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Neue Studie: Überträgt sich das Coronavirus über die Luft?

Debatte neu angefacht  

Überträgt sich das Coronavirus über die Luft?

22.03.2020, 16:00 Uhr | Paul Ricard, AFP

Wie das Coronavirus menschliche Zellen infiziert

Forscher haben herausgefunden, wie das Coronavirus im menschlichen Körper wirkt. Eine Video-Animation zeigt, was das Virus ansteckender als den SARS-Erreger macht. (Quelle: t-online.de)

Coronavirus: So wird der Erreger auf den Menschen übertragen. (Quelle: t-online.de)


Wissenschaftler gehen bisher davon aus, dass das Coronavirus vor allem über eine Tröpfchen- und Kontaktinfektion weitergegeben wird. Eine Übertragung über die Luft wurde nicht nachgewiesen – bis jetzt. Denn eine neue Studie will das Gegenteil bewiesen haben.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus Ende des Jahres beschäftigt die Wissenschaft vor allem eine Frage: Wie genau wird das Virus übertragen – und ist auch eine Übertragung über die Luft möglich? Eine Studie im angesehenen Fachmagazin "New England Journal of Medicine" (NEJM) hat die Debatte in dieser Woche erneut angefacht.

Darin kommen die Autoren zu dem "beunruhigenden Ergebnis, dass die Übertragung des Virus SARS-CoV-2 per Aerosol", also in Form von Schwebeteilchen, durchaus möglich sei. Experten raten aber von vorschnellen Schlüssen ab: Ihnen zufolge lässt sich aus der Studie keineswegs ableiten, dass das Virus Menschen ansteckt, indem es in der Luft bleibt, wenn ein Kranker hustet.

Übertragung hauptsächlich über Atemwege

Sicher ist bis heute nur, dass SARS-CoV-2 hauptsächlich über die Atemwege – wenn ein Patient beim Husten beispielsweise Speicheltröpfchen ausstößt – sowie durch Körperkontakt übertragen wird. Deshalb raten die Gesundheitsbehörden immer wieder, mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand zu halten.

In ihrer NEJM-Studie wiesen die Forscher nun nach, dass das Virus drei Stunden lang als Schwebeteilchen in der Luft überleben kann – dafür versprühten sie das Virus mit einer Art Zerstäuber in der Luft.

Ihre Kollegen weisen allerdings darauf hin, dass das Experiment mit der Realität wenig übereinstimmt: Muss ein Erkrankter husten oder niesen, "fallen die Tröpfchen im Vergleich zu einem Aerosol ziemlich schnell zu Boden", weil sie schwerer sind als die Schwebeteilchen aus einem Sprühnebel, sagt Paul Hunter von der britischen Universität von East Anglia.

Virus ist noch bis zu drei Tage lang nachweisbar

Hunter bleibt bei seiner bisherigen Einschätzung der Risiken – die vor allem bestehen, wenn jemand zu nah bei einem Infizierten steht oder Oberflächen berührt, auf denen Speicheltröpfchen haften. Nach dem Berühren kontaminierter Oberflächen besteht nämlich die Gefahr, dass man sich mit der Hand über das Gesicht fährt und sich seinerseits über Nase, Augen oder den Mund infiziert.

In der von NEJM veröffentlichten Studie ließ sich das Virus noch bis zu drei Tage lang auf Kunststoff- oder Edelstahloberflächen nachweisen und auf Pappe bis zu 24 Stunden. Ob man sich aber tatsächlich infiziert, hängt von der "Menge der Viren" ab, erklären die Forscher. "Unser Rat lautet deshalb immer, sich vorsichtshalber regelmäßig gründlich die Hände zu waschen", sagt der britische Experte Hunter.

Virusübertragung über die Luft sei "nicht völlig auszuschließen"

Andererseits kann aber eine Übertragung des Virus über die Luft derzeit auch nicht völlig ausgeschlossen werden. "Wir können die Idee nicht völlig beiseite wischen, dass das Virus in der Lage ist, eine bestimmte Strecke in der Luft zurückzulegen", sagte der renommierte US-Immunologe Anthony Fauci dem US-Fernsehsender NBC.

Sollte sich die Hypothese durch weitere Studien bestätigen, würde dies auch die bisherigen Ratschläge zu den geeignetsten Schutzmaßnahmen radikal verändern – beispielsweise die bisherige Annahme, dass es wenig sinnvoll ist, im Alltag Atemschutzmasken zu tragen, wenn man nicht krank ist.

Für den Virologen Étienne Simon-Lorière vom Pasteur-Institut bestätigt die Studie in jedem Fall aber eine Notwendigkeit für alle Ärzte und Pfleger, die Corona-Patienten im Krankenhaus behandeln: "Sich immer gut zu schützen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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