Kindern und Jugendlichen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte sind bereits vier Prozent der Vorschulkinder und sogar zehn Prozent der Schüler davon betroffen. Mit unserer Tabelle können Sie überprüfen, ob der Blutdruck Ihres Kindes innerhalb der Grenzwerte liegt.

Das Wichtigste im Überblick


  • Ursachen von Bluthochdruck bei Kindern
  • Bluthochdruck als Folge von ADHS
  • Mögliche Folgen: Wie Bluthochdruck den Körper schädigt
  • Behandlung bei erhöhtem Blutdruck
  • Blutdruck-Tabelle mit Richtwerten

Jeder zweite Deutsche stirbt an an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Neben dem Rauchen ist Bluthochdruck – medizinisch Hypertonie – ein wesentlicher Risikofaktor. Doch bereits im Kindesalter lässt sich darauf Einfluss nehmen.

Besonders tückisch: Bluthochdruck bei Kindern bleibt meist unbemerkt. "Es gibt keine typischen Symptome", sagt Hermann Josef Kahl, Kinderkardiologe aus Düsseldorf. "Ab dem dritten Geburtstag sollten Eltern daher regelmäßig den Blutdruck ihres Kindes messen lassen."

Ursachen von Bluthochdruck bei Kindern

Wie bei den Erwachsenen sind die Ursachen von Bluthochdruck vielfältig. Als größtes Risiko gilt Übergewicht. "Wir rechnen damit, dass die Anzahl der Kinder mit Bluthochdruck weiter steigen wird, denn Übergewicht und Bewegungsmangel nehmen stetig zu", so Kahl. Auch Herz- oder Nierenerkrankungen können zu einem Anstieg des Blutdrucks führen.

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Aber auch Kinder, deren Eltern unter Bluthochdruck leiden, sind gefährdet. Manchmal kann ein erhöhter Blutdruck auch auf eine Nierenfunktionsstörung oder ein Herzleiden hinweisen.

Neben genetischen Ursachen gelten vor allem Lärm und Passivrauchen als weitere Faktoren, die den Bluthochdruck begünstigen. Besonders problematisch ist es, wenn mehrere Risiken zusammentreffen. Gefäßschädigungen entwickeln sich über viele Jahre – je mehr Risikofaktoren sich ansammeln, umso früher und dramatischer entwickelt sich die Krankheit.

Bluthochdruck als Folge von ADHS

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Wirkstoffe, die bei der Behandlung von ADHS eingesetzt werden, beispielsweise Methylphenidat (Ritalin) oder Atomoxetin (Strattera), als Nebenwirkung bei 80 Prozent der Patienten zu erhöhtem Blutdruck führt. "Hier ist eine regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Arzt unbedingt nötig", sagt Kahl. Die Hauptursache für den vermehrt auftretenden Bluthochdruck bei Kindern sei dies aber nicht, sondern das schon genannte Übergewicht. "Adipositas nimmt zu, ADHS nicht", so der Mediziner.

Mögliche Folgen: Wie Bluthochdruck den Körper schädigt

Bluthochdruck schädigt die Gefäßwände. Das ist schon bei den Kindern sicht- und nachweisbar. Wird der erhöhte Blutdruck nicht behandelt, drohen den Kindern die gleichen dramatischen Folgen wie Erwachsenen: Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen – nur eben viel früher, schon im jungen Erwachsenenalter.

Behandlung bei erhöhtem Blutdruck

"Adipöse Kinder müssen ihr Gewicht unbedingt regulieren", rät Kahl dringlich. Eltern können ihren Kindern dabei helfen, indem sie für eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung sorgen. Fast Food, Fertiggerichte, Käse, Gemüsesaft, Salat- und Nudelsoßen enthalten beispielsweise häufig große Mengen Salz. "Neben einem vermehrten Salzkonsum und einem erhöhten BMI gilt auch ein vergrößerter Taillenumfang als Risikofaktor für Bluthochdruck", so Kahl. Ist der Wert von Taille zu Körpergröße größer oder gleich 0,58, vervierfacht sich das Bluthochdruckrisiko für Jungen (um das 4,2‐fache) und für Mädchen (um das 4,4‐fache), so das Ergebnis einer chinesischen Studie.

Ein gesunder Lebensstil führt dagegen langfristig zur Gewichtsabnahme und damit auch zu einer Normalisierung des Blutdrucks. Ansonsten müssen die betroffenen Kinder mit den gleichen Medikamenten wie Erwachsene behandelt werden.

Blutdruck-Tabelle mit Richtwerten

Der Blutdruck bei Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich je nach Alter, Geschlecht und Größe. Üblicherweise wird er als Zahlenpaar aus maximalem ("systolisch") und minimalem Wert ("diastolisch") angegeben, für Erwachsene gilt beispielsweise 120 zu 80 als idealer Wert. In der Tabelle sind die maximal zulässigen Blutdruckwerte für Kinder nach dem Alter gestaffelt zusammengefasst, wobei von einer mittleren Größe der Kinder ausgegangen wird. Abweichungen bei sehr kleinen oder sehr großen Kindern sind also möglich.

Richtwerte für Mädchen

Alter systolisch diastolisch
3 106,4 68
4 106,8 68,2
5 107,4 68,9
6 108,5 69,2
7 109,8 69,9
8 111,3 70,4
9 113 71
10 115 72
11 117 72,8
12 119,5 73,7
13 121,5 74,5
14 123 75,6
15 124 76,8
16 124,8 78
17 125,5 79
18 126,4 80,6

Richtwerte für Jungen

Alter systolisch diastolisch
3 106,5 67,2
4 106,8 67,7
5 107 68
6 107,8 68,7
7 109 69
8 110 70
9 111,8 71
10 113,5 72
11 115,7 73
12 118 74
13 121,5 75
14 125,5 76,5
15 129,5 78
16 133 79
17 136 81
18 139 82

Quelle: Referenzperzentile für anthropometrische Maßzahlen und Blutdruck aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) 2003–2006

Das Kinderkrankheiten-Lexikon bietet einen Überblick über die häufigsten Kinderkrankheiten. In den Artikeln werden Symptome, Behandlung und mögliche Folgen der Kinderkrankheiten erklärt. Eltern erfahren, bei welchen Anzeichen das Kind schnell zum Arzt muss und bei welchen Krankheiten auch Hausmittel helfen können. Sie finden auch die Information, ob und wie lange Kinderkrankheiten ansteckend sind. Manchen Kinderkrankheiten kann man durch Impfung vorbeugen. Einen Überblick über die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen bietet ergänzend unser Impfkalender.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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