Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus >

Vorsicht vor Gesundheitsrisiko: Experten raten trotz Corona von Seife ab

Gesundheitsrisiko festgestellt  

Experten raten trotz Corona von häufigem Händewaschen ab

08.04.2021, 11:14 Uhr | Sandra Trauner, dpa

Vorsicht vor Gesundheitsrisiko: Experten raten trotz Corona von Seife ab. Handhygiene: Wie richtiges Händewaschen geht, dürften nach über einem Jahr Corona-Pandemie alle gelernt haben. (Quelle: Getty Images/Stígur Már Karlsson/Heimsmyndir)

Handhygiene: Wie richtiges Händewaschen geht, dürften nach über einem Jahr Corona-Pandemie alle gelernt haben. (Quelle: Stígur Már Karlsson/Heimsmyndir/Getty Images)

Handhygiene mit Seife wird zum Schutz vor Coronaviren dringend empfohlen. Doch genau das könnte neue Gesundheitsrisiken entstehen lassen. Was empfehlen Dermatologen?

Hände unters Wasser halten, einseifen, 20 bis 30 Sekunden waschen, abspülen, abtrocknen. Wie richtiges Händewaschen geht, dürften nach über einem Jahr Corona-Pandemie alle gelernt haben. Plakate, nicht nur an öffentlichen Waschbecken, sorgen dafür, dass das "H" (Hygiene) in der AHA-Regel nicht in Vergessenheit gerät. Nun aber warnen Hautärzte, das ständige Händewaschen mit Seife habe in der Pandemie zu mehr Handekzemen geführt.

"Die empfohlenen intensivierten Maßnahmen der Handhygiene bergen ein nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko für die Entstehung von Handekzemen", sagt der Sprecher der Deutschen Dermatologische Gesellschaft (DDG), Peter Elsner (Uniklinikum Jena) und empfiehlt, lieber zu Desinfektionsmittel zu greifen.

Ärzte und Pflegepersonal besonders gefährdet

Rückmeldungen aus Hautarztpraxen und -kliniken zeigten, dass die Zahl der Patienten mit Ekzemen an den Händen seit einem Jahr steige, berichtet Elsner. Besonders gefährdet seien derzeit Menschen im Medizinsektor: Bei einer Befragung von über 100 Beschäftigten des Universitätsklinikums München klagten 90 Prozent über die Symptome eines Handekzems wie Trockenheit, Rötung, Jucken, Brennen, Schuppen oder Risse. Bei ihnen war seit Pandemiebeginn die Nutzung von Seife, Desinfektionsmitteln und Handcreme stark angestiegen.

"Natürlich gelten in der Pandemie die AHA-Regeln", betont Elsner. "aber für eine gesunde Haut ist desinfizieren besser als einseifen". Seife löse die Fette aus der Haut, die natürliche Barriere des Körpers werde zerstört.

Handhygiene: Dermatologen raten dazu, lieber zu Desinfektionsmittel zu verwenden. (Quelle: Getty Images/Luke Chan)Handhygiene: Dermatologen raten dazu, lieber zu Desinfektionsmittel zu verwenden. (Quelle: Luke Chan/Getty Images)

Solange die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind, sollte ein viruswirksames, alkoholisches Händedesinfektionsmittel anstatt Seife genutzt werden, schreibt die DDG in ihren Empfehlungen für Pandemiezeiten. Nach jedem Waschen oder Desinfizieren sei das Eincremen der Hände ratsam.

Händewaschen mit Seife als wirksame Maßnahme?

Dass häufiges und gründliches Händewaschen mit Seife der Allgemeinbevölkerung zum Schutz vor Coronaviren empfohlen wurde, hatte nach Meinung Elsners "rein politische Gründe": Wie bei Masken habe es auch bei Desinfektionsmitteln anfangs Engpässe gegeben. Daher habe man sie nicht für die breite Bevölkerung empfehlen können.

Die Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema Infektionsschutz lesen sich anders: "Viele Infektionskrankheiten werden über die Hände übertragen", heißt es auf den Infoseiten. "Händewaschen ist eine einfache und wirksame Maßnahme, die vor einer Ansteckung schützen kann." Gerade in Zeiten von Krankheitswellen sei das besonders wichtig.

Der Verzicht auf Seife beim Händewaschen ist laut BZgA keine gute Idee: "Mit Seife die Hände zu waschen, ist deutlich wirksamer als mit Wasser alleine, denn Waschsubstanzen lösen Schmutz und Mikroben von der Haut ab." Allerdings sei ohne Seife besser als nichts, "denn auch mit Wasser alleine wird zumindest ein Teil der Erreger entfernt".

Zu häufiges Waschen wird nicht empfohlen

Dass durch die Seife der Schutzmantel der Haut angegriffen wird, wird aber nicht bestritten. "Die Haut kann austrocknen und Hautirritationen können die Folge sein." Die Bundeszentrale rät daher zu milden, pH-neutralen Waschsubstanzen und empfiehlt auch, die Hände danach einzucremen.

Ein Hygieniker stimmt den Hautärzten zu: "Je weniger ich die Hände wasche, desto besser für die Haut, da haben die Dermatologen natürlich recht", sagt der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin des Vivantes-Konzerns, Christian Brandt. "Es ist logisch und verständlich, dass Ekzeme zunehmen." Andererseits könne Wasser ohne Seife zwar Dreck abspülen, "aber keine Erreger von der Haut entfernen".

Die Lösung des Dilemmas ist aus Sicht des Hygienikers, die Hände "nicht überschießend" zu waschen. Wirklich nötig sei es etwa vor dem Essen, nach der Toilette oder wenn sie von der Arbeit stark verschmutzt sind, sagt Brandt.

Lieber zu Desinfektionsmittel greifen

Einig sind sich Elsner und Brandt auch darin, dass Desinfektionsmittel besser sind als Seife. Desinfizieren sei "effizienter, schneller und hautschonender", sagt Brandt. "Gegen Viren inclusive Corona ist Waschen mit Seife den alkoholischen Desinfektionsmitteln immer unterlegen." Deswegen würden sie auch im Krankenhaus eingesetzt.

Für den Normalbürger seien Desinfektionsmittel "eine gute Alternative für unterwegs". Um sich vor Coronaviren zu schützen sei aber weder permanentes Händewaschen noch ständiges Desinfizieren nötig, sagt Brandt. Wichtig sei es, außer Haus wenig anzufassen, sich unterwegs nicht ins Gesicht zu greifen oder aus der Hand zu essen. Die Haut selbst sei kein Eingangsweg für Viren.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Gesundheit > Coronavirus

shopping-portal