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Auch mit Diabetes darf man S├╝├čes essen

t-online, Simone Bla├č

Aktualisiert am 08.11.2013Lesedauer: 6 Min.
Jan (12) leidet an Diabetes Typ I. Die Krankheit fordert ihm viel Disziplin ab, so muss er mehrmals t├Ąglich seinen Blutzucker ├╝berpr├╝fen.
Jan (12) leidet an Diabetes Typ I. Die Krankheit fordert ihm viel Disziplin ab, so muss er mehrmals t├Ąglich seinen Blutzucker ├╝berpr├╝fen. (Quelle: privat)
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Mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland haben Diabetes Typ I, die sogenannte "juvenile Diabetes". J├Ąhrlich kommen ├╝ber 2000 neue F├Ąlle hinzu - Tendenz steigend. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, f├╝r die f├Ąlschlicherweise immer wieder die Eltern verantwortlich gemacht werden. Dass diese Krankheit nichts mit dem so genannten "Alterszucker" zu tun hat, der vor allem durch schlechte Lebensgewohnheiten und falsche Ern├Ąhrung ausgel├Âst wird, haben Jan und seine Familie schon tausendmal erkl├Ąrt. Doch selbst der Oma f├Ąllt es schwer, zu verstehen, dass der Junge trotz "Zucker" alles essen darf. Vorausgesetzt, die Werte stimmen.

Ein ├ärztefehler h├Ątte Jan fast das Leben gekostet

An den Tag, an dem die Familie erfuhr, dass Jan unter Diabetes leidet, erinnern sich alle mit Schrecken. Stand sein Leben doch auf Messers Schneide. "Er lag auf dem Sofa, hat gehechelt, seine Pupillen waren riesig, das Gesicht kreidebleich", erinnert sich seine Mutter Christa. "Wir sind sofort zum Kinderarzt." Der diagnostizierte "irgendeine Stoffwechselst├Ârung" und schickte die Familie mit dem v├Âllig entkr├Ąfteten Kind auf dem Arm ins Krankenhaus, statt einen Notarzt zu holen. Dort endlich wurde reagiert, Jan war bereits ohnm├Ąchtig - sein Blutzuckerwert lag bei 600. Normal sind 80 bis 100 mg/dl. "Und wir hatten ihm noch Cola und Salzst├Ąngchen gegeben, weil wir dachten, wir k├Ânnten das Kind so aus der Schw├Ąche holen. Wer kann denn ahnen, dass das Diabetes ist."

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Die Warnzeichen sind f├╝r Laien schwer zu erkennen

Dass das Kindergartenkind vorher au├čergew├Âhnlich viel Durst hatte, dass es dauernd aufs Klo musste, der kleine K├Ârper nur noch aus Muskeln bestand, weil er bereits das Fett als Energiereserve verbrauchte, das ist den Eltern zwar aufgefallen, wurde aber nicht als Warnzeichen wahrgenommen. Heute sind sie bestens informiert und haben auch eine Vermutung, woher die extreme ├ťberreaktion des Immunsystems kommen k├Ânnte: "Jan litt im S├Ąuglingsalter unter einer beidseitigen Lungenentz├╝ndung, die viel zu sp├Ąt erkannt wurde und wir gehen davon aus, dass das f├╝r sein Immunsystem der Startschuss war, gegen Dinge zu k├Ąmpfen, die gar nicht bek├Ąmpft werden sollen." Eine Vermutung, die von Forschern best├Ątigt wird. Wei├č man doch inzwischen, dass eine heftige Infektion die K├Ârperabwehr durchaus in die Irre leiten kann. Ein Kampf, den Jan sein ganzes Leben lang mittragen muss.

Gaffer bremst Jan durch Offenheit aus

Eine Heilung der Erkrankung, die auch genetische Komponenten in sich hat, ist nicht in Sicht. Jans K├Ârper kann selbst kein eigenes Insulin mehr produzieren. Das aber braucht er, um Blutzucker in Energie zu verwandeln, die wiederum lebensnotwendig f├╝r die Zellen ist. Der Stoff muss also von au├čen zugef├╝hrt werden. Seit ein paar Jahren hat er, wie sonst nur 3000 andere Kinder in Deutschland, eine Insulinpumpe, die man so programmieren kann, dass ein Leben mit der chronischen Erkrankung deutlich einfacher wird. Das unauff├Ąllige K├Ąstchen, das er unter dem T-Shirt tr├Ągt und das durch einen Schlauch mit ihm verbunden ist, handhabt er genauso selbstverst├Ąndlich wie vorher die Spritzen.

Von klein auf hat der heute Zw├Âlfj├Ąhrige gelernt, Verantwortung f├╝r sich zu ├╝bernehmen. Und er hat gelernt, mit Neugierigen umzugehen. "Ich fand das schon immer cool, wie offen Jan mit seiner Krankheit umgeht", erz├Ąhlt Lisa, die in der Grundschule neben dem Jungen sa├č und dadurch mehr ├╝ber Diabetes wei├č als so mancher Erwachsener. "Wenn Jan gemerkt hat, dass ihn jemand anstarrt, dann hat er denjenigen ganz locker gefragt, ob er ihm etwas erkl├Ąren soll. Und die meisten sind darauf eingestiegen."

Die Angst ums Kind ist gro├č

Trotzdem: Die Diagnose Diabetes beeintr├Ąchtigt die ganze Familie. "Die Aufmerksamkeit ist beim kranken Kind und das ist auch f├╝r die Geschwister nicht ganz einfach", bef├╝rchtet Christa. Trotzdem war Eifersucht bei Katharina und Marie nie ein Thema. Sie sind ein paar Jahre ├Ąlter als Jan und haben die Angst um den kleinen Bruder sehr bewusst miterlebt. Das hat beide M├Ądchen gepr├Ągt. "Wir alle k├Ânnen Jan nur schwer loslassen. Es besteht immer diese unterschwellige Angst, es k├Ânnte ihm etwas passieren."

Vor allem, wenn Christa an die Pubert├Ąt denkt, an die Zeit, in der der K├Ârper Achterbahn f├Ąhrt und die Werte der Diabetiker-Jugendlichen nur schwer in den Griff zu bekommen sind, wird ihr angst und bange. "Klar hat man dann schon auch Bedenken, was ist, wenn andere einen gr├Â├čeren Einfluss auf ihn haben als ich. Wird er dann diszipliniert genug sein? Aber es ist wichtig, dass er seine eigenen Wege gehen kann, dass er einen Lebensrahmen hat, der so normal wie m├Âglich ist!"

Von Diabeteskindern wird eine unglaubliche Disziplin erwartet

Das Wort "Disziplin" f├Ąllt im Laufe des Gespr├Ąches h├Ąufig. Und auch die Bef├╝rchtung, das Kind sei ├╝berfordert mit dem, was die Umwelt von ihm erwartet. "Oft geht man davon aus, dass Jan mit der Krankheit umgeht wie ein Erwachsener, aber das ist zu viel verlangt." Diese Erfahrung haben seine Eltern vor allem in Bezug auf die Schulen gemacht. "Man hatte Angst vor dem Mehraufwand, bef├╝rchtete, wir k├Ânnten eine Sonderstellung f├╝r unseren Sohn verlangen."

Dabei braucht es nicht viel. Jan muss sich regelm├Ą├čig messen, das Ergebnis auf die Proben schreiben, damit man einsch├Ątzen kann, ob vielleicht die Konzentration krankheitsbedingt niedrig war und manchmal, wenn sein Wert - zum Beispiel durch Stress - f├Ąllt, muss er auch w├Ąhrend des Unterrichts etwas essen. Doch das wurde ihm schon h├Ąufig verwehrt. "Was zur Folge hatte, dass wir ihn holen mussten, weil es ihm schlecht ging."

"Manchmal muss ich zusehen, wenn die anderen essen"

Trotz allem versucht die Familie, m├Âglichst unaufgeregt mit dem Thema umzugehen. Klar, gemessen werden muss regelm├Ą├čig, aber f├╝r Jan ist das bereits Alltag. "Und das ist auch gut so. Man muss ein bisschen locker lassen, sonst wird man ja verr├╝ckt. Es gibt sicher Familien mit Diabeteskindern, die die Werte perfekt im Griff haben. Aber ich frag mich immer, welche Opfer daf├╝r die ganze Familie bringen muss und ob das dann wirklich gut ist f├╝r das kranke Kind?" Bei Jans Familie passiert es schon mal, dass der Wert stark ausschl├Ągt oder Jan sich nicht fr├╝h genug darum gek├╝mmert hat, ihn im richtigen Bereich zu haben, um mit der Familie mitessen zu k├Ânnen.

"Dann warten wir halt", meint Christa. Und Marie erg├Ąnzt: "Fr├╝her haben wir alle mehr darauf geachtet, was wir wann essen, aber jetzt kann es schon mal vorkommen, dass er eben zusehen muss, weil sein Wert gerade nicht stimmt." Klingt im ersten Moment hart, ist aber auch ein Teil der Familienma├čnahmen, um der Krankheit nicht zu viel Raum zu geben.

"Warum ich?"

Meistens nimmt Jan die Sache recht gelassen, manchmal aber ist er w├╝tend, traurig oder ├Ąngstlich. Er fragt sich: "Warum ich?" Dann hilft die ganze Familie zusammen, um ihn wieder aus dem Loch zu holen. "Man muss das schon auch im Blick haben, dass relativ viele Kinder mit Diabetes depressiv werden", so Christa. Manchmal ist der Junge aber auch einfach nur genervt von seiner Krankheit: "Das ist nicht so einfach, dr├╝ber zu stehen, wenn andere sich die B├Ąuche vollschlagen und der eigene Wert ist so hoch, dass man einfach noch abwarten muss."

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Auch "die dauernden Vorw├╝rfe" der Gro├čen, wenn er mal wieder nicht jeden einzelnen Keks in sein Tagebuch eingetragen hat, st├Âren den Jungen. Genauso wie die Tatsache, dass er dauernd Gummib├Ąrchen geschenkt bekommt und seine Schwestern die leckere Schokolade abbekommen, nervt den Zw├Âlfj├Ąhrigen ziemlich. "Dabei darf ich doch alles essen und Schokolade ist sogar besser f├╝r mich als Gummib├Ąrchen. Die habe ich nur immer dabei, weil ein kleines T├╝tchen eine BE (Broteinheit) hat und ich damit im Notfall den Wert schnell und kontrolliert nach oben bekomme. Aber alle denken, ich mag die und darf nichts anderes S├╝├čes essen."

Die Zukunft klar im Blick

"Auf der einen Seite kann man alles machen, auf der anderen Seite l├╝gt man sich die Welt auch mal gerade", seufzt Christa. ├ťber die Nebenerscheinungen, die bei Diabetes auftreten k├Ânnen, versucht sie nicht allzu viel nachzudenken. "Aber genau deswegen ist es mir ja auch so wichtig, dass er dranbleibt, dass er sich k├╝mmert." Und das tut Jan. Er ist reif f├╝r sein Alter, macht sich ├╝ber Dinge Gedanken, die andere mit Zw├Âlf nicht interessieren. Und er wei├č auch schon, was er mal werden will: Diabetesberater.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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