Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Was ist der Unterschied zwischen ADHS und ADS?

t-online, rev

Aktualisiert am 30.06.2020Lesedauer: 4 Min.
ADS und ADHS sind nicht das Gleiche – Kinder mit ADS leben in ihrer eigenen Gedankenwelt.
ADS und ADHS sind nicht das Gleiche – Kinder mit ADS leben in ihrer eigenen Gedankenwelt (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Immer wieder fĂŒhren die AbkĂŒrzungen ADHS und ADS zu Unklarheiten. Wenn dann noch die englische Bezeichnung ADD (Attention Deficit Disorder) ins Spiel kommt, ist das Begriffschaos perfekt. Oft wird ADHS mit ADS gleich gesetzt. Doch es gibt eindeutige Unterschiede.

Die Krankheiten ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung) und ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) haben teilweise unterschiedliche Symptome, vor allem aber verschiedene Auswirkungen. Entsprechend mĂŒssen sie auch unterschiedlich behandelt werden.

ADHS und ADS: Der Unterschied ist die HyperaktivitÀt

Im Wesentlichen besteht der Unterschied zwischen ADHS und ADS darin, dass bei ADHS zu den Symptomen Unaufmerksamkeit und ImpulsivitÀt noch die HyperaktivitÀt hinzu kommt. Aus diesem Grund werden Kinder mit ADHS als "Zappelphilipp" wahrgenommen, Kinder mit ADS erscheinen hingegen eher vertrÀumt und in sich gekehrt.

Kinder mit ADS fallen weniger auf als ADHS-Patienten

Kinder mit ADS sind gewöhnlich sehr ruhig, stören nicht im Unterricht und wirken schĂŒchtern oder gar apathisch. Da sie damit – anders als motorisch hyperaktive Kinder – nicht weiter auffallen, gelingt es ihnen oft die Krankheit zu verbergen. Sie wird dadurch auch schwerer zu diagnostizieren, weshalb die Betroffenen hĂ€ufig sehr lange keine professionelle Hilfe erhalten.

ADS-Kinder leben in ihrer eigenen Gedankenwelt

TatsĂ€chlich leiden sie aber ebenfalls unter einem Aufmerksamkeitsdefizit, da sie permanent in ihren stĂ€ndig wechselnden Gedanken versunken sind. In gewisser Weise sind ADS-Kinder somit auch hyperaktiv – nur ist hier die HyperaktivitĂ€t nach innen gerichtet: Das Kind lebt in seiner eigenen Gedankenwelt – nach außen ist es ruhig, innerlich ist es stark aufgewĂŒhlt.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige GefĂ€ngnis "Number Four", in dem wĂ€hrend der Apartheid in SĂŒdafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: WĂ€hrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ĂŒber Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine gestritten.


ADS und seine AusprÀgungen im Detail

Bei ADS handelt sich um ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, das auf eine angeborene und vererbbare Impulssteuerungs- und ReizfilterschwĂ€che zurĂŒckzufĂŒhren ist. ADS kommt bei normaler Intelligenz vor, hĂ€ufig ist es jedoch an eine ĂŒberdurchschnittliche Intelligenz gekoppelt. In Deutschland ist ADS auch unter der Bezeichnung "hyperaktives Kind", "Hyperkinetisches Syndrom (HKS)" und – veraltet – als "Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD)" bekannt. Da nicht alle Kinder mit ADS hyperaktiv sind und die Bezeichnung "MCD" ein unklar definierter Begriff aus den 60er Jahren ist, wird die Krankheit heute meist "ADS" genannt, obwohl auch dieser Begriff die vielschichtige Problematik des "Syndroms der Extreme" nicht vollstĂ€ndig beschreiben kann.

Die Kernsymptome

Aufmerksamkeits- und KonzentrationsunbestĂ€ndigkeit: Das Kind ist leicht ablenkbar, es fĂ€ngt alles mögliche an, bringt aber nichts zu Ende, hat Schwierigkeiten, Anweisungen zu befolgen, macht viele FlĂŒchtigkeitsfehler bei Schularbeiten. Es kann Hausaufgaben nicht in angemessener Zeit erledigen, hat Probleme beim Organisieren von Aufgaben und AktivitĂ€ten, hat wenig Ausdauer bei Arbeit und Spiel, ist oft vergesslich und verliert hĂ€ufig Sachen, die fĂŒr Aufgaben und AktivitĂ€ten benötigt werden.

ImpulsivitĂ€t: Das Verhalten des Kindes ist oft unvorhersehbar, es fasst einen Entschluss und fĂŒhrt ihn sofort aus, ohne an die Folgen zu denken. Das Kind gibt in der Klasse eine unĂŒberlegte Antwort, bevor die Frage vollstĂ€ndig gestellt wurde, es platzt oft in die Spiele anderer Kinder hinein und mischt sich störend in ErwachsenengesprĂ€che ein. Es hat ein extremes Bestreben, belohnt zu werden, und braucht viel Beachtung. Charakteristisch ist außerdem das mangelnde Bewusstsein fĂŒr Gefahren – fĂŒr sich und andere – und das generelle Problem, das eigene Verhalten zu steuern. Das Ă€ußert sich hĂ€ufig in einer situationsunangepassten Selbstdarstellung.

HyperaktivitĂ€t: Das Kind ist sehr zappelig und immer in Bewegung. Es kann nicht still sitzen und verlĂ€sst auch in der Schule hĂ€ufig seinen Platz. Es redet ĂŒbermĂ€ĂŸig viel und fĂ€llt dabei zusĂ€tzlich durch seine ĂŒbertriebene LautstĂ€rke auf.

Die Erscheinungsbilder

Die Erscheinungsbilder von ADS werden in drei Hauptgruppen unterteilt. Die erste Gruppe bilden ADS-Patienten des kombinierten Typs. Es handelt sich dabei um die hĂ€ufigste Erscheinungsform. Bei betroffenen Kindern sind alle drei Kernsymptome vorhanden. Die zweite Gruppe bilden die ADS-Patienten des vorwiegend unaufmerksamen Typs, bei ihnen wird ADS ohne HyperaktivitĂ€t diagnostiziert. Der letzte AusprĂ€gungstyp ist das ADS mit vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Merkmalen. Patienten dieses Typs haben zwar keine Konzentrationsschwierigkeiten, fallen jedoch oft durch unangebrachtes Verhalten auf. Im Rahmen der drei Kernsymptome finden sich ĂŒber 100 Einzelsymptome, die in unterschiedlich starken AusprĂ€gungen auftreten können, aber in der Regel nicht alle gleichzeitig vorhanden sind.

Soziale Auswirkungen fĂŒr das Kind

Die sozialen Auswirkungen von ADS stellen fĂŒr Betroffene und deren Familien das grĂ¶ĂŸte Problem dar. In den prĂ€gendsten Jahren des Heranwachsens sind die Kinder oft ungerechtfertigter Kritik, VorwĂŒrfen und Bestrafungen ausgesetzt, weil ihre Eltern und Lehrer aus Unwissen von vorsĂ€tzlichem Fehlverhalten, Dummheit oder Faulheit ausgehen. Die Kinder wollen wie ihre Klassenkameraden sein, können es aber nicht und verstehen nicht, warum dies so ist. Sie fĂŒhlen sich deshalb als Außenseiter und aufgrund der negativen VerstĂ€rkung durch das erzieherische und soziale Umfeld, als minderwertig. Zum Selbstschutz entwickeln sie Abwehr- und Vermeidungsstrategien sowie Verhaltensmuster, mit denen sie ihre Akzeptanz in der Gruppe verbessern wollen.

Reaktionen auf Ablehnung

Durch das stĂ€ndige negative Feedback sind ADS-Kinder leicht irritierbar. Sie neigen zu WutanfĂ€llen und reagieren ĂŒberempfindlich auf Kritik. Das wird bedingt durch ihr geringes SelbstwertgefĂŒhl. Sie versuchen, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, und wenn sie sich nicht vermeiden lassen, werden sie ignoriert. Weil die betroffenen Kinder es nicht schaffen, sich nahtlos in ihr soziales Umfeld zu integrieren, werden sie von Klassenkameraden oft als "komisch" empfunden. Man will nichts mit ihnen zu tun haben. Sie sind unbeliebt und werden hĂ€ufig zum SĂŒndenbock. Wenn sie auffallen, dann stets negativ. Durch Frechheiten, LĂŒgen oder als Klassenkasper. Oft Ă€ußert sich ihre Wut auch physisch und sie provozieren SchlĂ€gereien.

Kinder des kombinierten oder vorwiegend unaufmerksamen Typs leiden zusĂ€tzlich unter ihrer Lernstörung, die sich durch schlechte Leistungen in der Schule zeigt. Problematisch fĂŒr diese Kinder ist vor allem die Diskrepanz zwischen der eigenen Intelligenz und den Schulnoten, die hĂ€ufig zu einer Beschulung unter ihrem Niveau fĂŒhrt.

Weitere Artikel

Diskussion
Modekrankheit, LĂŒge der Pharmaindustrie – gibt es ADHS gar nicht?
Nur eine Modekrankheit? Manche Kritiker gehen sogar davon aus, dass es die Krankheit ADHS gar nicht gibt.

Aufmerksamkeitsstörung, HyperaktivitÀt, ImpulsivitÀt
Das sind die Symptome von ADHS je nach Alter
ADHS: HyperaktivitĂ€t und wenig Ausdauer, bei einer Sache zu bleiben, sind einige der Symptome fĂŒr ADHS bei Kleinkindern.

Alternativen zu Ritalin?
ErnÀhrungsumstellung könnte ADHS lindern
SĂŒĂŸigkeiten und Kuchen


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Deutschland
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website